Grau in grau

In diesem Monat wurden Erinnerungen an den Januar 2022 wach. Hatte es da nicht gefühlt auch dauernd tüchtig geweht und geregnet? Ein Blick in die Wetterstatistik klärt auf: Das mit dem Wind stimmt (und steigerte sich im Februar zu Orkanböen, bitte keine Wiederauflage in 2023!), aber die Niederschlagsmenge war moderat und entsprach der der vergangenen vier Januare, rund 90 mm. Da liegen wir jetzt 2023 mit 117,75 mm schon deutlich drüber – und es kann noch etwas dazukommen. Was wir als Gärtnerinnen natürlich begrüßen. Was sich aber als echter limitierender Faktor für das Laubmanagement erweist. Immerhin ist es uns irgendwie doch gelungen, die übel schwere nasse Blättermasse aus den Dachrinnen, vom Schuppendach und aus dem alten Obsthof zu entfernen. Aber Garagendach und einige Wiesenecken warten noch auf ihre Befreiung. Früher daranzugehen, ist keine Alternative – die Blätter der Stieleichen müssen erst unten sein, sonst heißt es: zweimal darangehen. Lichtblicke im trüben Januargrau (welches, neben mangelnder Zeit, gute Gartenfotos quasi unmöglich machte) waren wie immer die Frühblüher – Boten des hoffentlich bald nahenden Frühlings.

Dank winterblühender Sträucher wie Lonicera x purpusii und Viburnum x bodnantense blüht es in unserem Garten in jedem Monat irgendwo. Bei den Geophyten zeigen sich die ersten Crocus-Blüten im Januar
Immer vorne dabei: verschiedene Galanthus-Arten. Wir warten gespannt, wann sich die ersten Bestäuber aus ihren Winterverstecken wagen
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Wintergrün

Auch dieser Dezember wartete mit einem bei uns recht typischen Wetterverlauf auf: Einer Episode, die ankündigt, dass es jetzt wirklich ernsthaft Winter wird – in 2022 hieß das eine ganze Woche Kahlfrost bis minus 9 Grad – sowie die Tage drum herum, an denen wir uns eher bei aktuell 13 Grad und Regen gen Frühling träumen. Egal, welches Setting gerade vorherrscht: Die Immergrünen bringen in dieser Zeit frische Farbe in unseren Garten. Allen voran der Bambus, der zudem für die ein oder andere Überraschung gut war. Dazu gleich mehr.

Wie immer zum Jahresende muss erst noch ein kurzer Blick auf die Regenstatistik fallen: Obwohl sich die Wolken zurzeit mächtig Mühe geben, die Niederschlagsmenge noch in die Höhe zu treiben, werden wir in Summa unter den Werten der vorherigen Jahre liegen: Nach 955 mm in 2021 bzw. 936,25 mm in 2020, kommen wir 2022 nur auf 891,75 mm. Und laut Wetterradar war es das dann in diesem Jahr mit dem Regen.

Aber nun zu unserem Lieblingsgras. Wir hatten in den vorigen Posts ja schon ausgiebig unsere tierischen Gartenfreunde präsentiert. Hier nun noch einmal, denn das Rehwild teilt unsere Bambusliebe. Das grüne Blättermeer bietet Schutz vor Wind und Regen, lässt aber gleichzeitig den Blick frei, um die Umgebung auf mögliche ungebetene Störungen hin abzuscannen
Bei Phyllostachys nigra ‚Boryana‘ ist leider nix mehr vom grünen Blättermeer übrig geblieben: Das Laub wurde 2022 fast vollständig durch Blüten ersetzt, die die Halme jetzt durch ihr Gewicht nach unten biegen
Ebenfalls ungewöhnlich: der diesjährige Wachstumszyklus von Phyllostachys parvifolia. Im Spätherbst/Winter 2022 treibt der Bambus weiter neue Halme. Leider reine Energieverschwendung, da die Neuaustriebe keine anhaltenden Frostgrade überleben. Und mit denen ist im Januar/Februar sicher noch zu rechnen
Wie aus der Zeit gefallen wirken auch diese Brombeeren
Im Laufe der Jahre haben sich unsere Sitzklötze aus Buchenstämmen dank der Mithilfe von zahlreichen Tieren und Pilzen fast vollständig zersetzt. Es war und ist spannend zu beobachten, wer und was sich dort alles tummelt
Das gilt ebenso für die Benjeshecke, die neben unserem großen Totholzhaufen als tierischer Überwinterungs- und Nistplatz dient. Auf dass 2023 ein gutes Jahr für Flora und Fauna wird!
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Fallendes Laub auf Blume des Jahres

Das sieht nach einem trockenen Herbst bei uns aus: Nachdem es bereits im Oktober nur spärlich regnete, kam im November mit bis dato 29 mm sogar noch weniger Niederschlag zusammen. Nicht gerade üppig. Dafür blieben zumindest die Herbststürme aus – okay, nicht zu früh freuen, die können noch kommen –, und mit dem Frost hielt es sich bis auf eine Nacht mit immerhin minus 6,5 Grad bisher auch in Grenzen. Aber Frost ist Frost, also hieß es Dahlien retten, Gartenmöbel reinräumen, Wassertonnen leeren und die ersten Töpfe ins Kalthaus stellen. Und zwischendurch immer mal wieder Laub harken – alljährliche Meditationsarbeit, bei der wir nie allein sind: Amsel, Rotkehlchen, Zaunkönig und Co. freuen sich über das Freilegen von unter Blättern versteckten Leckereien.

Trotz erster Fröste ist noch einiges Laub auf den Bäumen, besonders Stiel- und Sumpfeichen lassen sich Zeit
Unter dem Laub kann man noch so manche Blüte entdecken. Bis zu den ersten Minusgraden blüht z. B. die Kleine Braunelle in den Wiesen. Prunella vulgaris wurde von der Loki-Schmidt-Stiftung zur „Blume des Jahres 2023“ gewählt. Der Name bezieht sich auf die Braunfärbung der verblühten Kelchblätter
Der Lippenblütler dient als Nahrungsquelle für viele Insekten und verbreitet sich über Kriechtriebe. Die Kleine Braunelle bevorzugt eher nährstoffarme Böden (Grasschnitt sollte abgetragen werden) und ist dankbar, wenn man nicht zu häufig mäht
In den Beeten sorgen die Spätblüher vor dem Frost ebenfalls noch für bunte Hingucker, hier der Buschklee (Lespedeza thunbergii)
Auch die Gelenkblume (Physostegia virginiana) würde immer noch weitere Blüten austreiben, wenn Temperaturen unter null Grad dem nicht irgendwann ein Ende bereiten
In der frostigen Jahreszeit legen hingegen einige Gehölze wie der Schneeball Viburnum x bodnantense oder die Duft-Heckenkirsche Lonicera x purpusii mit ihrer Blüte erst los – getreu dem Motto „Es wird durchgeblüht“. Beim Lorbeerblättrigen Schneeball Viburnum tinus (hier im Bild) glänzen noch die stahlblauen Früchte, aber daneben warten bereits die Blütenknospen (nicht im Bild) auf ihren baldigen Auftritt. Da Viburnum tinus andauernde Tiefsttemperaturen – die bei uns bisher ja durchaus möglich sind oder waren – nicht so toll findet, steht er im Topf und kommt bei Bedarf ins Kalthaus
Ja, die Rehe waren im Oktober-Post schon prominent vertreten, aber gerade die dunklen Kitze sind einfach zu niedlich – und wenig scheu
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Reges Tierleben im Herbstgarten

Es hat tatsächlich geklappt: Da die Niederschlagsbilanz im Oktober bisher mit 39 mm recht bescheiden ausfiel, konnten wir doch noch die letzten Wiesen fertig mähen und das Schnittgut zusammenrechen und abtragen. Wieder ein Punkt, der auf der To-do-Liste abgehakt werden kann – herrlich! Über das frisch gemähte Grün freuen sich auch unsere tierischen Besucher: Im kurzen Gras lassen sich Mäuse und andere Leckerbissen leichter erjagen. Und der dank milder Temperaturen immer noch recht dynamische Neuaustrieb der Gräser und Kräuter schmeckt einfach besser. Wenn dazu dann noch Köstlichkeiten wie zarte Rosenblüten geboten werden, ist es kein Wunder, dass eine Ricke mit ihren zwei Kitzen beschlossen hat, unseren Garten erst einmal primär als ihr Zuhause zu betrachten. Aber nicht nur das Rehwild fühlt sich bei uns wohl, auch für andere Vertreter der Fauna hat der Wilde Garten einiges zu bieten.

Immer diese Kameras, die einen auf Schritt und Tritt überwachen: Die Rehe bewegen sich nachts und tagsüber mit gelassener Selbstverständlichkeit durch unseren Garten
Andere Besucher absolvieren ihre Streifzüge nur in der Dämmerung oder nachts. Neben Steinmarder und Waschbär durchstreift der Dachs regelmäßig den Garten auf der Suche nach etwas zu Futtern – sei es tierischen oder pflanzlichen Ursprungs
Füchse lassen sich durchaus tagsüber beobachten, aber vorzugsweise sind auch sie im Dunkeln unterwegs
Scheu kennen „unsere“ Rehe nicht: Diese Ricke mit ihren beiden Lütten hält sich inzwischen fast ausschließlich im Garten auf. Gemütliches Flanieren mit Fresspausen und entspannte Liegestunden, u. a. zum Wiederkäuen, bestimmen ihren Tagesablauf
Das zweite Junge hat vom Vater das dunkle Haarkleid geerbt – steht ihm gut. Hier wächst allerdings ein Problem heran, denn es ist ein Bockkitz – und die fegen ihr künftiges Geweih gerne an Bäumen. Was sich an unseren Himalaja-Birken schon eindrucksvoll belegen lässt …
Dieses Wintergoldhähnchen hat sich bei der Nahrungssuche mal Richtung Hauswand orientiert. Keine schlechte Idee, tummeln sich dort doch einige Insekten und Spinnen
Das war knapp: Beim Zusammenrechen des mit der Motorsense geschnittenen Grases wäre ich fast auf einen Grasfrosch getreten. In dieser sehr feuchten Wiesenecke halten sie sich besonders gerne auf, daher mähen wir mit mindestens zehn Zentimetern Abstand vom Boden
Auf der Suche nach Schnecken inspizieren die Frösche auch die Töpfe mit den Funkien – und werden dort unter Garantie fündig. Während sich die Hostas mit ihren gelben und welken Blättern jetzt schon in Richtung Winterruhe verabschieden, startet die wintergrüne Lilientraube (Liriope muscari) im Herbst erst mit ihrer blauen Blüte. Auch Hakonechloa macra, mein geliebtes Japanisches Waldgras, erfreut bis in den Winter hinein mit seinen wogenden linealen Blättern. Hier im Bild die gestreifte Sorte H. macra ‚Aureola‘
Ein zuverlässiges Herbst-Highlight ist Parthenocissus quinquefolia mit seiner fantastischen Blattfärbung. Der Wilde Wein ist nicht nur sehr robust und anspruchslos, er erobert in Windeseile so ziemlich jede Mauer und lässt seine Ranken dann – wie an unserer Garage – vom Dach wieder nach unten fallen. Seine nektarreichen Blüten ziehen im Sommer zahlreiche Insekten an, die hübschen grafitgrauen Beerenfrüchte werden von Amseln und anderen Vögeln weggenascht
Ungeplant, aber nicht unattraktiv: Hopfen der sich das Riesen-Chinaschilf (Miscanthus x giganteus) hochrankt. Erntet man Hopfenblüten bzw. -zapfen nicht ab – um sie z. B. für schlaffördernden Tee zu verwenden –, versamt sich  Humulus lupulus recht bereitwillig und taucht an den überraschendsten Stellen wieder auf (sein angestammter Platz ist eine Garagenwand)
Das Laub der Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii) macht seinem Namen alle Ehre – und kontrastiert effektvoll mit dem frischen Farbton der rein grünlaubigen Art von Hakonechloa macra
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Septemberregen und leckere Früchte

Nach Sonne und Hitze kam Regen! Ganze 120 mm Niederschlag fielen bei uns in diesem Monat. Was für ein Glück. Man konnte die Pflanzen fast aufatmen hören, sich mit neuer Energie zum Herbst noch einmal zu voller Größe und Pracht aufrichten sehen. Dafür nehmen wir auch gerne in Kauf, dass wir das finale Mähen nicht auf allen Wiesen geschafft haben. Vielleicht klappt es im Oktober noch. Wenn nicht: Regen ist wichtiger.

Zum Herbstanfang gibt es schon einige Samenstände in den Staudenbeeten. Besonders markant: die in dichten Gruppen an aufrechten Trieben stehenden Fruchtstände des Brandkrauts (Phlomis russeliana)
Hier wird noch bis zum ersten Frost geblüht: Lespedeza thunbergii zählt zu den absoluten Spätblühern. Die kleinen wickenartigen Blüten an den langen überhängenden Trieben des Buschklees korrespondieren schön mit den filigran funkelnden Blütenständen von Calamagrostis brachytricha, welches auf Deutsch nicht umsonst Diamant-Reitgras genannt wird
Ein Neuzugang bei uns ist Rudbeckia fulgida ‚Forever Gold‘. Der Sonnenhut steht Ende September noch in voller Blüte und soll auch nicht so nahrhafte Böden tolerieren. Ich bin gespannt, wie er sich entwickelt
Nicht so gut gedeiht in diesem Jahr Helianthus ‚Lemon Queen‘. Der Staudensonnenblume hat die Sommertrockenheit ziemlich zugesetzt
Die Stieleichen hängen hingegen über und über voll mit Früchten. Die namensgebenden Früchte von Quercus robur sitzen an bis zu 12 cm langen Stielen. Bei dem üppigen Angebot ist es sicher nur eine Frage der Zeit, wann die Wildschweine wieder mal vorbeikommen
Für viele Vogelarten interessant sind die Früchte des Sanddorns, hier die reich tragende Sorte Hippophae rhamnoides ‚Leikora‘. Natürlich könnten wir die Vitamin-C-haltigen Früchte auch selbst verwenden, aber die gemischte Heckenpflanzung soll ja als Futterquelle, Schutz- und Brutstätte für die Fauna dienen
Ebenfalls in dieser Hecke wächst der Kleinfruchtige Zierapfel Malus toringo, dessen Früchte im Winter auf dem Speiseplan verschiedener Singvögel stehen
Die Füchse hingegen waren bisher jedes Jahr zur Zwetschgenzeit nächtlich dabei, die heruntergefallenen Früchte zu naschen – die alte unbekannte Sorte ist wirklich super aromatisch. In diesem Jahr scheinen allerdings die Rehe die Zwetschgen für sich zu beanspruchen, und Fuchs muss sich nach anderem Nahrhaftem umgucken. Mäuse hätten wir genug
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Was für ein Sommer

Ganz ist der August zwar noch nicht zu Ende, aber gefühlt muss es einer der wärmsten Monate bei uns gewesen ein. Drei ordentliche Gewitterregen sorgten immerhin dafür, dass das Gras nicht überall verbrannte – der beige Look aus dem Trocken-Sommer 2018 bleibt unvergessen. Nach den kräftigen Schauern war die Erde jeweils für ein, zwei Tage halbwegs zu bearbeiten, sodass ich wenigstens mit dem Abstechen von Bambusrhizomen vorankam. Ansonsten fiel Gartenarbeit wegen Hitze aus. Stattdessen war es ein Genuss, in den schattigeren Gartenregionen entspannt ein Buch zu lesen und die Sommerblüten zu bewundern.

Die filigranen Blütenstände der Himalaya-Wiesenraute zaubern leuchtende Sterne in den Halbschatten. Thalictrum delavayi samt sich bereitwillig aus und sieht gerade als Unterpflanzung von Bäumen einfach wunderschön aus
Die alten Phlox-Sorten von meiner Mutter sind unverwüstlich und blühen wochenlang, ebenso die sich über Rhizome ausbreitende Gelenkblume Physostegia virginiana, an deren Blütentrauben sich teilweise bis zum ersten Frost immer wieder neue Lippenblüten öffnen. Sie bevorzugt feuchte Böden, kommt aber in halbschattiger Lage auch mit unserem trockenen Sandboden klar. Links an der Garagenwand hat sich Eupatorium fistulosum ‚Riesenschirm‘ durch Samenflug oder tierischen Transport angesiedelt. Die Blüten des Wasserdosts zählen zu den Favoriten der Insekten
Auch der Fallschirm-Sonnenhut Rudbeckia nitida ‚Juligold‘ wird gerne angeflogen – hier von einer Gemeinen Sandwespe
Spannend zu beobachten: Die im Juli-Post ausführlich beschriebene Blüte an Phyllostachys nigra ‚Boryana‘ zieht ebenfalls Insekten an. Zahlreiche Bienen füllen ihre Pollenhöschen an dem Bambus
Hübscher Farbkontrast: Ein Ampfer-Wurzelbohrer-Männchen hat sich auf einem Gartenstuhlkissen niedergelassen
Die Wildkameras liefern täglich Beweisfotos, dass unser Garten von den Rehen – trotz Zaun – klar als extra für sie geschaffenes Futterparadies betrachtet wird

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Wer blüht denn da?

Es kam von einem Tag auf den anderen: Zunächst eine leichte Irritation als ich meinen Blick durch den Garten schweifen ließ. Etwas hatte sich verändert, aber nicht durch erfreulich dynamisches Wachstum oder plötzlich zur Schau gestellte opulente Blütenpracht. Es war eine primär farbliche Veränderung – und in der Tat waren Blüten die Ursache dafür. Allerdings keine Blüten, die Anlass zur Freude bieten. Meine Augen blieben an Phyllostachys nigra ‚Boryana‘ hängen, dessen Laub irgendwie heller wirkte, fahl. Was war da los? Vor der Pflanze stehend bestätigte sich die schlimmste Befürchtung: Der ganze Bambus blühte, ausnahmslos alle Halme waren betroffen. Ich hätte es ahnen können. Es gab in diesem Jahr keinen einzigen Neuaustrieb der Pflanze, sie hat alle Kräfte gebündelt und in die Ausbildung von Blüten gesteckt. Dieser Prozess ist so kräftezehrend, dass viele Pflanzen danach sterben, Platz machen für die nächste Generation. Meine Hoffnung: Ph. nigra ‚Boryana‘ ist ein leptomorpher Bambus, ausläufertreibend, das heißt seine Rhizome begeben sich auf Wanderschaft und müssen regelmäßig in Schach gehalten werden. Im Fall einer Vollblüte ist das von Vorteil, besteht doch die Chance, dass in der kommenden Vegetationsperiode aus neuen Rhizomen neue Halme sprießen, die dann nicht wieder Blüten ausbilden. Eine vor einigen Jahren einsetzende Teilblüte bei Phyllostachys aureosulcata ‚Aureocaulis‘ hat sich nach zwei Jahren erledigt, ohne die Pflanze groß zu schädigen. Diese Blüte betraf allerdings nur einige Halme. Jetzt heißt es, abwarten und Daumen drücken. Zum Glück gibt es genug positive Ablenkung im Garten.

So hell wirkt er normalerweise nicht: Phyllostachys nigra ‚Boryana‘
Immer mehr Blätter fallen zu Boden, die blühenden Bambushalme sehen durch das reduzierte Laub völlig anders aus, irgendwie starrer
Ein blühender Zweig im Detail, hier noch mit einigen grünen Blättern
Um wieder auf erfreulichere Gedanken zu kommen, hilft ein Rundgang durch den Garten. Jetzt im Juli sind überall spannende Insekten zu entdecken, zum Beispiel diese giftige Raupe des Blutbärs. Ihre bevorzugte Nahrung ist das Jakobsgreiskraut (Senecio jacobaea), von dem wir immer einige Exemplare stehen lassen
Das freut auch den Distelfalter. Dieser sieht nach seiner langen Anreise aus dem Mittelmeerraum schon etwas matt aus
Wildbienen und Schwebfliegen lassen sich ebenso gerne auf dem Jakobsgreiskraut nieder
Ihre eindeutige Bestimmung ist alles andere als einfach. Falls hier jemand helfen kann, bitte melden!
Im vergangenen Jahr entdeckte ich bereits die zwei großen neuen Blattrosetten in der Wiese, in diesem Jahr ragten ihre Blütenstände dann über das hohe Gras hinaus: die zweijährige Mehlige Königskerze (Verbascum lychnitis) ist – wahrscheinlich dank Hilfe von Insekten oder Vögeln – ein neuer willkommener Gast in unserem Garten
Ebenfalls zweijährig ist Cirsium vulgare. Die Gewöhnliche Kratzdistel steht bei vielen Insekten hoch im Kurs. Hier teilen sich Steinhummel und ein Glasflügler (welche Art genau?) eine Blüte
Recht selten geworden sind bei uns die Marienkäfer, unabhängig von der Art. Dieser Siebenpunkt jagt Läuse auf der Gewöhnlichen Kratzdistel
Eine Monardenblüte hat die Aufmerksamkeit einer Erdhummel erregt
Im Gegenlicht glänzt Melica ciliata, das wunderschöne Wimpernperlgras
Filigraner, aber ähnlich herrlich silbern, wiegen sich die Blüten von Achnatherum calamagrostis, dem Silber-Ährengras, dahinter, flankiert von verschiedenen Salbeiarten und dem Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare) – beide sind mit ihrem üppigen Nahrungsangebot und der langen Blühdauer weitere echte Insektenmagneten
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Es summt und brummt und blüht

Blüten, Bienen und Co. begleiten uns auf Schritt und Tritt beim Gang durch den Juni-Garten. Wiesen, Blühfeld und Beete bieten für viele Vertreter der Fauna in diesem Monat ein reiches Nahrungsangebot.

In den Wiesen entwickeln sich jedes Jahr Bereiche mit unterschiedlichen Pflanzengemeinschaften: Hier blühen neben Weißklee (Trifolium repens) u. a. Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), Weicher Storchschnabel (Geranium molle), Feldklee (Trifolium campestre) und verschiedene Habichtskräuter (Hieracium)
Gerade auf den Wegen durch die Wiesen breitet sich der Weißklee aus – das regelmäßige Mähen fördert sein Wachstum. Entsprechend summt und brummt es um die Füße, wenn ich gaaaanz vorsichtig herumschlendere und versuche, möglichst auf keines der Futter suchenden Insekten zu treten
Die Gefahr besteht bei diesem sich ebenfalls auf Nahrungssuche befindlichen Tierchen nicht: Eichhörnchen sind regelmäßige Besucher an den Meisenknödeln – dank ihrer Kletterkünste kommen sie überall ran. Dieses Exemplar nascht die runtergefallenen Reste und war völlig überrascht, als ich plötzlich neben ihm stand
Vorsichtig und leise muss ich mich auch dem Teich nähern, wenn ich nicht nur Platschgeräusche hören will, sondern die hübschen kleinen Teichfrösche beobachten möchte
Am Wegesrand in den Sträuchern ließ sich kurz eine Gemeine Skorpionsfliege (Panorpa communis) fotografieren. Die sehr markante Schnabelfliegenart wurde vom NABU zum „Insekt des Jahres 2018“ gekürt. Das vergrößerte Ende des Hinterleibs der Männchen erinnert an den Stachel eines Skorpions, daher die Namensgebung. Stechen können die Fliegen allerdings nicht, die blasenartige Verdickung dient der Fortpflanzung
Dieser Blutbär (Tyria jacobaeae) präsentiert sich auf einem Holzbrett im Garten. Die auffällig gefärbten, giftigen Schmetterlinge sind regelmäßig bei uns zu Gast. Ihre gelbschwarz geringelten Raupen leben mit Vorliebe auf Jakobs-Kreuzkraut, welches wir daher an wenigen Stellen in den Wiesen für sie stehen lassen
Zu den absoluten Attraktionen für Mensch und Tier zählt im Juni die Kletterhortensie: Ihr herrlich süßer Blütenduft umfängt einen schon von Weitem. Hydrangea petiolaris ist mit ihrer üppigen Blütenpracht zudem ein wertvolles Insektennährgehölz und ein beliebter Vogelnistplatz, insbesondere bei unseren Amseln
Neben den hoch stehenden Wiesen und zunehmend höher wachsenden Stauden gibt es auch bei uns regelmäßig gemähte Grasflächen. Die sind allerdings ebenfalls weit von einer Rasenmonokultur entfernt
Zum Ende des Juni-Spaziergangs noch ein Detailblick in die Beete. Trockenheitsresistente Blühgarantie bietet die anspruchslose Federnelke (Dianthus plumarius). Nur sonnig sollte es bitte sein
Im lichten Halbschatten bringen Taglilien (Hemerocallis) und Akelei (Aquilegia) wochenlang Farbe ins Grün
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Ist denn schon Sommer?

Bei Tageshöchstwerten bis zu 28 Grad im Schatten präsentierte sich der Mai in diesem Jahr bei uns zeitweise mehr sommerlich als frühlingshaft. Selbst die Eisheiligen waren weit entfernt von frostigen Temperaturen. Da macht sich sofort Erleichterung breit: Die herrliche Wisteriablüte fällt 2022 nicht dem Frost zum Opfer (wobei: ich erinnere mich dunkel an einen Bodenfrost im Juni vor längerer Zeit) – genauso wenig wie die frischen Austriebe der anderen Pflanzen. Wie schön.

In den Wiesen stehen unter anderem bereits Akelei und Vielblättrige Lupinen in Blüte. Deutlich früher als im vergangenen Jahr
Just in time stellen die Gartenanemonen (Anemone coronaria) ihre farbintensiven Blüten zur Schau
Für Lichtblicke in den unteren Etagen der alten Fliedersträucher sorgen die unzähligen rosé-cremefarbenen Blüten von Clematis montana. Die wüchsige Clematis kann in wintermilden Gebieten Höhen von über zehn Metern erklimmen
Jedes Jahr ein Hingucker ist der Austrieb bei den Farnen, hier beim immergrünen Polystichum setiferum ‚Proliferum‘
Besonders üppig startet in diesem Jahr die Schneeballblüte – ob bei den Wildformen von Viburnum lantana und V. opulus oder bei der sterilen Form Viburnum opulus ‚Roseum‘. Die Glyzinie (Wisteria sinensis) rechts daneben steht dem in nichts nach
Schneebälle machen sich auch gut in der gemischten Hecke. Als Nahrungslieferanten für die tierischen Mitbewohner haben wir dort allerdings neben der sterilen Form (im Bild mit ballförmigen Blütenständen) vermehrt die früchtetragenden Wildformen gepflanzt
Die Blüten der Wildform von Viburnum opulus sind in tellerförmigen Schirmrispen angeordnet, die von einem Kranz Randblüten (diese sind steril) umgeben sind
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Herbstliche Rottöne im Frühlingsgrün

Frühlingsfarben im Garten – da denke ich erstmal an täglich üppiger werdendes Grün und an die bunten Highlights von Narzissen, Krokus, Scilla und Co. Es gibt aber einige Pflanzen, die so gar nicht in diesen knalligen Farbenrausch passen. Deren Austrieb erinnert eher an herbstliche Stimmungen und ist beispielsweise bronzefarben wie bei der Kupfer-Felsenbirne Amelanchier lamarckii. Die Zartheit der Blättchen macht allerdings klar, dass es bis zum nächsten Herbst zum Glück doch noch ein paar Monate hin sind.

Auch die frischen Blätter der Blasenspiere Physocarpus opulifolius ‚Amber Jubilee‘ entfalten sich in schönen Goldbronzetönen
Den Hasen ist die Farbe des neuen Austriebs völlig egal – Hauptsache lecker
Mit herrlichen Farbnuancen begeistert Cercidiphyllum japonicum vom frühen Austrieb bis in den Herbst hinein. Der Katsurabaum startet hier in feinem Rotgold
Deutlich dunkler, in tiefem Weinrot zeigt sich Corylus avellana ‚Rotblättrige Zellernuss‘ im Frühjahr. Insekten interessieren sich mehr für die pollenreichen Kätzchen, Vögel und Eichhörnchen im Herbst für die Früchte der Haselnuss. Vielen Faltern hingegen schmecken auch die Blätter
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