
Seit ich denken kann steht zwischen unserem Haus und der Garage eine Lebensbaumhecke (Thuja occidentalis). Sie ist nicht nur ein perfekter Sicht- und Windschutz, sondern auch beliebter Nistplatz für Amsel, Zaunkönig und Co. Ab jetzt muss ich schreiben: sie war. Denn wir haben die mächtige Hecke Ende des Monats schweren Herzens in einer schweißtreibenden Aktion entfernt. Warum? Zwei Gründe gaben den Ausschlag: Zum einen wurde der Durchgang zwischen Hecke und Garage immer enger. Damit man überhaupt noch durchkam, musste natürlich auch an der zur Garage zeigenden Seite der Thuja geschnitten werden. Da diese Seite total im Schatten lag, trieb sie hier gar nicht mehr neu aus – das trockene dunkle Geäst sah nicht wirklich gut aus. Zudem wurde die vordere rechte Ecke von schwerem Nassschnee – ja, auch den gab es in den vergangenen Wintern bei uns – übel breit runtergedrückt und konnte sich nicht mehr aufrichten. Das trug ebenfalls nicht zu einem besseren Gesamteindruck bei. Und es würde beim nächsten Schnee noch schlimmer werden. Es half alles nichts: Die Hecke musste weichen.

Da steht sie noch: Am Ostgiebel des Hauses formierte sich die Thuja über Jahrzehnte auf eine Breite von guten drei Metern und hielt die abfallende kalte Luft, die aus Nordwesten gerne über das Feld reinströmt, von den Pflanzen fern

Von der anderen Seite betrachtet war sie ein willkommener Sicht- und Sonnenschutz. Als „Rückwand“ im Süden schuf sie einen kleinen mit Bambus und Japanischem Berggras (Hakonechloa macra) geformten Gartenraum

Als die ersten Stämme gefällt waren, zeigte sich die volle Dimension des von der Thuja beanspruchten Raums. Unter dem immergrünen Austrieb hatte sich viel totes Blattwerk angesammelt, was zu einer ungeahnten Schwere der abzutransportierenden Äste führte. Kein Wunder, dass sich ein solcher beschwerter Ast, einmal vom Schnee runtergedrückt, nicht wieder vollständig aufrichten kann. Und nein, der Laubbläser im Hintergrund kam nicht zum Einsatz!

Hecke weg, neues Raumgefühl da. Das muss jetzt erst mal wirken. Wir werden die Wintermonate nutzen, verschiedene Gestaltungsideen zu durchdenken. Der Bambus links hinterm Haus, Fargesia robusta ‚Campbell‘, freut sich jedenfalls über den frei gewordenen Platz und wird seine kurzen Rhizome zügig in die Richtung schieben

Nun ist mit der alten Hecke auch ein Vogelnistquartier weggefallen. Aber es gibt in unserem Garten nach wie vor zahlreiche geeignete Plätze für verschiedenste Ansprüche: von weiteren Hecken, großen Bäumen, Sträuchern, Klettergehölzen und Gräsern (auch Bambus punktet hier!), einer Benjeshecke, Totholzstapeln bis hin zu Nistkästen. Dieser alte Apfelbaum zählt ebenfalls dazu

Viele Bäume und Sträucher bieten nicht nur attraktive Wohnstätten für gefiederte und andere Untermieter, sondern darüber hinaus nahrhafte Früchte. Der Chinesische Blumenhartriegel (Cornus cousa var. chinensis) hängt so voll davon, dass die Äste sich bedenklich nach unten biegen – zum Glück ist bisher keiner gebrochen. Die roten, an Himbeeren erinnernden Früchte sind besonders bei Amseln begehrt

Weitere spannende Fruchtkörpergestalten bilden die Pilze aus. Ich bin immer wieder überrascht, wie divers das Angebot allein in unserem Garten ist. Der Rötliche Lacktrichterling (Laccaria laccata) gedeiht auf dem teilweise nährstoffarmen Boden gut und geht gerne mit Birkengewächsen eine Mykorrhiza-Symbiose ein

In der Nähe des Teichs fühlt sich der Verbogene Lacktrichterling (Laccaria tortilis) wohl. Der kleine Pilz mag es feucht und schattig

Zur Familie der Champignonverwandten zählt der Wiesenstäubling (Lycoperdon pratense), was man bei seinem Anblick sofort nachvollziehen kann. Die jungen Fruchtkörper sind mit kleinen Stacheln besetzt

An einen Schwamm erinnert die Steife Koralle (Ramaria stricta). Sie lebt von totem organischen Material und wächst hier auf verrottendem Holz und Laub. Ich bin gespannt, welche Pilzkreaturen mir in den kommenden Wochen noch ins Auge fallen











































































