
























Keine Ahnung, bei welchem Anblick von zartem Grün es genau losging: „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus …“. Dieser Song hat sich seit ein paar Wochen ohrwurmmäßig bei mir festgesetzt. Kaum bin ich draußen im Garten, wird die Play-Taste gedrückt! Lautlos, nur in Gedanken, soweit habe ich mich schon noch unter Kontrolle. Spätromantisches Liedgut zählt nicht zu meinen musikalischen Leidenschaften, aber aus der Nummer komm ich grade nicht raus. Vielleicht ist es einfach die Freude darüber, dass die Natur nach einem gefühlt langen Winter nun endlich explodiert. Bei moderaten Temperaturen (selbst an den Eisheiligen – sonst fast Garanten für Spätfröste bei uns – waren es deutlich über null Grad) und regelmäßigen Regenschauern (bis dato schon mehr als 100 mm Niederschlag) fassten letztendlich doch alle Pflanzen den Mut, mit dem Austrieb zu beginnen.












Deutlich später als im vergangenen Jahr startete bei uns der Frühling durch. Kein Wunder, machte doch der April mit Schnee- und Graupelschauern, viel Wind und regelmäßigem Nachtfrost seinem Ruf als wankelmütiger Monat mit exzessiven Wetterkapriolen alle Ehre. Aber in der zweiten Hälfte sorgte dann doch die immer kraftvoller scheinende Frühlingssonne allmählich für mehr Farbe im Garten.







Bienen und andere summende Gäste machen sich im März bereits bei einigermaßen Plusgraden auf die Suche nach Essbarem. Energieliefernde Frühblüher sollten daher in keinem insektenfreundlichen Garten fehlen. Bei den Gehölzen stehen Sal-Weide und Hasel hierfür schon im Vorfrühling als anspruchslose und zuverlässige Nektar- und Pollenquellen zur Verfügung (noch früher liefert Lonicera x purpusii herrlich duftende Blütennahrung. Meiner Begeisterung über die Winter-Duft-Heckenkirsche habe ich hier ja in mehreren Posts Ausdruck verliehen). Wir haben sowohl von Salix caprea als auch von Corylus avellana je ein gutes Dutzend im Wilden Garten verteilt – bzw. sich selbst verbreiten lassen. Diesem Wachstum kann man sehr entspannt zuschauen: Beide Arten lassen sich, wenn nötig, mit einem radikalen Rückschnitt im Zaum halten. Ein paar Kornelkirschen ergänzen das frühe Büfett perfekt. Cornus mas ist ebenfalls sehr schnittverträglich, und man findet doch immer noch irgendwo ein Plätzchen …








Das war knackig. Der Februar bescherte uns eine Woche Dauerfrost bei nächtlichen Werten bis minus 15 Grad, dazu noch etwas Schneefall aber auch viel Sonne. Was daraus im Wilden Garten folgt, ist jetzt schon klar: Nach dem herrlich weißen Winter wonderland droht ein Frühling mit viel beigem Bambuslaub wie zuletzt 2018. Alles hat seinen Preis – schön war es trotzdem.











In diesem Januar kamen wir auch in der Nordheide in den Genuss eines kleinen Wintermärchens. Dazu ein paar Impressionen aus dem Wilden Garten.








Zum Jahresende darf natürlich ein Blick auf die Niederschlagsstatistik nicht fehlen. Das war fast eine Punktlandung: 935,25 mm haben wir hier in der Nordheide in 2020 abbekommen (die verbleibenden Stunden des Jahres dürften daran nicht mehr allzu viel ändern) – nach 933,75 mm in 2019. Die mageren 632 mm in 2018 konnten also immer noch nicht wirklich ausgeglichen werden, aber immerhin ist die Niederschlagsmenge auch nicht wieder auf ein solch niedriges Niveau abgesunken. Abwarten, was 2021 bringt und wie sich die verschiedenen Baumarten weiterentwickeln.
Fünfmal Nachtfrost und die früh einsetzende Dunkelheit waren so ziemlich die einzigen Aspekte, die im Dezember an den Winter denken ließen. Dafür haben wir es bei herbstlichem Wetter tatsächlich geschafft, mit dem Aufsitzmäher noch einmal das restliche Laub von den Wiesen zu sammeln – jetzt kann der Schnee kommen.









Bislang sind wir frostfrei durch den Oktober gekommen und selbst sensiblere Kandidaten blühen unermüdlich weiter. Das freut beim Gang durch den Garten – lud doch der Oktober bisher nicht so häufig zum sonnigen Sitzen bei herbstlicher Outdoor-Teatime ein. Aber vielleicht überrascht uns ja der November noch.
Überraschend fiel auf jeden Fall die Ausbeute an Walnüssen aus – und zwar überraschend gering. Was weniger an der Menge der vom Baum produzierten Früchte als an der übermächtigen Ernte-Konkurrenz lag: Bis zu drei Eichhörnchen trieben sich auf der Suche nach den leckeren und energievollen Nüssen gleichzeitig im Geäst herum. Näherte ich mich dem Baum, zogen sie mit ihrer Beute erst dann ab, wenn wir quasi schon auf Tuchfühlung waren. Ganze 22 Walnüsse liegen nun bei uns in der Küche zum Trocknen. Egal, den putzigen Tierchen verzeihen wir den Mundraub natürlich sofort. Leider finden sie einen großen Teil ihrer verbuddelten Winterreserven nicht wieder – davon zeugen die überall im Garten aufkeimenden kleinen Walnussbäumchen. Was tun damit? In Anbetracht der stattlichen Größe, die Juglans regia ausgewachsen erreicht, können wir die nicht alle stehen lassen. Der Garten soll schließlich keine Walnussplantage werden. Doppelt vergebene Liebesmüh also: Hörnchen müssen auf Futter verzichten, und die keimende Nuss wird nicht zum Früchte liefernden Baum. Falls also jemand einem hoch motivierten Sprössling einen schönen Platz im Grünen bieten kann …











Einen Vorteil hatte der trockene September bei uns – wir konnten ganz entspannt die Wiesen mähen. Jedes Jahr schachern wir aufs Neue: Warten wir noch ein paar Tage mit dem Mähen und genießen die letzten Wiesenblumenblüten? Oder droht kommender Regen, der den Job schnell zur desaströsen Matschorgie werden lässt? Ihn schlimmstenfalls ganz unmöglich macht, wenn die langen Halme nach Dauerberegnung plus Wind alle in der Waagerechten zusammenkleben. Diesmal war das Timing perfekt – beim Heuen schien sogar herrlich die Sonne.







