Septemberregen und leckere Früchte

Nach Sonne und Hitze kam Regen! Ganze 120 mm Niederschlag fielen bei uns in diesem Monat. Was für ein Glück. Man konnte die Pflanzen fast aufatmen hören, sich mit neuer Energie zum Herbst noch einmal zu voller Größe und Pracht aufrichten sehen. Dafür nehmen wir auch gerne in Kauf, dass wir das finale Mähen nicht auf allen Wiesen geschafft haben. Vielleicht klappt es im Oktober noch. Wenn nicht: Regen ist wichtiger.

Zum Herbstanfang gibt es schon einige Samenstände in den Staudenbeeten. Besonders markant: die in dichten Gruppen an aufrechten Trieben stehenden Fruchtstände des Brandkrauts (Phlomis russeliana)
Hier wird noch bis zum ersten Frost geblüht: Lespedeza thunbergii zählt zu den absoluten Spätblühern. Die kleinen wickenartigen Blüten an den langen überhängenden Trieben des Buschklees korrespondieren schön mit den filigran funkelnden Blütenständen von Calamagrostis brachytricha, welches auf Deutsch nicht umsonst Diamant-Reitgras genannt wird
Ein Neuzugang bei uns ist Rudbeckia fulgida ‚Forever Gold‘. Der Sonnenhut steht Ende September noch in voller Blüte und soll auch nicht so nahrhafte Böden tolerieren. Ich bin gespannt, wie er sich entwickelt
Nicht so gut gedeiht in diesem Jahr Helianthus ‚Lemon Queen‘. Der Staudensonnenblume hat die Sommertrockenheit ziemlich zugesetzt
Die Stieleichen hängen hingegen über und über voll mit Früchten. Die namensgebenden Früchte von Quercus robur sitzen an bis zu 12 cm langen Stielen. Bei dem üppigen Angebot ist es sicher nur eine Frage der Zeit, wann die Wildschweine wieder mal vorbeikommen
Für viele Vogelarten interessant sind die Früchte des Sanddorns, hier die reich tragende Sorte Hippophae rhamnoides ‚Leikora‘. Natürlich könnten wir die Vitamin-C-haltigen Früchte auch selbst verwenden, aber die gemischte Heckenpflanzung soll ja als Futterquelle, Schutz- und Brutstätte für die Fauna dienen
Ebenfalls in dieser Hecke wächst der Kleinfruchtige Zierapfel Malus toringo, dessen Früchte im Winter auf dem Speiseplan verschiedener Singvögel stehen
Die Füchse hingegen waren bisher jedes Jahr zur Zwetschgenzeit nächtlich dabei, die heruntergefallenen Früchte zu naschen – die alte unbekannte Sorte ist wirklich super aromatisch. In diesem Jahr scheinen allerdings die Rehe die Zwetschgen für sich zu beanspruchen, und Fuchs muss sich nach anderem Nahrhaftem umgucken. Mäuse hätten wir genug
Veröffentlicht unter Allgemein, Bäume und Sträucher, Herbst, Stauden, Sträucher | Schreib einen Kommentar

Was für ein Sommer

Ganz ist der August zwar noch nicht zu Ende, aber gefühlt muss es einer der wärmsten Monate bei uns gewesen ein. Drei ordentliche Gewitterregen sorgten immerhin dafür, dass das Gras nicht überall verbrannte – der beige Look aus dem Trocken-Sommer 2018 bleibt unvergessen. Nach den kräftigen Schauern war die Erde jeweils für ein, zwei Tage halbwegs zu bearbeiten, sodass ich wenigstens mit dem Abstechen von Bambusrhizomen vorankam. Ansonsten fiel Gartenarbeit wegen Hitze aus. Stattdessen war es ein Genuss, in den schattigeren Gartenregionen entspannt ein Buch zu lesen und die Sommerblüten zu bewundern.

Die filigranen Blütenstände der Himalaya-Wiesenraute zaubern leuchtende Sterne in den Halbschatten. Thalictrum delavayi samt sich bereitwillig aus und sieht gerade als Unterpflanzung von Bäumen einfach wunderschön aus
Die alten Phlox-Sorten von meiner Mutter sind unverwüstlich und blühen wochenlang, ebenso die sich über Rhizome ausbreitende Gelenkblume Physostegia virginiana, an deren Blütentrauben sich teilweise bis zum ersten Frost immer wieder neue Lippenblüten öffnen. Sie bevorzugt feuchte Böden, kommt aber in halbschattiger Lage auch mit unserem trockenen Sandboden klar. Links an der Garagenwand hat sich Eupatorium fistulosum ‚Riesenschirm‘ durch Samenflug oder tierischen Transport angesiedelt. Die Blüten des Wasserdosts zählen zu den Favoriten der Insekten
Auch der Fallschirm-Sonnenhut Rudbeckia nitida ‚Juligold‘ wird gerne angeflogen – hier von einer Gemeinen Sandwespe
Spannend zu beobachten: Die im Juli-Post ausführlich beschriebene Blüte an Phyllostachys nigra ‚Boryana‘ zieht ebenfalls Insekten an. Zahlreiche Bienen füllen ihre Pollenhöschen an dem Bambus
Hübscher Farbkontrast: Ein Ampfer-Wurzelbohrer-Männchen hat sich auf einem Gartenstuhlkissen niedergelassen
Die Wildkameras liefern täglich Beweisfotos, dass unser Garten von den Rehen – trotz Zaun – klar als extra für sie geschaffenes Futterparadies betrachtet wird

Veröffentlicht unter Allgemein, Insekten, Sommer, Stauden | Schreib einen Kommentar

Wer blüht denn da?

Es kam von einem Tag auf den anderen: Zunächst eine leichte Irritation als ich meinen Blick durch den Garten schweifen ließ. Etwas hatte sich verändert, aber nicht durch erfreulich dynamisches Wachstum oder plötzlich zur Schau gestellte opulente Blütenpracht. Es war eine primär farbliche Veränderung – und in der Tat waren Blüten die Ursache dafür. Allerdings keine Blüten, die Anlass zur Freude bieten. Meine Augen blieben an Phyllostachys nigra ‚Boryana‘ hängen, dessen Laub irgendwie heller wirkte, fahl. Was war da los? Vor der Pflanze stehend bestätigte sich die schlimmste Befürchtung: Der ganze Bambus blühte, ausnahmslos alle Halme waren betroffen. Ich hätte es ahnen können. Es gab in diesem Jahr keinen einzigen Neuaustrieb der Pflanze, sie hat alle Kräfte gebündelt und in die Ausbildung von Blüten gesteckt. Dieser Prozess ist so kräftezehrend, dass viele Pflanzen danach sterben, Platz machen für die nächste Generation. Meine Hoffnung: Ph. nigra ‚Boryana‘ ist ein leptomorpher Bambus, ausläufertreibend, das heißt seine Rhizome begeben sich auf Wanderschaft und müssen regelmäßig in Schach gehalten werden. Im Fall einer Vollblüte ist das von Vorteil, besteht doch die Chance, dass in der kommenden Vegetationsperiode aus neuen Rhizomen neue Halme sprießen, die dann nicht wieder Blüten ausbilden. Eine vor einigen Jahren einsetzende Teilblüte bei Phyllostachys aureosulcata ‚Aureocaulis‘ hat sich nach zwei Jahren erledigt, ohne die Pflanze groß zu schädigen. Diese Blüte betraf allerdings nur einige Halme. Jetzt heißt es, abwarten und Daumen drücken. Zum Glück gibt es genug positive Ablenkung im Garten.

So hell wirkt er normalerweise nicht: Phyllostachys nigra ‚Boryana‘
Immer mehr Blätter fallen zu Boden, die blühenden Bambushalme sehen durch das reduzierte Laub völlig anders aus, irgendwie starrer
Ein blühender Zweig im Detail, hier noch mit einigen grünen Blättern
Um wieder auf erfreulichere Gedanken zu kommen, hilft ein Rundgang durch den Garten. Jetzt im Juli sind überall spannende Insekten zu entdecken, zum Beispiel diese giftige Raupe des Blutbärs. Ihre bevorzugte Nahrung ist das Jakobsgreiskraut (Senecio jacobaea), von dem wir immer einige Exemplare stehen lassen
Das freut auch den Distelfalter. Dieser sieht nach seiner langen Anreise aus dem Mittelmeerraum schon etwas matt aus
Wildbienen und Schwebfliegen lassen sich ebenso gerne auf dem Jakobsgreiskraut nieder
Ihre eindeutige Bestimmung ist alles andere als einfach. Falls hier jemand helfen kann, bitte melden!
Im vergangenen Jahr entdeckte ich bereits die zwei großen neuen Blattrosetten in der Wiese, in diesem Jahr ragten ihre Blütenstände dann über das hohe Gras hinaus: die zweijährige Mehlige Königskerze (Verbascum lychnitis) ist – wahrscheinlich dank Hilfe von Insekten oder Vögeln – ein neuer willkommener Gast in unserem Garten
Ebenfalls zweijährig ist Cirsium vulgare. Die Gewöhnliche Kratzdistel steht bei vielen Insekten hoch im Kurs. Hier teilen sich Steinhummel und ein Glasflügler (welche Art genau?) eine Blüte
Recht selten geworden sind bei uns die Marienkäfer, unabhängig von der Art. Dieser Siebenpunkt jagt Läuse auf der Gewöhnlichen Kratzdistel
Eine Monardenblüte hat die Aufmerksamkeit einer Erdhummel erregt
Im Gegenlicht glänzt Melica ciliata, das wunderschöne Wimpernperlgras
Filigraner, aber ähnlich herrlich silbern, wiegen sich die Blüten von Achnatherum calamagrostis, dem Silber-Ährengras, dahinter, flankiert von verschiedenen Salbeiarten und dem Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare) – beide sind mit ihrem üppigen Nahrungsangebot und der langen Blühdauer weitere echte Insektenmagneten
Veröffentlicht unter Allgemein, Bambus, Gräser, Insekten, Sommer | Schreib einen Kommentar

Es summt und brummt und blüht

Blüten, Bienen und Co. begleiten uns auf Schritt und Tritt beim Gang durch den Juni-Garten. Wiesen, Blühfeld und Beete bieten für viele Vertreter der Fauna in diesem Monat ein reiches Nahrungsangebot.

In den Wiesen entwickeln sich jedes Jahr Bereiche mit unterschiedlichen Pflanzengemeinschaften: Hier blühen neben Weißklee (Trifolium repens) u. a. Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), Weicher Storchschnabel (Geranium molle), Feldklee (Trifolium campestre) und verschiedene Habichtskräuter (Hieracium)
Gerade auf den Wegen durch die Wiesen breitet sich der Weißklee aus – das regelmäßige Mähen fördert sein Wachstum. Entsprechend summt und brummt es um die Füße, wenn ich gaaaanz vorsichtig herumschlendere und versuche, möglichst auf keines der Futter suchenden Insekten zu treten
Die Gefahr besteht bei diesem sich ebenfalls auf Nahrungssuche befindlichen Tierchen nicht: Eichhörnchen sind regelmäßige Besucher an den Meisenknödeln – dank ihrer Kletterkünste kommen sie überall ran. Dieses Exemplar nascht die runtergefallenen Reste und war völlig überrascht, als ich plötzlich neben ihm stand
Vorsichtig und leise muss ich mich auch dem Teich nähern, wenn ich nicht nur Platschgeräusche hören will, sondern die hübschen kleinen Teichfrösche beobachten möchte
Am Wegesrand in den Sträuchern ließ sich kurz eine Gemeine Skorpionsfliege (Panorpa communis) fotografieren. Die sehr markante Schnabelfliegenart wurde vom NABU zum „Insekt des Jahres 2018“ gekürt. Das vergrößerte Ende des Hinterleibs der Männchen erinnert an den Stachel eines Skorpions, daher die Namensgebung. Stechen können die Fliegen allerdings nicht, die blasenartige Verdickung dient der Fortpflanzung
Dieser Blutbär (Tyria jacobaeae) präsentiert sich auf einem Holzbrett im Garten. Die auffällig gefärbten, giftigen Schmetterlinge sind regelmäßig bei uns zu Gast. Ihre gelbschwarz geringelten Raupen leben mit Vorliebe auf Jakobs-Kreuzkraut, welches wir daher an wenigen Stellen in den Wiesen für sie stehen lassen
Zu den absoluten Attraktionen für Mensch und Tier zählt im Juni die Kletterhortensie: Ihr herrlich süßer Blütenduft umfängt einen schon von Weitem. Hydrangea petiolaris ist mit ihrer üppigen Blütenpracht zudem ein wertvolles Insektennährgehölz und ein beliebter Vogelnistplatz, insbesondere bei unseren Amseln
Neben den hoch stehenden Wiesen und zunehmend höher wachsenden Stauden gibt es auch bei uns regelmäßig gemähte Grasflächen. Die sind allerdings ebenfalls weit von einer Rasenmonokultur entfernt
Zum Ende des Juni-Spaziergangs noch ein Detailblick in die Beete. Trockenheitsresistente Blühgarantie bietet die anspruchslose Federnelke (Dianthus plumarius). Nur sonnig sollte es bitte sein
Im lichten Halbschatten bringen Taglilien (Hemerocallis) und Akelei (Aquilegia) wochenlang Farbe ins Grün
Veröffentlicht unter Allgemein, Insekten, Sommer, Teich, Wiesen | Schreib einen Kommentar

Ist denn schon Sommer?

Bei Tageshöchstwerten bis zu 28 Grad im Schatten präsentierte sich der Mai in diesem Jahr bei uns zeitweise mehr sommerlich als frühlingshaft. Selbst die Eisheiligen waren weit entfernt von frostigen Temperaturen. Da macht sich sofort Erleichterung breit: Die herrliche Wisteriablüte fällt 2022 nicht dem Frost zum Opfer (wobei: ich erinnere mich dunkel an einen Bodenfrost im Juni vor längerer Zeit) – genauso wenig wie die frischen Austriebe der anderen Pflanzen. Wie schön.

In den Wiesen stehen unter anderem bereits Akelei und Vielblättrige Lupinen in Blüte. Deutlich früher als im vergangenen Jahr
Just in time stellen die Gartenanemonen (Anemone coronaria) ihre farbintensiven Blüten zur Schau
Für Lichtblicke in den unteren Etagen der alten Fliedersträucher sorgen die unzähligen rosé-cremefarbenen Blüten von Clematis montana. Die wüchsige Clematis kann in wintermilden Gebieten Höhen von über zehn Metern erklimmen
Jedes Jahr ein Hingucker ist der Austrieb bei den Farnen, hier beim immergrünen Polystichum setiferum ‚Proliferum‘
Besonders üppig startet in diesem Jahr die Schneeballblüte – ob bei den Wildformen von Viburnum lantana und V. opulus oder bei der sterilen Form Viburnum opulus ‚Roseum‘. Die Glyzinie (Wisteria sinensis) rechts daneben steht dem in nichts nach
Schneebälle machen sich auch gut in der gemischten Hecke. Als Nahrungslieferanten für die tierischen Mitbewohner haben wir dort allerdings neben der sterilen Form (im Bild mit ballförmigen Blütenständen) vermehrt die früchtetragenden Wildformen gepflanzt
Die Blüten der Wildform von Viburnum opulus sind in tellerförmigen Schirmrispen angeordnet, die von einem Kranz Randblüten (diese sind steril) umgeben sind
Veröffentlicht unter Allgemein, Frühjahr, Sträucher, Wiesen | Schreib einen Kommentar

Herbstliche Rottöne im Frühlingsgrün

Frühlingsfarben im Garten – da denke ich erstmal an täglich üppiger werdendes Grün und an die bunten Highlights von Narzissen, Krokus, Scilla und Co. Es gibt aber einige Pflanzen, die so gar nicht in diesen knalligen Farbenrausch passen. Deren Austrieb erinnert eher an herbstliche Stimmungen und ist beispielsweise bronzefarben wie bei der Kupfer-Felsenbirne Amelanchier lamarckii. Die Zartheit der Blättchen macht allerdings klar, dass es bis zum nächsten Herbst zum Glück doch noch ein paar Monate hin sind.

Auch die frischen Blätter der Blasenspiere Physocarpus opulifolius ‚Amber Jubilee‘ entfalten sich in schönen Goldbronzetönen
Den Hasen ist die Farbe des neuen Austriebs völlig egal – Hauptsache lecker
Mit herrlichen Farbnuancen begeistert Cercidiphyllum japonicum vom frühen Austrieb bis in den Herbst hinein. Der Katsurabaum startet hier in feinem Rotgold
Deutlich dunkler, in tiefem Weinrot zeigt sich Corylus avellana ‚Rotblättrige Zellernuss‘ im Frühjahr. Insekten interessieren sich mehr für die pollenreichen Kätzchen, Vögel und Eichhörnchen im Herbst für die Früchte der Haselnuss. Vielen Faltern hingegen schmecken auch die Blätter
Veröffentlicht unter Allgemein, Bäume und Sträucher, Frühjahr | Schreib einen Kommentar

Frühlingserwachen – mit lautstarken Gästen

Sonne satt, statt Sturm – im März brachte die Gartenarbeit deutlich mehr Spaß als im dauerwindigen Februar. Nach leichten Nachtfrösten folgte oft ein herrlicher Tag mit Temperaturen im zweistelligen Plusbereich. Also nix wie raus in die Beete. Unter der Woche Staudenrückschnitt in der Mittagspause, denn die Zeit drängt, genauer: die in den Startlöchern stehenden Pflanzen. Da steigt mit jedem Tag die Gefahr, versehentlich auf zart sprießendes Grün zu treten. Einzig der fast vollständig fehlende Regen hielt das Wachstum im Zaum, brachte für uns allerdings den Vorteil, dass wir mit dem Schneiden und überschüssiges Laub aus den Beeten Sammeln zügig vorankamen. Selbst den Tee zum Sonnenuntergang konnten wir noch draußen genießen – untermalt vom täglich anschwellenden Vogelkonzert. Dazu gleich mehr …

Bei manchen Stauden wie Phlomis oder Veronicastrum fällt es fast schwer, die schönen skulpturalen Stängel abzuschneiden
Mitte März stehen die Krokusse in Vollblüte – sehr zur Freude der Insekten
Überall in den Wiesen, Hecken und Beeten leuchten kleine Farbtupfer in der Sonne: hier Blausterne
Auch unsere Narzissen öffnen langsam ihre Blüten, selbst im Schatten einer Kiefer
Einem sich langsam ausbreitenden Miscanthus sinensis ‚Gracillimus‘ halten die Zwiebelpflanzen tapfer stand
Wie bereits im vergangenen März hat auch in diesem Jahr eine gut 300 Vögel starke Starenschar unseren Garten – sprich die Bambushaine – als komfortablen Truppenschlafplatz auserkoren. Das Schauspiel wiederholt sich jeden Abend: Bei beginnender Dämmerung sammeln sich die Vögel schon unter lautstarkem Gezwitscher, pfeifend und schnalzend, auf den umstehenden hohen Eichen und Ahornen. Dann erhebt sich – wie von einem geheimen Kommando aufgerufen – eine kleinere Gruppe und fliegt einer dynamischen Wolkenformation gleich mit akustischer Untermalung Richtung bevorzugtem Bambus und verschwindet pfeilschnell darin. Es folgt die nächste Schar bis schließlich alle ihren Platz gefunden haben. Oder doch noch nicht den richtigen: Also wird weiter diskutiert und mit wildem Geflatter Plätze getauscht. Und irgendwann tritt schlagartig Starenstille ein. Und das Abendkonzert klingt mit melodischem Amselflöten und einem Singdrosselmedley aus
Die Übernachtungen bleiben nicht ohne Folgen – olfaktorisch und optisch: Nähert man sich beim Morgengang durch den Garten den beliebten Schlafstätten, steigt zuerst ein strenger Düngergeruch in die Nase (der sich zum Glück im Laufe des Tages verzieht), dann bleibt das Auge an plötzlich panaschiert scheinenden Blättern hängen – und die Duftquelle ist ausgemacht. Wir freuen uns trotzdem über den täglichen Trubel
Zum Schluss noch ein Update zum Bilderrätsel im Februar-Post: Inzwischen haben sich die kleinen Blütenköpfchen von Parrotia persica geöffnet und strecken ihre roten Staubgefäße der Sonne entgegen
Veröffentlicht unter Allgemein, Bambus, Frühjahr | Schreib einen Kommentar

Sturm, Orkan, Sturm

Auch dieser Februar hatte es in sich: Nachdem der Garten im vergangenen Jahr eine Woche üblen Dauerfrost aushalten musste, hieß die Herausforderung 2022 statt Kälte: Wind. Konkreter: Sturm, abgelöst von Orkan, auf den wieder Sturm folgte. Und dazwischen konnte man das Lüftchen auch nicht gerade als windstill bezeichnen. Das ging nicht spurlos am Grün vorüber. Zwei Sal-Weiden kapitulierten vor den starken Böen und eine alte fallende Fichte wurde sanft von einem Bett aus Bambushalmen aufgefangen. Aus dem wir sie jetzt sägend wieder befreien müssen. Zum Glück hat der Fallwinkel sie ausschließlich auf Fargesien gelenkt, deren elastische Halme dem Gewicht alle bravurös standhielten. Die Aufräumarbeiten werden uns noch einige Zeit in Atem halten – allein das ganze Totholz von den Wiesen zu sammeln und in die Benjeshecke zu flechten, ist ein mehr als tagesfüllender Job.

Die ersten Baumstämme liegen schon bereit und warten auf den nächsten Sägeeinsatz
Positiver Nebeneffekt: Der üppige Regen sorgte dafür, dass unser kleiner Graben so viel und so andauernd Wasser führte, wie seit Langem nicht mehr
Negativer Nebeneffekt: Auch wenn durch fallende Bäume kein Bambus zu Schaden kam, die Böen schafften es, Halme von Phyllostachys vivax ‚Huangwenzhu‘ zu brechen
Toter und (bis vor Kurzem) vitaler Halm von Phyllostachys vivax ‚Huangwenzhu‘. Trotz relativ nährstoffarmem Boden erreicht die Pflanze bei uns inzwischen Höhen von bis zu 9,70 Metern
Lichtblicke bei Wind und Regen sind die Frühblüher, die trotz schlechten Wetters nicht verzagen. Seit Januar freuen wir uns über die kleinen rosa Farbtupfer der Frühlings-Alpenveilchen (Cyclamen coum)
Für Insekten spannender sind die Blüten von Lonicera purpusii, eine der ersten Nahrungstankstellen für erwachende Hummelköniginnen und Co. Die Duft-Heckenkirsche stellt ihr Pollen- und Nektarangebot zeitlich oft noch vor anderen Frühblühern wie Krokussen und Schneeglöckchen zur Verfügung
Bilderrätsel: Und wozu gehört diese frühe Blüte? Im vergangenen Jahr konnten wir sie zum ersten Mal bei uns bewundern, die bizarren kleinen Blütenköpfchen von Parrotia persica mit ihren knallroten Staubgefäßen, hier noch geschützt von den außen bräunlichen Hochblättern. Das Persische Eisenholz blüht im Februar/März vor dem Blattaustrieb
Veröffentlicht unter Allgemein, Bambus, Bäume und Sträucher, Winter | Schreib einen Kommentar

Winter – war da was?

Das war bisher ein kurzes Winterintermezzo: Dem weißen Auftakt im Dezember folgte ein Januar, der mit Tageshöchstwerten bis zu 12 Grad (lediglich in zwei Nächten gab es stundenweise leichten Frost) und den bei uns obligatorischen, nervig starken Windböen eine innere Unruhe bezüglich anstehender Frühlingsgartenjobs aufkommen ließ. Schließlich stehen viele Pflanzen schon austriebmäßig in den Startlöchern, sodass die Rückschnittarbeiten, mit denen ich erst Anfang März loslegen wollte, sich höchst anspruchsvoll gestalten werden: Dann heißt es, bloß nicht bei gewagten Ausfallschritten um das zarte Grün herum die Balance in den Beeten verlieren, da der Neuaustrieb im Fall eines Fallens schließlich richtig platt wäre. Aber Austrieb hin oder her – ich werde wie jedes Jahr bis März mit dem Rückschnitt warten, denn der Blick auf vergangene Winter zeigt: Die schlimmsten Dauerfrostperioden liefert gerne der Februar. Und dann zählt jedes isolierende alte Blatt.

Kurze sturmartige Böen forderten ihren Tribut: Mit seiner Laubmasse bietet dieser exponiert stehende Hain von Phyllostachys bissetii einiges an Angriffsfläche. Splitterbruch bei am Rand wachsenden Halmen war die Folge
Diese unschönen Schwarzfärbungen an den Halmen von Phyllostachys vivax ‚Huangwenzhu‘ sind noch die Folge des einwöchigen Dauerfrosts im vergangenen Februar
Aber es gibt auch schöne Entdeckungen beim Gang durch den Garten: In der gemischten Hecke aus verschiedenen fruchttragenden Gehölzen hat sich eine kleine Mahonie angesiedelt. Der Verursacher – wahrscheinlich ein Vogel mit seinen Hinterlassenschaften – hat damit einen perfekten Beitrag geleistet, die Hecke noch sicherer und futterreicher zu gestalten
Hungern muss bei uns das ganze Jahr hindurch kein gefiederter Besucher. Das gute Angebot an tierischem und pflanzlichem Futter, das der Garten selbst liefert, ergänzen wir noch an einigen Stellen mit Fettfutter, Rosinen und Haferflocken
Nach wie vor kann auch aus dem Blühfeld der ein oder andere Samen rausgepickt werden. Hier bedient sich besonders gerne unsere große Schar von Stieglitzen, Buch- und Bergfinken. Das Turmfalkenpaar findet dort ein reichhaltiges Mäusedepot
Unterirdisch geht der Maulwurf auf die Suche nach schmackhaftem Getier
Statt Schnee kommen die Schneeglöckchen: Die wenigen Graupelkörner auf dem Bild blieben gerade mal ein paar Stunden liegen. Dafür werden die weißen Blütentupfer von Galanthus nivalis täglich mehr
Sicherheitshalber noch mit pelzigen Haaren geschützt: die zahlreichen Knospen von Magnolia stellata. Ab Anfang März – passend zum meteorologischen Frühlingsanfang – öffnet die Stern-Magnolie dann ihre wunderbar zart duftenden weißen Blüten
Veröffentlicht unter Allgemein, Winter | Schreib einen Kommentar

Wirklich Winter(-Anfang)

Das war mal ein (für hiesige Nordheide-Verhältnisse) fulminanter Start in den Winter: Während der Dezember bei uns meistens eher herbstlich ausklingt oder gar schon Frühlingsgefühle aufkommen lässt, wurde in diesem Jahr echtes Winterfeeling geboten – zumindest ein paar Tage lang. Los ging es bereits mit einem ersten Schneefall am 04. Dezember, dem allerdings erstmal wieder mildere Tage folgten. Der Vollmond am 19. Dezember läutete dann aber einen heftigen Wetterwechsel Richtung Kälte ein. Das Ergebnis: fiese Kahlfröste bis minus 11 Grad – nicht so schön für viele Immergrüne. Ab dem 28. stiegen die Temperaturen zum Glück wieder andauernd in den Plusbereich und zum Jahreswechsel herrschen nun typisch frühlingsmilde plus 12 Grad inklusive etwas Regen.

Apropos Regen: Niederschlag gleichbleibend – so lautete die Überschrift vom Post im vergangenen Dezember. Das passt auch in diesem Jahr ganz gut: 945 mm sind bis jetzt in 2021 zusammengekommen, 936,25 mm waren es 2020 (933,75 mm in 2019). Die Pflanzen durften sich also über rund eine gefüllte 10-l-Gießkanne mehr pro Quadratmeter freuen. Das ist doch mal eine gute Nachricht.

Blick aus dem Bürofenster: Schwerer Nassschnee drückt die Bambushalme Anfang Dezember gen Boden
Mit dem Mondwechsel kommt der Wetterwechsel
Und der bringt neben tüchtig Kälte schöne Raureifbilder, hier an Parrotia persica ‚Vanessa‘. Meine Begeisterung für das Persische Eisenholz kann ich nicht oft genug zum Ausdruck bringen – die Bäume sehen einfach IMMER gut aus und bieten mit ihrem bizarren Wuchs gute Nistmöglichkeiten
Ginster ist leider nicht sehr langlebig, verbreitet sich dafür aber ganz selbstständig – zur Freude der Hasen, die ihn zu gerne abknabbern. Die mit Raureif benetzten Fruchtstände der Wilden Möhre (Daucus carota) im Vordergrund sind eine Zier in jedem Wintergarten
Auch dem Bambus verleiht der Frost einen Zuckerguss aufs Grün: Die sensiblen Blättchen finden das allerdings – besonders in Kombination mit kalter Wintersonne – nicht wirklich angenehm
Den Trieben der Wildrosen machen sonnige Minusgrade hingegen nicht zu schaffen
Ebenso wenig den zum Teil wintergrünen Brombeeren, über deren Laub sich das Wild freut
Bei den Kübelpflanzen bringt Viburnum tinus Farbe in die dunkle Jahreszeit: Die rosa Knospen des Mittelmeer-Schneeballs öffnen sich in den kommenden Wochen zu reizenden weißen Blüten – ein toller Kontrast zum kräftigen Blau der Früchte
Veröffentlicht unter Allgemein, Bäume und Sträucher, Winter | Schreib einen Kommentar