Spätere Blüte und ein trauriger Abschied

Deutlich später als im vergangenen Jahr startete bei uns der Frühling durch. Kein Wunder, machte doch der April mit Schnee- und Graupelschauern, viel Wind und regelmäßigem Nachtfrost seinem Ruf als wankelmütiger Monat mit exzessiven Wetterkapriolen alle Ehre. Aber in der zweiten Hälfte sorgte dann doch die immer kraftvoller scheinende Frühlingssonne allmählich für mehr Farbe im Garten.

Unter den alten Eichen breitet sich Anemone nemorosa langsam aber sehr stetig immer weiter aus. Dabei helfen ihr nicht nur die kriechenden Rhizome, auch über die per Wind und Insekten verteilten Samen vermehren sich die Buschwindröschen. Und so tauchen hier und da im Gras zwischen Krokussen und Narzissen immer wieder kleine dreifingerige Blätter auf (zum Glück klar von Giersch zu unterscheiden …), die nach ein/zwei Jahren von weiß leuchtenden Blütensternchen überstrahlt werden
Anemone blanda – hier die Sorte ‚White Splendour‘ – arbeitet sich mittels Bildung von neuen kleinen Knollen voran
Selbst die sehr frostharte Kamtschatka-Heckenkirsche (Lonicera kamtschatica) hat ihre Blüten in diesem Jahr etwas später geöffnet – obwohl sie einstellige Minusgrade locker wegstecken
Dieser C-Falter hat sich von der wärmenden Sonne aus seinem Überwinterungsquartier locken lassen. Bei uns kann er sich u. a. an einem großzügigen Angebot von Weidenkätzchen stärken
Die alljährliche Rhizome-abstechen-Saison bei den laufenden Bambussen wird im Wilden Garten immer an einer Insel aus Pseudosasa japonica, Indocalamus latifolius und Pleioblastus pumilus eröffnet. In diesem am Boden noch mit kriechendem Efeu durchzogenen Halm- und Blätterdschungel leben seit Jahren – sehr zu unserer Freude und gut geschützt – Zauneidechsen. Ungefähr in der Bildmitte sonnt sich eine und guckt uns wenig scheu bei der Arbeit zu
Über die Frühlingsfreude hat sich leider ein trauriger Schatten gelegt: Kurz vor seinem 80. Geburtstag verstarb der leidenschaftliche Bambusfreund und -experte Fred Vaupel. Wir werden den engagierten Austausch mit ihm schmerzlich vermissen. Zahlreiche Pflanzen in unserem Garten halten die Erinnerung wach – wie hier Fargesia ‚Freds Giant Dragon‘, einer der Sämlinge, die Fred 2003 im Shennongjia Gebirge in der chinesischen Provinz Hubei gesammelt hat und von denen ein paar bei uns im Obsthof stehen. Danke, Fred – und R. I. P.
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Pollenpower und wandernde Schösslinge

Bienen und andere summende Gäste machen sich im März bereits bei einigermaßen Plusgraden auf die Suche nach Essbarem. Energieliefernde Frühblüher sollten daher in keinem insektenfreundlichen Garten fehlen. Bei den Gehölzen stehen Sal-Weide und Hasel hierfür schon im Vorfrühling als anspruchslose und zuverlässige Nektar- und Pollenquellen zur Verfügung (noch früher liefert Lonicera x purpusii herrlich duftende Blütennahrung. Meiner Begeisterung über die Winter-Duft-Heckenkirsche habe ich hier ja in mehreren Posts Ausdruck verliehen). Wir haben sowohl von Salix caprea als auch von Corylus avellana je ein gutes Dutzend im Wilden Garten verteilt – bzw. sich selbst verbreiten lassen. Diesem Wachstum kann man sehr entspannt zuschauen: Beide Arten lassen sich, wenn nötig, mit einem radikalen Rückschnitt im Zaum halten. Ein paar Kornelkirschen ergänzen das frühe Büfett perfekt. Cornus mas ist ebenfalls sehr schnittverträglich, und man findet doch immer noch irgendwo ein Plätzchen …

Jedes Jahr ein wahrer Insektenmagnet: Auch die über und über mit hängenden männlichen Blütenkätzchen geschmückte Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana ‚Contorta‘) sorgt schnell für prall gefüllte Pollenhöschen bei den Bienen
Das samtige Dunkelblau der Iris reticulata-Blüte hingegen ist eher fürs menschliche Auge attraktiv. Nahrungssuchenden Insekten haben die Krokusse deutlich mehr zu bieten
Wie man hier sieht
Ein kurzes Schneeintermezzo gab es zwischendurch dann doch noch mal: weißer Puderzucker auf den lädierten Blättern von Pseudosasa japonica
Erheblich größeren ästhetischen Wert als frostbedingt beiges Bambuslaub bietet der Amberbaum im Winter – ganz ohne Blätter
Seine mit Korkleisten besetzte Rinde verleiht Liquidambar styraciflua etwas Urzeitliches. Damit der prachtvolle Herbstfärber sein volles Potenzial entfalten kann, sollte der Baum möglichst vollsonnig und in kalkarmem Boden stehen
Im vergangenen Jahr überraschte uns der junge 2015 gepflanzte Amberbaum mit kleinen Wurzelschösslingen. Selbst diese dünnen Stecken sind bereits mit kleinen „Pocken“ besetzt, aus denen sich später dann die Korkleisten bilden. Was tun mit den Lütten? Vorsichtig abtrennen und in Töpfen heranziehen? Wachsen lassen und gucken, ob sie sich so dicht neben dem alten Stamm behaupten? Aber dann wird es eher ein Amberbusch. Das war nicht der Plan. Einfach abschneiden? Bringe ich (noch) nicht übers Herz. Abwarten, was die kommende Vegetationsperiode bringt – noch mehr Schösslinge? –, dann wird entschieden
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Der Preis des Frosts

Das war knackig. Der Februar bescherte uns eine Woche Dauerfrost bei nächtlichen Werten bis minus 15 Grad, dazu noch etwas Schneefall aber auch viel Sonne. Was daraus im Wilden Garten folgt, ist jetzt schon klar: Nach dem herrlich weißen Winter wonderland droht ein Frühling mit viel beigem Bambuslaub wie zuletzt 2018. Alles hat seinen Preis – schön war es trotzdem.

Robuste Kandidaten wie Origanum vulgare kann so ein Wetter nicht erschüttern
Ein Blick auf das Blühfeld erfreut ebenfalls das Auge
Beim Persischen Eisenholz (Parrotia persica) kontrastieren die alten Blätter wunderbar mit dem Raureif
In diesem Jahr haben unsere beiden Exemplare von Parrotia persica zum ersten Mal Blüten angesetzt. Sie öffnen sich schon Ende Februar/Anfang März vor dem Blattaustrieb
Daumen drücken, dass die entzückenden kleinen Köpfchen mit den leuchtend roten Staubblättern auf den sie noch schützend umhüllenden braunen Hochblättern ohne weitere strenge Fröste durchkommen
Hier nützt kein Daumen drücken mehr: Bei einigen Bambussen zeigen sich bereits üble Blattschäden, z. B. bei Phyllostachys nigra ‚Punctata‘
Die relativ großen Blätter von Pseudosasa japonica bieten der Wintersonne viel Angriffsfläche. Hinzu kommt die durch den Frost eingeschränkte Wasserversorgung
Das Ergebnis kann sich sehen lassen – da bleibt kaum ein Blatt grün
Die braunen Flecken auf den Halmen von Phyllostachys vivax ‚Huangwenzhu‘ gehören da auch nicht hin
Genauso wenig wie diese zerstörten Blätter. Da hilft nur: Augen zu und auf den Neuaustrieb hoffen – alles wird wieder grün!
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Winter wonderland

In diesem Januar kamen wir auch in der Nordheide in den Genuss eines kleinen Wintermärchens. Dazu ein paar Impressionen aus dem Wilden Garten.

Verschneite Landschaft strahlt für mich immer eine große Ruhe aus. Selbst der Bambus bewegt sich kaum unter dem lastenden Schneegewicht. Kater Georgie guckt sich die weiße Pracht lieber nur von der warmen Fensterbank aus an
14 cm Schnee auf einen Schlag: Das gab es bei uns den vergangenen Jahren selten. Angesichts der drohenden Minusgrade im zweistelligen Bereich eine willkommene Isolierschicht auf dem Boden
Am Rande des Obsthofs fallen Sonnenstrahlen auf die Blätter von Fargesia nitida ‚Viking‘
Obwohl seit Jahrzehnten nicht mehr beschnitten, tragen die alten Apfelbäume immer noch tüchtig. Viele der kleinen Martini-Äpfel hängen bis in den Januar/Februar am Baum – sehr zur Freude der Amseln, die sich begeistert darüber hermachen
Der Schnee betont die bogig-filigrane Struktur von Lonicera tatarica
Hier sitzt ein kleiner Trupp unserer Hundertschaft an Buch- und Bergfinken (Stieglitze sind sonst auch noch dabei) auf einer jungen Birke. Gleich werden sie sich wieder mit Schwung in das Blühfeld stürzen, um letzte Sämereien rauszupicken
Die goldgelben Halme von Phyllostachys aureosulcata ‚Spectabilis‘ leuchten im Schneeweiß
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Niederschlag gleichbleibend

Zum Jahresende darf natürlich ein Blick auf die Niederschlagsstatistik nicht fehlen. Das war fast eine Punktlandung: 935,25 mm haben wir hier in der Nordheide in 2020 abbekommen (die verbleibenden Stunden des Jahres dürften daran nicht mehr allzu viel ändern) – nach 933,75 mm in 2019. Die mageren 632 mm in 2018 konnten also immer noch nicht wirklich ausgeglichen werden, aber immerhin ist die Niederschlagsmenge auch nicht wieder auf ein solch niedriges Niveau abgesunken. Abwarten, was 2021 bringt und wie sich die verschiedenen Baumarten weiterentwickeln.

Fünfmal Nachtfrost und die früh einsetzende Dunkelheit waren so ziemlich die einzigen Aspekte, die im Dezember an den Winter denken ließen. Dafür haben wir es bei herbstlichem Wetter tatsächlich geschafft, mit dem Aufsitzmäher noch einmal das restliche Laub von den Wiesen zu sammeln – jetzt kann der Schnee kommen.

Spotlight on: Die Sonne setzt Miscanthus sinensis ‚Variegatus‘ in Szene
Raureif sorgt alle Jahre wieder für stimmungsvolle Gartenbilder: Helianthus ‚Lemon Queen‘ steht hier kontrastvoll vor Miscanthus sinensis ‚Variegatus‘
Unterschiedliche Formen der Blütenstände kommen mit Raureif überzogen noch schöner zur Geltung
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Herbstzeit

Das wird wohl nichts mehr mit der Outdoor-Teatime im November. Die Temperaturen waren in der ersten Hälfte zwar recht angenehm, aber zum gemütlichen draußen Sitzen reichte es doch nicht. Und jetzt geht die Perspektive klar Richtung Nachtfrost. Also ist Aufwärmen durch Laub harken angesagt. Auf den größeren Wiesen ist der Aufsitzmäher da eine echte Hilfe: Das Gras wird noch einmal etwas gekürzt, die gefallenen Blätter perfekt aufgenommen – und das Ganze zum Mulchen der Bambusse verwendet. Wenn dann die Stieleichen irgendwann auch oben ohne dastehen, geht es in die finale Laub-sammel-Runde des Jahres. In den Beeten, Hecken und zwischen Sträuchern bleiben die Blätter liegen und dienen hier als willkommenes Mulchmaterial.

Dieses Laub bleibt bis zum Frühjahr am Baum: Die Blutbuchen (Fagus sylvatica ‚Purpurea‘) halten – wie die Sumpfeichen (Quercus palustris) – bei uns ihre Blätter noch länger als die Stieleichen
Viele Stauden stehen ebenfalls noch beblättert da. Nach mehrmaligem Umzug in unserem Garten hat Eupatorium rugosum ‚Chocolate‘ nun endlich seinen Wohlfühlstandort gefunden: Im Halbschatten am Rande des kleinen Teichs kam der Purpur- oder Braunblättrige Wasserdost in diesem Jahr zum ersten Mal richtig gut zur Blüte
Die schokoladenbraunen Stängel und Blattadern kontrastieren wunderbar mit den reinweißen Blüten. Sie dienen bis spät im Jahr als Insektenweide
Noch einmal ein Blick auf das Blühfeld. Zu der Stieglitzschar hat sich jetzt – neben anderen gefiederten Gästen – ein Trupp von mehr als 50 Buch- und Bergfinken gesellt, der hier seinen Hunger stillt. Es ist jeden Tag eine Freude, das zu sehen
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Viel Farbe, wenig Nüsse

Bislang sind wir frostfrei durch den Oktober gekommen und selbst sensiblere Kandidaten blühen unermüdlich weiter. Das freut beim Gang durch den Garten – lud doch der Oktober bisher nicht so häufig zum sonnigen Sitzen bei herbstlicher Outdoor-Teatime ein. Aber vielleicht überrascht uns ja der November noch.

Überraschend fiel auf jeden Fall die Ausbeute an Walnüssen aus – und zwar überraschend gering. Was weniger an der Menge der vom Baum produzierten Früchte als an der übermächtigen Ernte-Konkurrenz lag: Bis zu drei Eichhörnchen trieben sich auf der Suche nach den leckeren und energievollen Nüssen gleichzeitig im Geäst herum. Näherte ich mich dem Baum, zogen sie mit ihrer Beute erst dann ab, wenn wir quasi schon auf Tuchfühlung waren. Ganze 22 Walnüsse liegen nun bei uns in der Küche zum Trocknen. Egal, den putzigen Tierchen verzeihen wir den Mundraub natürlich sofort. Leider finden sie einen großen Teil ihrer verbuddelten Winterreserven nicht wieder – davon zeugen die überall im Garten aufkeimenden kleinen Walnussbäumchen. Was tun damit? In Anbetracht der stattlichen Größe, die Juglans regia ausgewachsen erreicht, können wir die nicht alle stehen lassen. Der Garten soll schließlich keine Walnussplantage werden. Doppelt vergebene Liebesmüh also: Hörnchen müssen auf Futter verzichten, und die keimende Nuss wird nicht zum Früchte liefernden Baum. Falls also jemand einem hoch motivierten Sprössling einen schönen Platz im Grünen bieten kann …

Die kleine Walnuss will mal hoch hinaus: Im Bambus finden sich besonders viele Zeugnisse des Vergessens
Deutlich weniger Platz braucht das einfach immer und überall gut aussehende Hakonechloa macra, das zu meinen absoluten Gräser-Favoriten zählt. Regentropfen bringen die filigranen Blütenstände des Japanischen Berggrases zum Funkeln
Noch feiner verteilt sich die Feuchte auf den Blüten von Calamagrostis brachytricha. Da liegt der deutsche Name Diamant-Reitgras nahe
Eine ergiebige Futterquelle ist nach wie vor unser Blühfeld hinter dem Garten. Die ausreifenden Samenstände locken u. a. zahlreiche Vögel an, darunter eine Schar von mehr als 30 Stieglitzen, die mehrmals täglich mit ziemlicher Dynamik und unter aufgeregtem Gezwitscher einfällt. Von unten her treiben Flachs, Ölrettich, Senf und Co. munter mit neuen Blüten nach
In den Wiesen erinnert das kräftige Orangegelb von Eschscholzia californica an die Wärme des Sommers
Dieses Magenta hingegen macht deutlich, dass der Sommer definitiv rum ist: Euonymus alatus zählt zu den prächtigsten Herbstfärbern. Die Zweige des Flügel-Spindelstrauchs zieren flügelartige Korkleisten
Ein Farbfeuerwerk, welches nur teilweise dem Herbst zu verdanken ist. Die Perückensträucher Cotinus coggygria ‚Grace‘ (links) und Cotinus coggygria ‚Royal Purple’ (rechts) setzen ganzjährig intensiv rote Akzente. Die anspruchslosen und schnittverträglichen Sträucher kommen selbst mit Trockenheit klar. In der Mitte steuert Rhus thyphina mit seinen gefiederten Blättern neben purpurroten auch gelborange Töne bei. Bei Sorbus aucuparia ‚Doday‘ (hinter ‚Royal Purple‘) reicht das Spektrum ebenfalls von gelborange bis tiefrot
Farblich deutlich zurückhaltender präsentiert sich die Salweide (Salix caprea)
Langsam entwickelt sich unser junger Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera). Seine großen unverwechselbaren Blätter leuchten herbstlich in Gelbgold und Bronze. Im Alter braucht er sich hinter den Eichen und Buchen nicht zu verstecken: Gefällt ihm der Standort (am besten: viel Sonne, viel Feuchte, viele Nährstoffe), ist eine Höhe bis zu 40 Metern drin
Eine ordentliche Höhe haben inzwischen auch die Fichten und Tannen hinter dem Bambus am westlichen Zaun erreicht. Einige mussten wir aufgrund von Trockenheitsschäden bereits fällen. Als Ersatz denken wir über Kiefern nach. Hier bringt die Abendsonne Farbe ins Spiel
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Spätsommerjobs

Einen Vorteil hatte der trockene September bei uns – wir konnten ganz entspannt die Wiesen mähen. Jedes Jahr schachern wir aufs Neue: Warten wir noch ein paar Tage mit dem Mähen und genießen die letzten Wiesenblumenblüten? Oder droht kommender Regen, der den Job schnell zur desaströsen Matschorgie werden lässt? Ihn schlimmstenfalls ganz unmöglich macht, wenn die langen Halme nach Dauerberegnung plus Wind alle in der Waagerechten zusammenkleben. Diesmal war das Timing perfekt – beim Heuen schien sogar herrlich die Sonne.

Ein paar Tage bleibt das Schnittgut liegen. So können noch Samen ausfallen
Kein wirklich schöner Anblick: Die ersten Tage nach der Mahd sehen die Wiesen immer zerstört aus. Aber es muss ja sein. Hinter den Gehölzpflanzungen lassen wir Bereiche mit hohem Gras als Unterschlupf- und Versteckmöglichkeit für allerlei Vertreter der Fauna stehen
Für den Job empfiehlt sich eher feuchter Boden: Bambusrhizome aus steinhart getrocknetem Sand raus zu zerren, bringt gar keinen Spaß. Da es im August aber ordentlich geregnet hatte, war auch diese jährliche Anstrengung recht gut zu bewältigen
Getreu dem Motto „Es kann nicht genug Wasser im Garten geben“, haben wir unter den alten Stieleichen noch eine kleine Trink- und Badestelle für Vögel und Co. eingerichtet. Die Weißrandige Japansegge (Carex morrowii ssp. foliosissima ‚Icedance‘) ist wintergrün und kommt auch im lichten Schatten zurecht. Sie treibt tüchtig Ausläufer und eignet sich daher hervorragend als Bodendecker
Der September setzt die filigrane Arbeit der Spinnen toll in Szene. Dieses Kunstwerk wurde zwischen den Trieben einer Schlangenhaut-Kiefer (Pinus leucodermis) gewebt
Bis zum Herbstanfang halten sich die letzten Blüten von Salvia glutinosa. Der Klebrige Salbei ist ein Liebling der Hummeln und mag es gerne etwas feuchter
Ebenfalls noch ein recht spätes Nahrungsangebot liefert Lathyrus latifolius. Die Samen der Breitblättrigen Platterbse waren ein Geschenk einer lieben Nachbarin. Sie lassen sich Zeit mit dem Keimen – also nicht die Geduld  verlieren –, kommen dann aber ordentlich in Fahrt. Ich hoffe, dass die Staudenwicke Gefallen am Staketenzaun findet und ihn üppig berankt
Nahrungsangebot der anderen Art: Nicht nur die Wildschweine fühlen sich im Mais sauwohl. Auch diese Ricke mit ihrem Kitz ist fast täglich bei uns zu Gast. Meistens auf erlaubtem Terrain …
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Blüten- und andere Besucher

Es ist eine Krux: Wenn man sich nicht richtig Zeit nimmt und regelmäßig konzentriert – möglichst noch bei sonnigem Wetter – mit Fotoapparat oder Smartphone bewaffnet durch den Garten streicht, übersieht man viele tierische Besucher. Was natürlich super schade ist und echt ein triftiger Grund, mal eine Urlaubswoche für das Projekt „fotografische Dokumentation der Gartenfauna“ einzuplanen. Werde ich mal drüber nachdenken. Nachts klappt das mit den Wildkameras ganz gut: Von Maus bis Wildschwein lassen sich die Säuger klar identifizieren. Aber die Vogel-, Amphibien- oder Insektenwelt verlangt meist detailliertere Aufnahmen für eine eindeutige Bestimmung.

Bei diesem Labkrautschwärmer (Hyles gallii) hatte ich Glück. Während seine Raupen das namensgebende Echte Labkraut oder auch Weidenröschen als Nahrungsquelle bevorzugen, lieben die Falter u. a. besonders Phlox
Agastache ‚Black Adder‘ ist bei vielen Insekten gefragt. Hier hat sich eine Gamma-Eule (Autographa gamma) darauf niedergelassen. Der auch tagsüber fliegende Eulenfalter trägt seinen Namen nach dem griechischen Buchstaben Gamma: Er ist als weißes Zeichen auf den beiden Vorderflügeln zu sehen
Wasserdost zählt ebenfalls zu den absoluten Favoriten der Insekten – und zu meinen. Neben diversen Exemplaren von Eupatorium fistulosum ‚Riesenschirm‘, der sich bei uns besonders wüchsig zeigt, haben wir den hier etwas früher blühenden Eupatorium purpureum (im Bild) gepflanzt
Perfekte Insektenweide und spannendes Farbenspiel: Helenium ‚Vicky‘ vor Polygonum amplexicaule ‚Rosea‘
Rudbeckia fulgida – ein weiterer Insektenmagnet – hat sich in unseren Wiesen als Relikt ausgestreuter Samenmischungen tatsächlich zaghaft etabliert
Tief stehende Augustsonne scheint durch das immer aufrecht stehende Calamagrostis x acutiflora ‚Karl Foerster‘, das zarte Achnatherum calamagrostis und das kräftig weiß gestreifte Miscanthus sinensis ‚Variegatus‘ (v. li.). Ihre Samen sind für Vögel interessant
Sonnenlicht setzt Cercidiphyllum japonicum vor den alten Stieleichen in Szene. Bis vor Kurzem standen hier noch zwei Katsurabäume direkt nebeneinander. Der linke wurde durch regelmäßige Spätfröste so stark geschwächt, dass er in diesem Jahr abstarb. Der Überlebende friert an den Spitzen auch dauernd ab, steckt das aber offensichtlich deutlich besser weg. Über unser leicht abfallendes Feld strömen immer wieder ziemlich punktuell kalte Luftmassen in unseren Garten. Da können zwei Meter den entscheidenden Unterschied ausmachen – faszinierend
Ihn trifft keine Schuld. Obwohl die Rehböcke – durchaus auch in eingezäunten Bereichen – ab und zu mit ihrem Geweih Bäume beschädigen: Diesmal war er es nicht
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Guter Austrieb

Das habe ich jetzt nicht erwartet: Unser Bambus, insbesondere die Phyllostachys, überraschen in dieser Saison mit einem fulminanten Halmaustrieb. Nach der Trockenheit, die in 2018 und in der ersten Hälfte 2019 für ziemlichen Stress beim Grün sorgte, hat der gut feuchte Herbst/Winter 2019/20 dem Riesengras einen Wachstumsschub beschert.

Später als sonst, dafür nun aber umso üppiger: Phyllostachys vivax ‚Huangwenzhu‘ erfreut uns mit einigen kräftigen neuen Halmen
Mit seinen schönen gelben Streifen im Sulcus, dem üppigen Laub und einer für norddeutsche Wetterverhältnisse (und unseren Boden) beeindruckenden Höhe zählt Ph. vivax ‚Huangwenzhu‘ zu meinen absoluten Bambusfavoriten
Ein deutlicher Höhenzuwachs ist in diesem Jahr bei Phyllostachys nigra ‚Boryana‘ zu beobachten
Die jungen Halme von Ph. nigra ‚Boryana‘ sind rein dunkelgrün, später zieren sie braune Flecken
Ebenfalls einen Satz nach oben macht Phyllostachys nigra ‚Megurochiku‘
Bei diesem – in Deutschland immer noch selten kultivierten – Bambus verändert sich das Aussehen der Halme ebenfalls im Laufe der Jahre: Anfangs grün, werden sie später ockerfarben und bilden einen attraktiven dunkelbraunen bis schwarzen Sulcus aus (siehe Halm hinten ganz links)
Ein weiterer Vertreter (vielleicht der bekannteste) aus der nigra-Familie: Phyllostachys nigra ‚Punctata‘. Seine beim Austrieb grünen Halme färben sich mit der Zeit vollständig schwarz, daher kursiert in Deutschland auch der Name Schwarzer Rohrbambus. Links im Bild stehen zehn Jahre alte Fargesia spez. ‚Jiuzhaigou 1‘
Wächst bei uns geschützt von robusteren Bambusarten: Phyllostachys aurea. Da der Platz etwas schattig ist, bleiben seine Halme hier grün. Am vollsonnigen Standort werden sie goldgelb – wie der Name suggeriert. Dekorative Besonderheit: Bei einigen Halmen bilden sich die unteren Nodien gestaucht und schräg aus
Mal kein Phyllostachys: Hibanobambusa tranquillans ‚Shiroshima‘ begeistert weniger mit seinen Halmen als mit seinen wunderbaren grün-weiß-gelb gestreiften Blättern. Die aus Japan stammende Art zählt – wie auch alle Phyllostachys – zu den Ausläufer treibenden (leptomorphen) Bambussen. Um ihren Ausbreitungsdrang zu begrenzen, stechen wir einmal jährlich die Rhizome ab, die sich auf unerwünschtes Terrain vorgewagt haben. Alternativ kann man die Rhizome durch Wurzelsperren aus mindestens 2 mm dickem und 70 cm breitem Hochdruck-Polyethylen (HD-PE) im Zaum halten, das erspart das Abstechen. Es erspart allerdings nicht den regelmäßigen Kontrollblick auf den gut 10 cm über den Boden hinausragenden Rand der Sperre – manche Rhizome wachsen einfach drüber. Nachteil der Sperren: Irgendwann steht der Pflanze vor lauter Wurzelmasse kaum noch Substrat zur Verfügung. Dann muss tüchtig gedüngt und gewässert werden. Wir haben daher nur bei den Pflanzen direkt am Haus Sperren eingezogen
Wie beispielsweise bei diesem Phyllostachys bissetii, der trotz begrenztem Wurzelraum noch einmal an Höhe zulegt
Zum Schluss ein kurzes Update zum Thema Walnüsse: Ja, es gibt tatsächlich welche (trotz einiger erfrorener männlicher Blüten)!
Und damit auch die Fauna vertreten ist, noch ein Close-up einer Erdhummel. Die reizenden Pelztierchen sind bei uns zum Glück nach wie vor sehr häufig. Wir verwöhnen sie mit einem reichhaltigen Blütenangebot
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