Das große Wühlen

Drei Jahre sind wir verschont geblieben. Obwohl die Wildschweinpopulation auch bei uns in der Gegend wächst und gedeiht und die Schwarzkittel alles andere als scheu sind (dafür extrem clever). Unser Garten wurde zwar ab und zu besucht, aber die Tiere hinterließen keine bleibenden Eindrücke. In diesem Monat war das anders: Der ganze Obsthof wurde umgebrochen – von einer (laut Beweisfotos) mindestens acht Schweine starken Rotte, die sich genüsslich durch das mit delikaten Eicheln von den umstehenden Bäumen garnierte Gras wühlte. Den Spaß hatten wir 2016 schon mal. Und die Frage stellt sich wieder: Wann ist der sinnigste Zeitpunkt, die aufgeworfenen Soden wieder einigermaßen glatt zu harken? Kommen sie noch mal? Lohnen würd es sich vielleicht. Also besser abwarten, so lange wie möglich, bevor das Grün wieder Gas gibt. Denn zweimal glatt rechen bringt definitiv gar keinen Spaß.

Hauptsache, es schmeckt
Verdrängen hilft nicht: Irgendwann muss ich da ran

Der Garten sorgte im Januar natürlich trotzdem für jede Menge Freude. Ganz ohne Schnee (keine einzige der wenigen zwischen Regentropfen reingemogelten Schneeflocken erreichte weiß den Boden). Dafür mit zauberhaften Winterblüten. Und Insekten konnten wir aufgrund der sehr lauen Temperaturen auch schon einige durch die Luft schwirren sehen.

Ein absolut verlässlicher Winterblüher ist Lonicera purpusii, die Duft-Heckenkirsche. Im vergangenen Jahr haben wir ein weiteres Exemplar in die gemischte wilde Hecke gepflanzt. So finden die „Frühaufsteher“ unter den Insekten in dieser kargen Zeit mehr Nahrung. Und wir können eine zusätzliche Duft-Tankstelle auf unserer Gartenrunde anlaufen
Ebenfalls eine beliebte Anlaufstelle für Insekten und Menschen im winterlichen Garten: der Schneeball Viburnum bodnantense ‚Dawn’ mit seinen duftenden Blüten
Dank der milden Witterung stehen auch die Blüten von Cornus mas bereits kurz vor dem Aufbrechen. Die Kornelkirsche ist ein wichtiges Insektennährgehölz des Vorfrühlings
Im vergangenen Jahr fiel die komplette Walnussblüte – und damit die Ernte – dem Spätfrost zum Opfer. Diese noch geschlossenen männlichen Blüten lassen uns wieder auf leckere Früchte hoffen. Klarheit darüber gibt es Ende Mai, spätestens
Beim Streifzug durch den Garten geben nicht nur die frischen Blüten Anlass zum Innehalten: Hier erinnert der alte Blütenstand von Oenothera biennis an abendliche Sommerspaziergänge
Die Dolden von Daucus carota sind durchs Wetter zwar schon etwas in Mitleidenschaft gezogen, stehen aber immer noch wie langstielige kleine Schirme im Wind
Nur wenige Hagebutten hängen noch an den Rosen – wie diese an Rosa rugosa
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Bessere Bilanz

Vielleicht gibt es noch einige Tropfen obendrauf – ein paar Stunden 2019 liegen schließlich noch vor uns, und am Himmel drängen sich einige Wolken. Aber selbst wenn es das jetzt war mit Niederschlag in diesem Jahr: Immerhin 933,75 mm haben wir hier in der Nordheide abbekommen. Nach mageren 632 mm in 2018 sieht die Bilanz 2019 also deutlich besser aus. Und wir sind – als bekennende Wetterstatistikfreaks – natürlich schon sehr gespannt, was 2020 so auf uns niederregnen wird.

Der Dezember ließ im Garten noch nicht so ein richtiges Winterfeeling aufkommen. Von Schnee weit und breit nichts zu sehen. An einigen Morgenstunden gab es zwar etwas Raureif, aber meist beherrschten doch Wind und Regen die Szenerie. Die Beete mit ihren verschiedenen Gräsern und anderen Staudensamenständen bieten trotzdem immer einen interessanten Anblick.

Zwischen den Gräsern wachsen u. a. Origanum vulgare, Hylotelephium ‚Herbstfreude’ und Agastachen
Die Samenstände der Agastachen und Wilden Karden bringen vertikale Struktur
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Sonnenflecken

Einige leichte Nachtfröste und ordentliche Windböen sorgten in diesem November bei vielen Bäumen und Sträuchern für einen recht frühen Laubfall. Was schade war, denn so kam man nur für wenige Tage in den Genuss der prächtig bunten Blätter von Katsurabäumen, Amberbaum oder Perückensträuchern. Andere Stars des herbstlichen Farbspektakels wie das Persische Eisenholz oder die Chinesischen Blütenhartriegel trotzten dem Wetter zum Glück deutlich länger. Absolut nicht beeindruckt zeigten sich naturgemäß die Stieleichen, aber auch Sumpfeichen und Blutbuchen, sodass es im Zusammenspiel mit Koniferen, immergrünen Laubgehölzen, hohen Gräsern und natürlich dem üppigen Bambus immer noch genügend Wind- und Sichtschutz gibt.

Die reduzierte Laubmasse lässt dafür die tiefer stehende Sonne durch: leuchtende Goldflecken im Grün
Stieleichen und einige Bergahorne kommen bei uns trotz Laubabwurf quasi immergrün durch den Winter – rankender Efeu macht’s möglich
Cornus kousa chinensis und Rosa ‚Pauls Himalajan Musk’ halten ihre Blätter teilweise bis in den Dezember
Auch Berberis thunbergii ‚Harlequin’ steht noch voll im schönen rotmarmorierten Laub
Die Blätter des Wassersalats (Pistia stratiotes) sehen hingegen nach dem ersten Frost alles andere als schön aus. Auch wenn der Teich bei heftigen Minusgraden mit Styroporplatten vor dem Zufrieren geschützt wird, ist die Temperatur des Wassers für die ursprünglich in den Tropen und Subtropen beheimatete Pflanze selbst bei einem milden Winter sicher zu niedrig, um zu überleben. Versuchsweise habe ich ein paar Ableger rausgenommen und in eine große Wasserschale gelegt. Mal sehen, ob sie in der Veranda bzw. im Haus durch die kalte Jahreszeit kommen
Damit unser Lieblingsgras ebenfalls gut durch den Winter kommt, spendieren wir eine Schicht Laub- und Grasmulch. Die Wurzeln der Bambusse liegen ziemlich flach unter der Erde – ein durchgefrorener Boden würde die Pflanzen mit ihrer großen zu versorgenden Blattmasse verdursten lassen. Innerhalb eines Bestands reicht der Schutz durch das eigene Blätterdach und das Laub am Boden in der Regel aus, aber bei frei stehenden Halmen wie hier bei Phyllostachys vivax ‚Huangwenzhu’ kann es schnell kritisch werden. Zum Glück haben wir dank der großen Bäume ausreichend isolierende Biomasse zur Verfügung. Bei richtig strengen Dauerfrostperioden – die es bei uns zum Glück lange nicht mehr gab – hilft nur noch: Strohballen obendrauf
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Regen bringt Segen – und Pilze

Man kann es geradezu spüren – das Aufatmen der Pflanzen, nachdem im September und Oktober jeweils über 120 Liter Niederschlag bei uns runterkamen. Wenigstens ein kleiner Ausgleich für den Trockenheitsstress des Sommers. Aber auch die Sonne schaffte es, ab und zu mal aus den Wolken rauszuschauen, was wiederum förderlich für die immer wieder begeisternde Herbstfärbung vieler laubabwerfender Gehölze war.

Eine echte Bereicherung ist die Amerikanische Kulturheidelbeere Vaccinium corymbosum – nicht nur in kulinarischer Hinsicht, sondern vor allem aufgrund ihrer wunderbaren herbstlichen Tönung
Ein flammendes Feuerwerk von Rot- und Orangevariationen entfachten ebenfalls die Persischen Eisenhölzer, hier Parrotia persica ‚Vanessa’
Gelb- und Grüntöne hingegen herrschen an diesem Sitzplatz vor: Der Bergahorn (Acer pseudoplatanus) hat sich seit 2011 aus einem Stück Wurzel entwickelt. Schon heute lässt sich erahnen, welche Präsenz er einmal haben wird. Dahinter bietet ein Gebüsch aus Cornus stolonifera ‚Flaviramea’ den Vögeln ein beliebtes Areal für die Futtersuche und einen Plausch unter Artgenossen
Die Astern im Vordergrund sind alte Erbstücke, die sich durch hohe Robustheit und ambitionierten Ausbreitungsdrang auszeichnen – also zumindest durch Ersteres. Für Insekten wie beispielsweise diesen C-Falter sind sie zudem eine willkommene späte Nahrungsquelle

Der Regen motivierte nicht nur die Pflanzen: Im Laufe des Monats konnte man Tag für Tag allerorts im Garten plötzlich immer mehr Vertreter einer weiteren Lebensform entdecken – Pilze. Und zwar so viele wie noch nie zuvor bei uns. Ob mitten im Weg, auf den Wiesen, am Kompost, in den Beeten, zwischen Gehölzen oder aus zentimeterdickem Bambuslaubmulch sich herausarbeitend – sie waren einfach überall! Teils filigrane, teils beeindruckend große Fruchtkörper positionierten sich in kleinen Grüppchen, Halbkreise bildend oder in Reihen, seltener als Solitäre und bereicherten mit ihrer ganz eigenen Gestalt den herbstlichen Garten.

Wohin auch immer man den Gartenblick im Oktober schweifen lässt – er trifft in diesem Jahr bei uns garantiert auf Pilze. Die Wachstumsbedingungen scheinen perfekt zu sein für diese besonderen Lebewesen
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Sonnenblumen-Sommer

Sie sind ein leuchtendes Symbol für den Spätsommer, und ihr Anblick sorgt sofort für gute Laune: die Sonnenblumen. Und das selbst in regenarmen Zeiten wie diesen! Kein Wunder, denn einige Arten von Helianthus sind ursprünglich in den trockenen Prärien und Gehölzen Nordamerikas zu Hause – und daher Kummer, sprich Regenmangel, gewohnt. Dazu gehört z. B. Helianthus atrorubens, eine 1,50 m und höher werdende, reich blühende Staudensonnenblume. Durch energisches Ausläufer treiben macht sie sich, einmal etabliert, zusehends breit und bildet opulente Bestände. Wem das zu viel wird, der kann sie ganz einfach im Zaum halten: Die sehr flach wurzelnden Triebe lassen sich problemlos rausziehen. Helianthus atrorubens ist super robust und fühlt sich selbst in unserem Sandboden offensichtlich wohl. Lediglich bei sehr lang andauernden Trockenperioden kann es zu Mehltaubefall kommen. Bienen und andere Insekten schätzen das wochenlange, oft bis in den Oktober reichende Angebot an Pollen und Nektar. Wir lassen die ausgeblühten Pflanzen über den Winter stehen. Das zaubert bei Raureif oder Schnee sehr schöne Skulpturen und hält das abgefallene Laub an Ort und Stelle: Dort schützt es als Mulchschicht die oberflächennahen Triebe vor Kahlfrösten.

Helianthus atrorubens bildet zahllose Blüten auf rötlichen Stengeln aus – ein eleganter Kontrast zum warmen Gelbton der Zungenblüten
Durchaus schattenverträglich: Die lichten Wälder ihrer Heimat prädestinieren die Staudensonnenblume auch bei uns für weniger sonnige Lagen, hier am Rand unseres Bambushains
Vor einem dunkleren Hintergrund kommen die sattgelben Blüten besonders gut zur Geltung
Eine weitere Vertreterin der Staudensonnenblumen ist die ebenfalls sehr wüchsige, aber eher buschig wachsende Helianthus microcephalus-Hybride ‚Lemon Queen’ mit ihren blassgelben Zungenblüten
Unsere Staudensonnenblumen werden alljährlich nach dem „Zufallsprinzip“ um einjährige Helianthus ergänzt. Dahinter steht die winterliche Aktivität von Vögeln und anderen Sonnenblumenkernliebhabern, die Teile ihrer Beute unterwegs verlieren oder für später verbuddeln – und dann vergessen. Und so kommen in jedem Frühjahr – verstärkt in der Nähe der Futterplätze, aber nicht nur dort – überall Sämlinge aus dem Boden, die wir in den meisten Fällen auch stehen lassen. Dieser hat es auf gute 35 cm Blütendurchmesser gebracht
Detailaufnahme der kleinen Röhrenblüten einer einjährigen Sonnenblume. Sie dienen während der Blütezeit als Insektenweide, anschließend werden die Kerne von Vögeln geplündert. Und der Kreislauf beginnt von Neuem
Während Sonnenblumen wohl bei fast jedem hohe Sympathiewerte genießen, ist die Kornrade als Ackerunkraut gefürchtet und wurde deshalb stark dezimiert. Ihre giftigen Samen machen das Getreidemehl unbrauchbar. Heute findet man Agrostemma githago in manchen gekauften Blumenwiesensaatmischungen
Ebenfalls sehr giftig sind die markanten Früchte von Euonymus planipes. Das Großfrüchtige Pfaffenhütchen ist einer der ersten Herbstfärber: Schon ab Mitte September beginnen sich die Blätter mit einem Hauch von Rot zu überziehen, der sich in wenigen Wochen in ein intensives Orangerot wandelt. Ein echter Hingucker
Zieht auch immer wieder die Blicke auf sich: unser kleiner Hain von Betula utilis var. jacquemontii in der Morgensonne
Die strahlend weißen Stämme lassen sich sogar noch im Abendrot orten – wenn man sehr genau hinguckt
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Trockenheitsstress und ein kleiner Teich

Sehen wir es mal positiv, also ein bisschen. Ein Blick auf die Gartenfotos des vergangenen Augusts relativiert das aktuelle Gefühl, dass wir schon wieder auf einen heftigen Dürresommer zusteuern: War das Gras vor einem Jahr nur noch eine verbrannte Wüste, so gibt es jetzt durchaus Bereiche, die man mit Fug und Recht als grün bezeichnen kann. Aber dennoch. Auch ein relativ feuchterer Boden ist hier bei uns in der Nordheide ein immer noch viel zu trockener Boden für die Pflanzen, staubtrocken, genau genommen. Nach dem Regenmangel 2018 bedeutet das insbesondere für die Bäume echten Stress: Einige leiden unter Mehltau (u. a. Stieleichen), andere lassen die Blätter fallen (u. a. Bergahorne, Birken) – herbstliche Assoziationen bei 31 Grad im Schatten.

Hängende Blüten und Blätter in den Staudenbeeten wirken immer wie ein stummer Hilferuf: Gieß mich! So kommen Helenium ‚Luzi’, Veronicastrum ‚Fascination’, Eupatorium fistulosum ‚Riesenschirm’ und Co. einigermaßen über die Runden
Ton in Ton: Nicht nur die Wespen schätzen den reich blühenden Solidago als spätsommerliche Nahrungsquelle, die erfolgreich der Trockenheit trotzt
Amelanchier lamarckii rollt das Laub oder lässt es gleich ganz fallen. Früchte: Fehlanzeige. Am Fuße der Felsenbirne hat sich Dill (Anethum gaveolens) ausgesät – auch hier sind die Wespen regelmäßige Blütenbesucher
Die Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) hat ihren Job als Insekten-Futterlieferant erledigt und ist vertrocknet. Jetzt schickt sie ihre Früchte in den Wind, die bei den Stieglitzen außerordentlich beliebt sind
Der Bambus hätte ebenfalls gerne mehr Regen. In der Sonne rollt Phyllostachys bissetii die Blätter, um die Verdunstung wenigsten etwas zu mindern. Kein gutes Zeichen
Mehr Präsenz fürs feuchte Element: Als Kontrapunkt zum fehlenden Nass von oben haben wir einen kleinen Teich (1 000 l, erst mal üben) angelegt – sehr zur Freude der Tierwelt. Man hört und liest es ja immer wieder: Einfach abwarten, und die Fauna stellt sich von selbst ein. Wir können es nur bestätigen! Wasserläufer und -käfer, Mückenlarven, Schnecken, Frösche und Kröten finden ihren Weg (der/die eine oder andere gelangte sicher als blinder Passagier einer Pflanze zu uns). Größere Vögel wie Ringeltauben, Eichelhäher und Rabenkrähen können endlich in einem Gefäß adäquater Größe genüsslich baden. In der Dämmerung drehen die Fledermäuse enge Runden über dem Wasser, auf der Suche nach Beute. Und nachts fungiert die Wasserstelle als Tränke für Steinmarder, Reh (verbotener Zutritt nach Überwindung des Staketenzauns), Igel etc. Apropos Igel: In keinem Teich – und sei er noch so klein – darf ein Brett oder eine andere Möglichkeit fehlen, die es ins Wasser gefallenen Tieren ermöglicht, unbeschadet wieder rauszukommen!
Holzhaufen dienen als Verstecke für Frösche und Kröten
Die dunklen Blätter von Eupatorium rugosum ‚Chocolate’ bilden einen schönen Hintergrund für die leuchtend gelben Trollus-europaeus-‚Superbus’-Blüten und die signalroten Blütentrauben von Lobelia fulgens
Erinnern wirklich an kleine Nadelbäume: die Stängel des Tannenwedels. Hippuris vulgaris verbreitet sich über kriechende Rhizome
Gegen übermäßiges Algenwachstum kommen Starkzehrer wie Wassersalat (Pistia stratiotes) und Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) zum Einsatz. Schwimmfarn (Salvinia natans), Gelbe Teichrose (Nuphar lutea) und Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) verhindern mit ihren Blättern, dass zu viel Sonne direkt aufs Wasser scheint. Zudem tummeln sich Krebsschere (Stratiotes aloides) und Raues Hornblatt (Cerartophyllum demersum) unter Wasser. Die üppige Bepflanzung zahlt sich aus: Trotz relativ sonniger Lage halten sich die Fadenalgen in absolut vertretbaren Grenzen und das Wasser ist glasklar. Wir sind sehr gespannt, wer sich mit der Zeit noch so in dem kleinen Tümpel ansiedelt – und planen schon mal den nächsten …
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Reich gedeckter Tisch

Der Hochsommer ist immer auch Blütenhochzeit im Wilden Garten: Pollen und Nektar ziehen besonders in den warmen Stunden viele hungrige Gäste an. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala von Biene, Hummel und Co. stehen dabei unsere üppigen Bestände von Origanum vulgare. Der Gemeine Dost verwandelt sich in ein brummendes, summendes Gewusel von kleinen, oft pelzig behaarten Flugobjekten und gaukelnden Schmetterlingen, die eifrig bemüht sind, an ihren begehrten Stoff zu kommen. Aber nicht nur der würzig duftende Lippenblütler lockt die Insekten in den Garten – unser Angebot reicht von Agastache bis Veronicastrum.

Origanum vulgare, Agastache ‚Black Adder’, verschiedene Helenium-Sorten und Veronicastrum virginicum ‚Fascination’ bestimmen das Blütenbild in diesem Beet
Gewitterstimmung im Wilden Garten: Ab und zu hatten wir Glück, und ein Schauer ging auch mal bei uns nieder
In voller Sonne gedeiht die Präriemalve Sidalcea ‚Elsie Heugh’ am besten. Die lang blühende alte Sorte hat hier Besuch von einer Erdhummel
Neuzugänge bei uns im Garten sind in diesem Jahr die Wilden Karden (Dipsacus fullonum). Die bis zu zwei Meter Höhe erreichenden zweijährigen Pflanzen setzen beeindruckende Akzente im Beet. Nacheinander öffnen sich mehrere Blütenringe
Sehr spannend sind die an der Basis mit dem Stängel verwachsenen, gegenständigen Blätter. In diesen Blatttüten sammelt sich das Regenwasser, und es bilden sich regelrechte Kleinstbiotope aus
Bei der verwandten Weber-Karde (Dipsacus sativas) benutzte man früher die Fruchtstände zum Gewebe aufrauen. Heute sind die Insekten Nutznießer der markanten Pflanzen
An ihnen scheiden sich viele Gartengeister, aber für Insekten ist sie ganz klar ein Eldorado: die Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare). Wir mähen extra um die große Blattrosette herum, die die zweijährige Distel im ersten Jahr ausbildet. Diese Steinhummel sitzt auf einer der hübschen Blüten der bis über ein Meter Höhe erreichenden Wiesen-Solitäre
Die Ackerhummel findet ebenfalls Gefallen an den Disteln
Und noch mehr Disteln: Bei einer im Topf ausgebrachten Wildblumenmischung kamen u. a. einjährige Mariendisteln (Silybum marianum) zur Blüte. Vier Gemeine Winterschwebfliegen finden locker Platz
Fühlte sich dieses Insekt vielleicht vom Bambusgitter der Lampe angezogen? Roesels Beißschrecke auf ungewöhnlichen Pfaden
Das sieht schon nahrhafter aus: Die Heuschrecke auf Sibirischem Kohl (Brassica napus var. pabularia)
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Summertime

Vergessen sind die Spätfröste im Mai (okay, so beinahe: Ein Kuchenbaum sieht immer noch echt übel aus, Walnüsse wird es keine geben) – im Juni war gleich Sommerfeeling angesagt. Bei Tagestemperaturen von über 20 bis deutlich über 30 Grad haben wir die längsten Abende des Jahres fast ausnahmslos im Grünen genossen: Mehr Garten geht nicht!

Auch an tierischem Unterhaltungsprogramm mangelt es draußen nicht. Das Wühlen in den Beeten und Entspannen auf der Gartenbank wird ständig von einem wilden Spektakel flügge gewordener Jungvögel samt ihrer futterbeschaffungsgestressten Eltern begleitet. Lütte Feldsperlinge sitzen in Reihe auf dem Staketenzaun und fordern lautstark tschilpend: Service! Ein übermütiger Trupp von fünf jungen Rabenkrähen versucht sich mit akrobatischem Einsatz am Meisenknödelhalter, um an den leckeren Inhalt zu kommen – mit Erfolg. Meisenkinder turnen zirpend durch Baumkronen und Büsche auf der Suche nach Insekten. Ein Dorngrasmückenmännchen lässt von morgens bis abends durch engagierten Gesang von exponierter Warte aus oder im Singflug alle Artgenossen wissen, dass das hier sein Revier ist. In der Dämmerung spaziert der Igel unerschrocken während des Abendessens unter unseren Gartentisch – es könnte ja etwas Genießbares abfallen. Dachse trauen sich (bisher) nur an den Kompost. Kurz vor Mitternacht ruft sich eine schon seit fast zwei Wochen dem Ästlingsstadium entwachsene Waldohreule bei ihren Eltern durch ein hohes Fiepen in Erinnerung: Mäuseanlieferung wäre weiterhin angenehm! Tag und Nacht sorgt die Fauna für spannende, oft anrührende oder lustige Beobachtungen.

Zehn Jahre sind jetzt vergangen, seit wir einen Teil des Ackers in Wiesen mit gemischtem Baum- und Strauchbestand drum herum verwandelt haben. Und ich bin immer wieder begeistert, wie sich diese Erweiterung des Gartens auf die Vielfalt der Tiere auswirkt, die bei uns zu Gast sind.

Und was gibt es aus der Flora diesen Monat zu berichten? Ein Highlight ist auf jeden Fall die seit Wochen andauernde, traumhafte Mohnblüte. Neben den etwas früher startenden Arten Saat- und Sand-Mohn steuert nun auch der Klatsch-Mohn seinen Teil an kräftig roten Farbtupfern im Wiesengrün bei.

Die Mohnarten lassen sich einfach anhand der Form der Porenkapseln unterscheiden: Während die Kapsel beim Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas im Bild) fast eiförmig ist, erinnert sie beim Saat-Mohn (Papaver dubium) eher an eine Walze mit erhabenen Längslinien. Die Kapsel des Sand-Mohns (Papaver argemone) ist mit ihrer langen Keulenform schließlich noch deutlich länger als breit
Neben dem pollenreichen Mohn wollen wir auch in diesem Post wieder weitere wertvolle Insektenfutterpflanzen vorstellen: z. B. den Gewöhnlichen Natternkopf. Als zweijährige Pflanze bildet Echium vulgare im ersten Jahr eine bodennahe Blattrosette aus, die im zweiten Jahr eine oder mehrere lange Blütenähren entwickelt, die emsig von Bienen und anderen Insekten angeflogen werden. Der Natternkopf liebt einen sandig-trockenen, sonnigen Standort und samt sich dort bereitwillig aus
Bei den Stauden ziehen im Juni die Blütenrispen des Wald-Geißbarts Insekten magisch an
Aruncus dioicus fühlt sich eher im feuchteren Schatten wohl und kann dort beachtliche Ausmaße annehmen. Selbst in unserem sandigen Boden erreichen die Blütenstände rund zwei Meter Höhe. Die großen Blätter stehen in schönem Kontrast zu den filigranen cremeweißen Blüten
Unsere tierischen Gäste profitieren nicht nur vom angepflanzten reichlichen Nahrungsangebot, sie steuern auch selbst etwas zum Büfett bei: Diese weiß blühende, köstlich nach Honig duftende Rosa multiflora (Vielblütige Rose) wurde beispielsweise definitiv nicht von uns hier positioniert. Da hat wahrscheinlich ein Vogel woanders genaschte Früchte wieder ausgeschieden – uns freut es! Die absolut anspruchslose, schattenverträgliche Wildrose mit ihren ausladenden, bogig überhängenden Zweigen gedeiht sogar unter Bäumen. Rosa multiflora ist ein gutes Bienen- und Vogelnährgehölz: Den zahlreichen Blüten folgen im Herbst rote erbsengroße Hagebutten, die selbst Minusgraden trotzen
Wurde zwar ursprünglich von uns gepflanzt, samt sich aber auch überall munter aus, wenn man es lässt: Briza media, das attraktive Zittergras. Die reizenden Blütenrispen nicken und wiegen sich beim leisesten Windhauch. Wir verzeihen ihm seinen Ausbreitungsdrang daher gerne
Phlomis russeliana kommt in diesem Jahr zum ersten Mal bei uns zur Blüte. Das Brandkraut ist ein hervorragender wintergrüner Bodendecker, der im Sommer mit übereinander gestaffelten gelben Blütenquirlen vertikale Struktur ins Staudenbeet bringt. Die späteren Fruchtstände sind bis in den Winter hinein ein toller Blickfang. Aber an Raureif geschmückte Beete wollen wir jetzt definitiv noch nicht denken
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Trost durch Blüten

Während wir uns im Mai 2018 schon im Hochsommer wähnten, bescherte uns der Wonnemonat in diesem Jahr einige alles andere als freudige Gartenmomente. Frost von bis zu minus drei Grad in den Morgenstunden vernichtete zahlreiche Blatt- und Blütenaustriebe, deren bräunlich verschrumpelte Relikte nach wie vor wie eine einzige Anklage beim Gang durchs Grün anmuten: die Wisteriablüte – das war’s, Hostablätter – ein einziger Matsch, Katsurabäume – fast komplett entblättert … die Liste ließe sich noch länger fortsetzen. Aber zum Glück ist der Überlebenswillen der Pflanzen stark genug, und alle starten den Neuaustrieb. Nach dem Trockenstress des vergangenen Jahres dennoch kein Spaß für die Flora. Und es bleibt abzuwarten, wie sich die besonders gebeutelten Kandidaten in den kommenden Monaten entwickeln.

Gerade bei Gehölzen, deren Blüten vor dem Blattaustrieb erscheinen, ist der Anblick ein einziges Trauerspiel. Klar, dass sich Cercis canadensis ‚Forest Pansy’ in diesem Jahr mit seinen wunderschönen Stammblüten besonders ins Zeug gelegt hat. Hier war noch alles in opulentem Flor
Nach den Minusgraden muss der Amerikanische Judasbaum noch mal bei null anfangen: Alle Blüten und die ersten zarten Blattknospen sind erfroren
Bei der Walnuss hat es neben dem Blattaustrieb auch die männlichen Blüten erwischt. Ob es in dieser Saison Nüsse gibt, ist fraglich. Denn die Bäume der Nachbarn sehen nicht besser aus
Ab Monatsmitte – pünktlich zum Ende der Eisheiligen – war der Kältespuk dann vorbei. Pflanzen und Tiere nutzten die sonnige Wärme, um ihre Energiereserven wieder aufzufüllen. Und hier passt jetzt perfekt unsere monatliche Kurzvorstellung einer besonders ergiebigen Insektennahrungsquelle: diesmal die Fächer-Zwergmispel. Dass Cotoneaster horizontalis ein echter Futter-Hotspot ist, hört man schon am vielstimmigen Summen, das jede Pflanze umgibt. Der dekorative kleine Strauch toleriert so ziemlich jeden Boden und kann auch einiges an Trockenheit wegstecken. Den kleinen rötlichen Blüten folgen kräftig rote, erbsengroße Früchte, die bis spät im Jahr am Strauch bleiben – sehr zur Freude vieler Vögel. Alle Cotoneaster-Formen sind wichtige Insektenfutterpflanzen und Vogelnährgehölze. Also nichts wie rein damit in den Garten
Unsere Wiesen halten zurzeit ebenfalls ein breites Angebot an Blüten bereit, z. B. von der Gemeinen Ochsenzunge
Anchusa officinalis liebt trockenen, sandigen Boden und meidet Kalk – sie findet bei uns daher optimale Standortbedingungen
Zum Ende des Monats durchwirken dann immer mehr rote Tupfer das grüne Gras: Drei Arten Mohn fühlen sich inzwischen bei uns heimisch. Im Bild die ersten Saat-Mohnblüten (Papaver dubium)
Kleiner und mit markantem schwarzen Grund versehen sind die Blüten von Papaver argemone, dem Sand-Mohn. Der Dritte in unserem Mohnbunde, der Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas), hält sich mit dem Öffnen seiner Blüten noch etwas zurück
Die Farben Gelb und Weiß steuern u. a. der Kriechende Hahnenfuß (Ranunculus repens) und die Acker-Hundskamille (Anthemis arvensis) bei
Hier geben Trifolium pratense, der Rotklee, und Hieracium pilosella (Kleines Habichtskraut) ein hübsches Blütenduo
Auf der alten Kuhweide können sich die Insekten jetzt u. a. am blauen Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), weißgelben Gänseblümchen (Bellis perennis) und zart violetten Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) laben
Und natürlich an den großen Blütentrauben unserer Vielblättrigen Lupinen (Lupinus polyphyllus), deren Pollen bei einigen Gästen wie beispielsweise den Erdhummeln außerordentlich begehrt ist
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Noch mehr Bienenfutter und ein paar Minuten Schnee

Nach unserem März-Appell „pflanzt mehr Sal-Weiden für Biene und Co.“ startet nun auch der April-Post noch mal mit dem Thema frühe Futterquellen für Insekten. Denn soooo opulent ist der Tisch für sie immer noch nicht gedeckt. Und daher kann es nicht schaden, bei der Pflanzenauswahl für den Garten großzügig bei Arten und Sorten zuzugreifen, deren nahrungsreiche Blüten sich bereits im Frühling öffnen. Man muss sie gar nicht immer käuflich erwerben. Manche stellen sich ganz von selbst ein, wenn man sie denn gewähren lässt: zum Beispiel der Gemeine Löwenzahn. Taraxacum officinale ist eine wichtige Bienenweide in diesem Monat – und damit gleichzeitig ein angemessener Grund, zu Beginn der Saison deutlich seltener zu mähen.

Belohnt wird die geringere Mähfrequenz im Frühling nach wenigen Jahren mit einem opulenten gelben Blütenmeer
Und mit spannenden Besuchern
Im Gegensatz zur Monokultur eines perfekt gepflegten Englischen Rasens bieten Wiesen oder Rasenflächen, die mit blühendem „Unkraut“ wie Löwenzahn, Klee oder Gänseblümchen durchsetzt sind, vielen Tieren einen attraktiven Lebensraum
Bei den Gehölzen steht die Blut-Pflaume (Prunus cerasifera ‚Nigra’) mit ihrer üppigen Blütenpracht jetzt hoch in der Gunst der geflügelten Gäste (hier allerdings gerade nicht im Bild)
Mitte des Monats legten sich für einige Minuten weiße Flocken auf die bunten Frühlingsblüten – auch schön
Weiße Blüten – hier von Fritillaria meleagris und Scilla sibirica – hingegen kommen im frischen, saftigen Grün besonders gut zur Geltung
Über und über mit weißen Doldentrauben schmückt sich Spiraea x cinerea ‚Grefsheim’ im April. Dafür braucht die robuste Spiere allerdings einen sonnigen Standort
In dieser gemischten Gehölzpflanzung wetteifert sie mit den weißrosa Blüten von Malus ‚Evereste’
Letzter Blick noch auf die Wiesen: ein filigran-zartes Blütenensemble aus Gewöhnlichem Erdrauch (Fumaria officinalis) und Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis)
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