It’s all about colour

Man kann es nach dem endlosen Sommer kaum fassen, dass auch in diesem Jahr wieder der Herbst Einzug hielt. Die ersten Oktoberwochen ließen eine heimliche Hoffnung aufglimmen, es könnte doch vielleicht bis Weihnachten – da steigen die Temperaturen bei uns ja eh gerne wieder an – einfach so weitergehen mit den herrlich sonnigen Tagen bei über 20 Grad. Aber der erste Herbststurm mit seinen waagerechten Regenschwaden holte uns abrupt auf den Boden der jahreszeitlichen Tatsachen zurück – und das ist natürlich gut so. Schließlich wird jeder Tropfen Regen von den trockenheitsgestressten Pflanzen begehrlich aufgenommen. Und die Saison hat richtig was zu bieten: Bäume und Sträucher hängen voller köstlicher Früchte für Mensch und Tier, das Blattwerk läuft zur herbstlichen Hochform auf. Kaum ein Ton von Gelb, Orange, Rot, der nicht auf der botanischen Farbpalette vertreten ist.

Bei den Vögeln beliebt sind die lang anhaftenden roten Hagebutten von Rosa carolina. Die aus Nordamerika stammende Wildrose ist im Sommer mit zahllosen einfachen rosa Blüten übersät – sehr zur Freude der Insekten. Bemerkenswert ist zudem ihre starke Ausläuferbildung (wir kultivieren ja einige pflanzliche Kandidaten mit entsprechenden Neigungen …), die zur Bodenbefestigung beiträgt und zügig geschützte Brutareale für unsere gefiederten Freunde entstehen lässt
Wir haben die Carolina-Rose u. a. mit Berberis thunbergii ‚Harlequin’, die ebenfalls ein hervorragendes Vogelschutz- und Nährgehölz abgibt, in einer Dickichtpflanzung kombiniert
Noch mehr Rottöne. Überaus reizvoll, dafür nicht soooo lecker: die Früchte von Cornus kousa var. chinensis
Bei Magnolia x loebneri ‚Leonard Messel’ erinnern die Früchte ein bisschen an winzige Orangen. Vögel mögen sie
Auch in den Kübeln wird es bunt: Das flammende Laub von Acer palmatum kontrastiert wirkungsvoll mit den immergrünen Blättern und den glänzend schwarzblauen Früchten von Viburnum tinus ‚Gwenllian’. Der im Mittelmeerraum beheimatete Schneeball ist bei uns nicht ausreichend frosthart, kommt aber im großen Topf bei Überwinterung im Kalthaus (wenn die Temperaturen richtig in den Keller gehen oder Dauerfrost droht) prima zurecht. Ab Ende Oktober zeigen sich zudem die ersten weißrosa Blüten, die den ganzen Winter hindurch, oft bis in den April hinein, einen Hauch von Frühling vermitteln
Ein Star unter den Herbstfärbern: Liquidambar styraciflua. Neben meinem heiß geliebten Persischen Eisenholz (Parrotia persica) sorgt der Amberbaum für ordentlich Farbdrama im herbstlichen Garten. Je nach Sonnenexposition (je mehr, desto besser) leuchten die Blätter von Grüngelb über Ockermagenta bis hin zu Weinrot. Ohne Laub bleibt er ebenfalls ein echter Hingucker im Winter – die mit Korkleisten verzierte Rinde verleiht dem Baum einen skulpturalen Charme
Im Schatten auf der Nordseite unseres Hauses verfärben sich die Hostablätter in matte Gelbtöne. Hakonechloa macra changiert fein in Grün, Beige, Rot. Dazwischen die blauen Blüten – denen von Traubenhyazinthen ähnlich – der immergrünen Liriope muscari
An der Garagenwand (klar, eine graue Wand würde den Effekt deutlich verstärken) wirft sich Parthenocissus quinquefolia ‚Engelmannii’ in sein schönes Herbstkleid. Bei all den Farben verblassen fast die Erinnerungen an den endlosen Sommer
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Erntezeit

Am 02. September war es so weit: Zum ersten Mal lagen reife hellbraune Walnüsse unter unserem 14 Jahre alten Baum. Das wirkte sich natürlich sofort auf die Gartenroutine aus. Und so führt seither der erste und letzte Rundgang des Tages auf jeden Fall an Juglans regia vorbei – den Blick aufmerksam ins Gras geheftet, ob nicht noch weitere Früchte zu Boden gefallen sind. Die dann freudig umgehend aufgesammelt und in alle gerade zur Verfügung stehenden Hosen-, Jacken- und Manteltaschen verstaut werden, bevor ich sie zum Trocknen in ordentlichen Reihen auf Ofenbratroste arrangiere. Wie es um den Nachschub bestellt ist, lässt sich anhand des Status der äußeren Fruchtschalen immer gut erahnen.

Hier dauert es nicht mehr lange: Bald fällt die reife Nuss aus der sich ablösenden Fruchtschale
Auch optisch ein Genuss: Eine Art Gitterfasernetz verbindet die äußere grüne Schale mit der Nuss
Wenn es um Essbares geht, ist Katze Luisa sofort zur Stelle. Nach ausgiebiger Riechprobe ebbte ihr Interesse an den Walnüssen allerdings schnell wieder ab

Nicht immer lösen sich die grünen Schalen vollständig von der Nuss, sodass man manchmal manuell nachhelfen muss. Bei dieser Säuberungsaktion sind unbedingt Handschuhe angesagt, da die in der Außenhülle enthaltene Gerbsäure die Hände ordentlich braun färbt. Kein Wunder also, dass Walnussöl aus Schalenextrakten in manchen Hautbräunungsmitteln enthalten ist und Fruchtschalen, Blätter und Rinde früher beim Einfärben von Wolle zum Einsatz kamen.

Die Tierwelt erfreut sich ebenfalls an spätsommerlichen bzw. frühherbstlichen Nahrungsquellen. Der Tisch ist reich gedeckt: Auf dem Menüplan stehen bei uns zurzeit neben blühenden Agastachen, Astern, Clematis, Fetthennen, Heleniums, Salvias, Sonnenblumen etc. zahlreiche Früchte von Berberitzen, Cotoneaster, Felsenbirnen, Feuerdorn, Kornelkirschen und anderen Hartriegelgewächsen, Rosen, Sanddorn, Schneebällen bis hin zu Vogelbeeren und Weißdorn. Zudem ist der Boden bereits jetzt übersät mit Haselnüssen, Unmengen an Eicheln, Kastanien, köstlichen Zwetschgen (wie bereits in früheren Posts erwähnt: Die Füchse lieben sie!) und Äpfeln.

Die Sedum telephium-Hybride ‚Herbstfreude’ ist super robust und wartet mit einer langen Blütezeit auf. Das begeistert nicht nur die Gärtnerinnen, sondern auch viele Insekten. Hier bedient sich eine Erdhummel
Ein Kleiner Perlmutterfalter bekundet sein Interesse
Aster pyrenaeus ‚Lutetia’ scheint für ihn genauso spannend zu sein. Charakteristisch für diesen Wanderfalter sind die großen silbernen Flecken auf der Flügelunterseite – sie erinnern mit ihrem schönen Glanz wirklich an Perlmutt
Diese alte Phlox paniculata-Sorte (welche genau ist leider unbekannt) stammt noch aus dem elterlichen Bestand und zeichnet sich durch ihre perfekte Standfestigkeit und lang anhaltende Blütenfülle aus
Was wäre ein Spätsommergarten ohne Sonnenblumen: Die Helianthus microcephalus-Hybride ‚Lemon Queen’ gehört für mich zu den attraktivsten Vertretern. Bienen und Co. sehen das ähnlich, Pollen und Nektar stehen üppig zur Verfügung
Dafür lieben die Insekten auch die deutlich niedrigere, rund 30 cm hohe Kleinblütige Bergminze (Calamintha nepeta ‚Triumphator’), die sich besonders in vorderen Beet-Bereichen gut macht – genügend Sonne vorausgesetzt
1a-Versorgung mit Pollen und Nektar: Damit kann die super wüchsige Clematis ‚Paul Farges’ ebenso dienen – aber nicht nur damit
Ihre unzähligen sternförmigen Blüten zaubern von Frühsommer bis in den Herbst hinein filigrane cremeweiße Tupfer ins Grün. Passender Weise wird sie auch unter dem Sortennamen ‚Summer Snow’ vertrieben
Die Waldrebe erobert sich zügig ihr Umfeld – wenn man sie nicht jährlich stark zurückschneidet. Wir verzichten darauf. Bei uns darf sie den alten Lebensbaum mit ihrem Schneegestöber überziehen
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Dürre, Dörrobst und Durchhalter

Inzwischen kann man selbst bei noch so viel gutem Willen nicht mehr darüber hinwegsehen. Alle Grasflächen – so sie nicht im Teilschatten und an den feuchtesten Stellen im Garten liegen – sind vertrocknet. Das triste Braunbeige wird lediglich von einigen tapferen grünen Standhaften unterbrochen: Wegerich und Löwenzahn, die mit ihren tiefgehenden Wurzeln noch in Sphären an das überlebenswichtige Nass gelangen können, welche für viele Gräser nicht mehr erreichbar sind. Für die Statistikfans: Bis dato fielen bei uns 19,5 mm Regen im August – also quasi nix.

Da avanciert Spitz-Wegerich (Plantago lancelota) plötzlich zum Eyecatcher im Rasen – bzw. in dem was davon übrig blieb
Quercus palustris läutet schon mal den Herbst ein. Viele Bäume, Sträucher, Gräser und auch andere Pflanzen reagieren mit Blattrollen und frühzeitigem Laubabwurf auf die Trockenheit. Bloß die Verdunstungsfläche minimieren, lautet die Devise
Ist verbrannt und sieht auch so aus: Beim Anblick von Cotinus coggygria ‚Golden Spirit’ könnte man denken, jemand hat ein Feuerzeug an die dünnen Blätter gehalten. Dennoch stehen die extrem trocken- und hitzeverträglichen Perückensträucher noch sehr gut da. Bei den dunkelblättrigen Sorten ‚Royal Purple’ und ‚Grace’ ist das Laub zudem in tadellosem Zustand
Auch Rosa rugosa, die Kartoffel- oder Apfelrose, stellt ihre Anspruchslosigkeit zurzeit erfolgreich unter Beweis. Weder hohe Temperaturen, geringer Niederschlag noch ärmster Sandboden beeinträchtigen ihr vitales Ausschlagvermögen. Lediglich einige Hagebutten erinnern etwas an Dörrobst
Deutlich mehr gestresst zeigt sich ganz klar unser geliebtes Riesengras. Wenn selbst Fargesia rufa und einige Phyllostachys die Blätter rollen, dann heißt das: Jetzt wird es wirklich eng! Bei den Phyllostachys (im Bild P. vivax ‚Huangwenzhu’ und P. aureosulcata ‚Aureocaulis’) bleiben sogar viele der – ohnehin nur wenigen ­– neu ausgetriebenen Halme auf ein/zwei Meter Höhe stehen und vertrocknen langsam. Dagegen kann man nicht angießen
Eine clevere Hitzestrategie hat dieser Grasfrosch entwickelt: Er wartet in einer zwischen großen Pflanzentöpfen stehenden – und etwas ins Pflegevergessen geratenen – Wasserschale auf bessere Zeiten
Die Wasserpflanzen gehören in diesem Sommer auf jeden Fall zu den entspannten Vertretern des Grüns – zumindest, wenn ihr Trog, Topf, Teich regelmäßig aufgefüllt wird. Hier geben Typha minima und Lysimachia nummularia ‚Aurea’ ein schönes Paar
Wir hatten in diesem Jahr ja schon über einige Salbeineuzugänge berichtet. Jetzt sind noch zwei weitere hinzugekommen. Salvia ‚Amistad’ überzeugt mit dunklen, samtig-violetten Blüten bis zum ersten Frost und duftigem Laub. Zum Thema Frost: Da die Pflanze bei uns nicht ausreichend winterhart ist, empfiehlt sich die Kultivierung im Topf mit frostfreier Überwinterung
Das gilt auch für Salvia ‚Indigo Spires’, deren aromatisch riechende Blätter mit ihren bläulich-lila schimmernden Stielen, Mittelrippen und Adern bereits eine Attraktion für sich sind
Weder winterliche Kälte noch sommerliche Hitze bringen hingegen Achillea millefolium in Bedrängnis. Die Schafgarben trotzen souverän der Dürre und sorgen für rot-rosa-weiß-grüne Farbtupfer im Wiesenbraun, die das des Gießens langsam müde werdende Gärtnerinnenherz erfreuen. Ach ja, ich geh dann besser gleich mal wieder raus an den Schlauch …
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Das große Gießen

Schon wieder übers Wetter lamentieren? Machen wir es kurz: Sommerliche bis hochsommerliche Temperaturen bescherten uns einen denkwürdigen Juli. Aber leider war auch die Regenmenge hier in der Nordheide bemerkenswert – nämlich mit bis dato 27,75 mm viel zu gering. Über braune Rasenflächen kann ich hinwegsehen, hängende Stauden hingegen appellieren an mein Mitgefühl: Da wird gegossen und zwar kräftig. Nicht nur die Topfkandidaten, sondern auch die Pflanzen in den Beeten. Jegliche andere Gartenarbeit kommt bei der Hitze allerdings zum Erliegen wie zum Beispiel das schon bei 15 Grad schweißtreibende Abstechen von Bambusrhizomen. Dumm ist nur, dass einen die vorgeschobene Rechtfertigung zum gärtnerischen Müßiggang irgendwann einholt. Aber die Celsius-Werte liegen einfach grad deutlich über meiner „Betriebstemperatur“.

Ziemlich angetan von Sonnenschein und Wärme sind hingegen zahlreiche Insekten – es summt und brummt ganz herrlich an den Blütenständen. Da die meisten Wasserstellen und der kleine Bach längst ausgetrocknet sind, haben wir gegen den Durst einige flache Wasserschalen im Garten verteilt, die regelmäßig aufgefüllt werden.

Hoch in der Gunst der kleinen geflügelten Gäste steht Agastache ‚Black Adder’. Wurde bereits mehrfach erwähnt, kann man aber gar nicht oft genug betonen. In diesem Jahr besonders häufig zu sehen: die Kohlweißlinge
Die Zitronenfalter scheinen sich fast ausschließlich an den Duftnesseln zu laben. Kein Tag, an dem man sie nicht dort beobachten kann
Ebenfalls sehr beliebt sind die Sonnenbräute, im Bild Helenium ‚Sahin’s Early Flowerer’. Die Steinhummel hat schon – farblich passend – ordentlich Pollen gesammelt
Wärme und Trockenheit haben unseren Wiesen in diesem Jahr einen etwas anderen Look verpasst: Im östlichen Teil des Gartens wogt ein gelbes Meer aus verschiedenen Habichtskraut- (Hieracium) und Pippau-Arten (Crepis), garniert mit weißen Tupfern von Daucus carota
Gelungener Trick: Die Wilde Möhre (Daucus carota) hat in der Mitte der Dolde oft eine purpur-schwarze „Mohrenblüte“. Damit suggeriert sie Vorbeifliegenden, dass sich bereits ein Insekt niedergelassen hat – ein Blütenbesuch also lohnt. Klappt, wie man sieht
In der westlichen Wiese steht das Gefleckte Johanniskraut (Hypericum maculatum) deutlich niedriger als sonst. Das dominante Gelb im Hintergrund ist Senecio jacobaea, dem die Trockenheit weniger auszumachen scheint. Unser Menü für die Insekten wird noch ergänzt durch Origanum vulgare, unterschiedliche Disteln und Moschus-Malven (Malva moschata)
Ebenfalls erheblich unter Gardemaß bleibt Eupatorium fistulosum ‚Riesenschirm’. Der prächtige Wasserdost bringt es bei uns in der Regel locker auf 160 bis 180 cm. Bienen, Schmetterlingen und Co. ist die Höhe egal – sie interessieren sich vor allem für die großen Blütendolden, die bis in den Herbst hinein eine gute Nahrungsquelle sind. Neu bei uns im Garten ist Veronicastrum virginicum ‚Fascination’. Auch der Kandelaber-Ehrenpreis wird gerne von Insekten besucht. Ich hoffe, er kommt mit unserem nicht wirklich feuchten Boden klar. Andererseits: Wenn der Wasserdost sich hier wohlfühlt (also bei „normal“ norddeutschem Wetter zumindest), könnte auch er es schaffen
Regelmäßiges Gießen reicht nicht überall aus. Die Blätter von Alchemilla mollis haben unschöne Brandflecken durch die intensive Sonnenstrahlung kassiert. Hier hätte längst ein Rückschnitt erfolgen sollen, aber so schattieren die alten Blüten und maroden Blätter des Weichen Frauenmantels den Boden noch etwas – und das ist zurzeit eindeutig wichtiger
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Endlich Nüsse – der Garten im Juni

14 Jahre sind seit dem Einbuddeln der Nuss ins Land gegangen – jetzt wird das Warten belohnt: Unser Walnussbaum trägt zum ersten Mal Früchte! Und gar nicht wenige, wie ein intensiv suchender Blick durch die Krone zeigt. Die Erntezeit beginnt im September/Oktober, wenn sich die äußeren grünen Fruchtschalen ablösen und die Steinfrüchte zu Boden fallen. Fragt sich allerdings, ob Eichhörnchen, Krähen, Häher und Co. bis zum optimalen Zeitpunkt warten – oder vorher zur Tat schreiten. Ob wir überhaupt in den Genuss von ein paar köstlich frischen Walnüssen kommen? Aber egal wie die Ernteverteilung ausfällt: Der Baum ist ein schöner Blickfang im Garten – mit noch ordentlich Wachstumspotenzial.

Eine dicke grüne Schale umschließt schützend die Steinfrucht
Zeigt schon in jungen Jahren Präsenz: Juglans regia. Durch frühen Rehverbiss hat sich ein Dreistämmchen entwickelt. Entsprechend ausladend ist bereits die Krone

Einen eher kleinen, aber ziemlich ungewöhnlichen und recht seltenen Blickfang im Juni-Garten bietet Rosa roxburghii: stachelige Hagebutten, die an Kastanien erinnern. Daher wird sie – klar – auch Kastanien-Rose genannt. Durch das sommerliche Frühjahr erschienen die ungefüllten, zarten hellrosa Blüten diesmal etwas zeitiger und haben sich jetzt zu attraktiven Früchten entwickelt.

Rosa roxburghii passt mit ihrem sparrigen Habitus gut in eine gemischte Hecke aus Wildrosen und anderen Vogelnährgehölzen
Die stachelbewehrten Hagebutten gaben der Rose ihren deutschen Namen: Kastanien-Rose

Alle Jahre wieder ein Highlight bei den Gehölzen: die opulente – und meist zeitgleiche – Blüte des „Power-Couples“ Cornus kousa var. chinensis und Rosa ‚Paul’s Himalayan Musk’. Da der Chinesische Blumen-Hartriegel der Ramblerrose inzwischen gefährlich nahekommt, muss hier ein jährlicher Rückschnitt erfolgen (bei Ramblerrosen – ausreichend Platz vorausgesetzt – sonst nicht nötig, auch bei Blumen-Hartriegeln sollte man möglichst nicht zur Schere greifen). Denn die enorm wüchsige ‚Paul’s Himalayan Musk’ mogelt ihre langen Triebe ganz unauffällig zwischen die Cornus-Zweige und sie hätte auch gar kein Problem damit, nach und nach den ganzen Baum unter ihrer Blätter- und Blütenmasse verschwinden zu lassen. Daher ist in jedem frühen Frühjahr der Griff zur Schere mit Teleskopstab angesagt. Das Unterfangen kann nur in der blattlosen Zeit stattfinden: Durchblick ist vonnöten. Lege artis wäre bei nicht remontierenden Ramblern – wenn es denn unbedingt sein muss – ein Schnitt nach der Blüte. Die ausgeprägte Neigung von ‚Paul’s Himalayan Musk’, Dinge unter sich verschwinden zu lassen (bei uns: einen Birnenbaum), kann man sich natürlich auch wunderbar zunutze machen: Eine trostlose Mauer oder ein hässlicher Schuppen (acht bis zehn Meter Höhe – kein Problem) wandeln sich nach einigen Jahren in eine wahre Rosenpracht.

Die weißen Hochblätter von Cornus kousa var. chinensis wetteifern mit den zartrosa Blüten von ‚Paul’s Himalayan Musk’

Bleiben wir noch kurz bei den Gehölzen. Im Juni/Juli spielen auch die Perückensträucher ihren ersten Trumpf aus (der zweite folgt im Herbst mit einer spektakulären Blattfärbung): An langen, fein behaarten endständigen Rispen erscheinen zahlreiche kleine Blüten. Diese mit Fantasie an Perücken erinnernden Blüten- und Fruchtstände standen Pate bei der deutschen Namensfindung von Cotinus coggygria. Zurzeit kommt bei uns auch noch ein dritter Trumpf dieser schönen Sträucher zum Tragen – ihre tolle Trockenheitsresistenz!

Wirkungsvolles Zusammenspiel: die purpurroten Blätter von Cotinus coggygria ‚Grace’ mit den rosa „Blüten-Perücken“, die hier schon einige kleine Früchte angesetzt haben

Von den Gehölzen zu den Stauden. Trockenheitsresistenz zeichnet auch viele Salbeiarten aus, z. B. Salvia nemorosa. Ihre nektarreichen Blüten stehen zudem hoch im Kurs bei Bienen und anderen Insekten.

Starker Akzent: Salvia nemorosa ‚Schwellenburg’

Ein echter Hingucker ist die ursprünglich aus Australien stammende Sorte Salvia ‚Love and Wishes’, die allerdings – wie der Ursprung vermuten lässt – bei uns nicht winterfest ist und es eher etwas feuchter mag. Aber die überwältigende Farbintensität ihrer Blüten kann auch im Topf bestens in Szene gesetzt werden und lohnt den Aufwand einer frostfreien Überwinterung unbedingt.

Noch stärkerer Akzent: Salvia ‚Love and Wishes’
Der Farbkontrast von Blütenkelch und -krone bei Salvia ‚Love and Wishes’ sorgt für Star-Appeal

In dieses Farbschema passt auch Dianthus deltoides: Die Heidenelke ist bei uns als Bodendecker ganz neu ins Beet gezogen (warum eigentlich erst jetzt?) und beklagt sich nicht über Trockenheit. Leicht saure Böden sind ihr Metier, Kalk mag sie nicht.

Magentafarbene Blüte mit weißen Einsprengseln von Dianthus deltoides

Völlig unauffällig dagegen und leicht zu übersehen sind die Blüten an Phyllostachys aureosulcata ‚Aureocaulis’, einem unserer erklärten Lieblingsbambusse. Bisher finden sie sich zum Glück nur an wenigen alten Halmen in einem Teilstück der Pflanze, aber das muss nicht so bleiben … Setzen alle Halme Blüten an, besteht die Gefahr, dass der Bambus abstirbt. Da hilft nur Daumen drücken und auf die Regenerationsfähigkeit der leptomorphen Art setzen. Wenn es hart auf hart kommt, muss Nachbar Phyllostachys vivax ‚Huangwenzhu’ das Areal übernehmen.

Vor diesen Blüten würde man lieber die Augen verschließen: Phyllostachys aureosulcata ‚Aureocaulis’

Zum Schluss noch ein erfreulicher Blick ins Tierreich. Vor einigen Jahren waren sie schon einmal bei uns zu Gast, die Blutbären. Beim Herausreißen von fast verblühtem Jakobs-Greiskraut (Senecio jacobaea, auch Jakobs-Kreuzkraut genannt, es soll sich nicht weiter verbreiten) habe ich die Raupen des Schmetterlings nun wiederentdeckt – und die Pflanzen natürlich stehen lassen. Genau wie die schwarz-roten Falter signalisieren auch die Raupen ihre Giftigkeit durch eine auffällige Farbgebung. Tarnung haben die hübschen schwarz-gelb geringelten Tiere gar nicht nötig.

Blutbär-Raupe an ihrer favorisierten Futterquelle Senecio jacobaea
Blüten und Blätter werden genüsslich verspeist
Übrig bleiben nur kahle Stängel von Jakobs-Greiskraut

Wir freuen uns auf die Schmetterlinge.

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Heiß und trocken – Hochsommer im Mai

Da wähnten wir uns im Mai 2017 schon tagelang im Hochsommer und nun das: Seit dem 01. Mai 2018 fiel bei uns kein Tropfen Regen mehr, stattdessen brennt die Sonne – oft bei Temperaturen über 25 Grad – auf Pflanzen und Erde. Gekrönt wird das Ganze noch durch ordentlich frisch-böigen Ostwind. Also echter Stress fürs Grün. Erholung gibt es nur in den Nachtstunden, wenn der Temperaturabfall wenigstens ab und zu für etwas Tau sorgt.

Aber trotz der herausfordernden klimatischen Bedingungen halten sich die meisten Pflanzen erstaunlich tapfer – unterstützt durch mitfühlende abendliche Gießorgien unsererseits. Und apropos Abend: Das ist natürlich echter Luxus, wenn man bei diesem Wetter – der Wind legt sich bei uns dann meist – bis 23 Uhr (oder später) entspannt draußen den Garten genießen kann. Wer weiß, was der Sommer bringt.

Das Frühjahr brachte diesmal auf jeden Fall einen wahren Blütenreigen: Nicht nur Flieder, Ginster, Cornus, Wisteria und sämtliche Viburnum-Arten liefen zur floralen Hochform auf. Auch die Zier-Äpfel wie Malus ‚Evereste’ begeisterten uns mit ihrer großen Blühfreude
Und nicht nur uns. Bei Biene und Co. stehen die Pollenlieferanten genauso hoch im Kurs
Ein guter Futterspender für Insekten ist zudem Viburnum lantana, der Wollige Schneeball: Den pollenreichen Blüten – deren Duft allerdings gewöhnungsbedürftig ist – folgen hübsche rote, später dunkelblaue Früchte, die auf dem Speiseplan vieler Vögel stehen. Der große Strauch punktet darüber hinaus mit Robustheit und Anspruchslosigkeit, was den Standort anbelangt. Trockenheit und Wind lassen ihn kalt, und auch mit unserem Sandboden kommt er bestens klar
Auf unseren Wiesen tanzt das zarte Violett des Wiesen-Schaumkrauts (Cardamine pratensis) über dem Gras. Jetzt, zum Ende des Monats, mutiert das Grasgrün allerdings immer mehr zu sonnenverbranntem Heu – denn gesprengt wird hier nicht
Wendet man den Blick dann vom Gras nach oben zur Walnusskrone bleibt das Auge überrascht hängen. ENDLICH ist es soweit: Juglans regia zeigt nach 14 Jahren zum ersten Mal männliche Blütenstände
Über die weiblichen Blüten konnten wir uns bereits seit 2015 freuen. Ob wir in diesem Jahr vielleicht schon Früchte sehen? Man darf ja hoffen
Der nächste Baum im Blickfeld, eine Sumpfeiche, findet meist aufgrund seiner fantastischen Herbstfärbung Erwähnung – aber die stark gezähnten Blätter von Quercus palustris sind auch im Frühling ein Hingucker. Die Sumpfeiche verträgt zwar wochenlang vernässte Böden, ist aber auch an ihrem eher trockenen Standort bei uns erstaunlich wüchsig – und das als Flachwurzler
Von den Bäumen zurück in die Beete: Die Gewöhnliche Nelkenwurz (Geum urbanum) mit ihren kleinen gelben Blüten fühlt sich in einigen Ecken unseres Gartens wohl, der Zierwert von Geum coccineum ist dank des kräftigen Oranges und der größeren Blüten deutlich höher
Im Schatten von Corylus avellana ‚Contorta’ samen sich Akelei und die Falsche Alraunwurzel (Tellima grandiflora) tüchtig aus. Die hübschen Blattrosetten von Tellima grandiflora sind wintergrün. Jetzt im Frühling erscheinen die an hohen Stängeln stehenden Blüten in endständigen Trauben
Noch ein Blühwunder dieser Saison: unsere Hecke aus Prunus laurocerasus. Die Sorte ist leider unbekannt. Blüten und Früchte sind gute Nahrungsquellen für Insekten und Vögel – wobei Letztere das Gehölz auch gerne als Nistplatz nutzen
Zum Schluss des Gartenrundgangs noch ein Blick in die Tiefen eines Blatttrichters von Matteuccia struthiopteris. Die später im Sommer (also im richtigen kalendarischen) erscheinenden kürzeren, dunkelbraunen, fertilen Wedel sind noch nicht zu sehen. Der Straußfarn hat sich über kriechende Rhizome – sicher motiviert durch die benachbarten Bambusse – trotz nicht ganz optimaler Bodenverhältnisse (lieber wäre ihm ein feuchterer, humusreicherer Grund) schon zu einem ansehnlichen Bestand ausgebreitet
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Von braunen Blättern und bunten Blüten

Da hat uns der März grad unmissverständlich klargemacht, dass man sich bitte schön definitiv nicht VOR dem kalendarischen Ende einer Jahreszeit über ihren schlussendlichen Verlauf freuen sollte. Schon keimt wieder Hoffnung auf: Haben wir vielleicht in diesem Jahr endlich mal Glück – und bleiben tatsächlich von fiesen, heimtückischen Spätfrösten verschont!? Kein hysterisches Schnuppern an den Katsurabäumen (Cercidiphyllum japonicum), ob die vorwitzig früh austreibenden, herzförmigen Blätter etwa nach Lebkuchengewürz duften? Denn das wäre ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Temperatur unter den Nullpunkt gerutscht ist. Kein Totalverlust der wunderbar üppig angesetzten Wisteria-sinensis-Blüten, bevor sie auch nur die Chance auf das Öffnen ihrer Knospen hatten?

Die Möglichkeit besteht: Der April hat diesmal bei uns auf seine gern genommenen Wettereskapaden verzichtet (die eine Woche Sommer werten wir natürlich nicht als Eskapade!) und durch den kühlen Frühjahrsstart haben sich alle Pflanzen mit zu euphorischem Frühaustrieb zurückgehalten. Aber klar: Die Eisheiligen hängen noch wie ein Damoklesschwert über ihnen. Da ist noch alles drin. Wenn auch die Prognosen zurzeit ja ganz gut aussehen. Es könnte also klappen …

Lassen wir das Spekulieren und werfen noch mal einen kurzen Blick zurück auf das Bambusdesaster. Beim Aufräumen zeigte sich, dass insgesamt sechs Halme von Phyllostachys aureosulcata ‚Aureocaulis’ und fünf Halme von Phyllostachys vivax ‚Huangwenzhu’ – darunter Exemplare von 8,60 Metern Länge – vom stürmisch-böigen Ostwind aus der Erde gehebelt wurden.

Hat Opfer gefordert: Statt aufrecht stolz in den Himmel zu ragen, werden die vom Ostwind quasi gefällten Halme aufgeastet und zur späteren Verwendung unterm Schuppendach deponiert
Das gab es auch noch nie bei uns: Selbst der super robuste Phyllostachys bissetii musste ordentlich Blattschäden einstecken

Erfreulicherweise wird der traurige Anblick der braunen Blätter nun aber täglich durch immer mehr sprießendes Grün und bunte Blütenpracht wettgemacht.

Unter den großen Eichen setzen die außen mit einem leichten Rosé-Hauch überzogenen Blüten von Anemone blanda ‚White Splendour’ fröhliche Lichtpunkte im vom Herbst verbliebenen Laub
Anemone nemorosa öffnete ihre strahlend weißen Blüten nur wenige Tage später
Apropos später: Gut eine Woche später als im vergangenen Jahr konnten wir die zahlreichen schwebenden Blütensterne von Magnolia x loebneri ‚Leonard Messel’ bewundern
Und die von Magnolia stellata
Kein Frühling ohne Gelb: Unsere Narzissen in der Wiese entwickeln sich langsam, aber stetig
Der Blick Richtung Feld. Zum Verwildern haben wir Narcissus ‚Carlton’ und N. ‚Ice Follies’ gewählt
Jedes Jahr kommen neue Drifts hinzu
Auch mit Blättern kann man gelbe Highlights setzen: Hier strahlt die Blasenspiere Physocarpus opulifolius ‚Dart’s Gold’ im Sonnenschein
Durch das mit zarten Blüten durchwirkte Geäst von Amelanchier lamarckii leuchtet das satte Gelb von Forsythia x intermedia ‚Lynwood’

Charmante Mitglieder des Frühjahrs-Blühensembles sind zudem die Frühlings-Platterbsen. Mit ihren reizenden Schmetterlingsblüten haben sie vor zwei Jahren unsere Herzen erobert und sind in die Staudenbeete gezogen, wo sie im Vordergrund zuverlässig für Farbe sorgen.

Aus den Niederlanden stammt die Sorte ‚Purper’ von Lathyrus vernus
Lathyrus vernus ‚Blaulichter’ setzt einen kühleren Akzent ins frische Grün
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Zu früh gefreut!

Ersetze Fragezeichen durch Ausrufungszeichen – und schon passt der Titel unseres Februar-Posts für den März. Denn leider traf die Wettervorhersage für Anfang des Monats voll ins Schwarze. Dauerfrost bei Nachtwerten unter minus 12 Grad, herrlicher Sonnenschein mit steifem Ostwind: Das konnte nicht ohne üble Folgen für unser Riesengras bleiben. Nicht nur verbrannte, vertrocknete Blätter sind zu beklagen. Die Sturmböen schafften es sogar, einzelne Phyllostachys-Halme aus der Erde zu reißen und derart auf dem Boden zu arrangieren, dass wir uns mit ungläubigem Staunen fragten: Wie kommen die denn da hin? Das endgültige Ausmaß des Dramas wird man erst im Frühsommer sehen. Dann zeigt sich, welche Halme einen Blattneuaustrieb schaffen und welche es doch zu heftig erwischt hat. Bis es so weit ist, rieseln noch üppige Mengen beiger Bambusblätter zu Boden.

Die großen Blätter von Phyllostachys vivax ‚Huangwenzhu’ leiden unter dem bambusunfreundlichen Wetter
Grün mutiert zu Beige
Nicht alle Blätter werden fallen, aber schön ist anders
Auch an einigen Halmen sieht man Frostschäden
Zeigt ebenfalls deutlich sein Missfallen an dem Wetter: Phyllostachys nigra ‚Megurochiku’
Dito Pseudosasa japonica
Schäden am hübsch panaschierten Laub von Hibanobambusa tranquillans ‚Shiroshima’ (vorne links) halten sich noch in Grenzen, da er recht geschützt steht. In der Mitte erkennt man, dass es auch Phyllostachys spez. ‚Shanghai 3’ erwischt hat. Total unbeeindruckt von den meteorologischen Strapazen ist hingegen Fargesia rufa (rechts im Bild) – und das, obwohl sie den für viele Fargesien typischen Schutzmechanismus des Blatteinrollens nicht aufweist

Zum Glück bot sich gegen Ende März die Gelegenheit, mit dem finalen Rückschnitt der Stauden und Gräser zu beginnen (und die Teepausen im Gartenstuhl zu genießen), bevor die irgendwann dann hoffentlich mal stärker ansteigenden Temperaturen dafür sorgen, dass der Neuaustrieb in die Vollen geht. Schneeglöckchen und Krokusse machen ja zum Glück durch ihre Blütenpracht auf sich aufmerksam – so tritt man sie beim Werkeln in den Beeten nicht versehentlich platt.

Die farbenfrohen Blüten der Krokusse erfreuen nicht nur uns

Nachdem nun die Sommerzeit die Gartenarbeit schon bis in den frühen Abend hinein möglich macht, warten wir jetzt noch auf etwas mehr Wärme. Doch von wegen: Kurz vor Ostern verwandeln 19 l Nassschnee noch mal alles in ein weißes Winterwunderland. Und so heißt es auch am Monatsende: zu früh gefreut!

Kräftiger Schneefall hält den Kleiber nicht davon ab, von seinem bevorzugten Wisteria-sinensis-Zweig energisch kundzutun: Das hier ist MEIN Revier
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Zu früh gefreut?

Nachdem wir uns in den vergangenen Monaten ja andauernd über zu viel Regen und viel zu wenig Sonne beklagt haben, hatte der Februar nun endlich ein Einsehen: Lediglich 21 Liter Niederschlag vielen vom Himmel – und das meist in Form von schönem Schnee. Dazu zahlreiche Sonnenstunden, die zu Spaziergängen durch den Garten einluden. Das Ganze bei moderaten Nachtfrösten (nur zweimal wurden die minus 10 Grad unterschritten) und Plustemperaturen am Tage. Letzteres hielt die Gärtnerinnenlaune im glücklichen Bereich: Der Boden fror nicht so weit zu, dass die Bambusse dürsten müssen. Genau das ändert sich allerdings gerade …

Aber schauen wir erst einmal, was der Februar so alles zu bieten hatte.

Winter ohne Schneeglöckchen geht gar nicht. Besonders entzückend sind die weißen Lichttupfen, wenn sie sich an Stellen ausbreiten, an denen man sie gar nicht wissentlich platziert hat – wie hier Galanthus nivalis ‚Flore Pleno’ geschützt unter den Ranken eines Brombeerdickichts

Diese Galanthus ‚S. Arnott’ hingegen wurden gezielt gesetzt. In den frostigen Stunden legen sie sich zu Boden, ein natürlicher Schutzmechanismus der Pflanze. Sie stellt ihren Stoffwechsel um, produziert Glycerin und verändert so den osmotischen Druck in den Zellen (dunkle Erinnerungen an den Chemieunterricht und semipermeable Membranen werden wach …)

Auch Christrosen wie die Helleborus-Hybride ‚Yakima’ stecken einiges an Frost weg und tragen dazu bei, dass das ganze Jahr durchgeblüht wird

Keine Blüten, aber ebenfalls eine echte Zierde sind die kleinen Sporenkapseln des Gewellten Sternmooses (Plagiomnium undulatum), die auf ihren filigranen, gelb-rötlich durchscheinenden Stielen zu schweben scheinen. Die Moose konnten sich in der üppigen Feuchte der vergangenen Monate natürlich prächtig entwickeln

Überraschungsgast des Februars: An einem frühen Sonntagmorgen hatten wir Waldschnepfenbesuch! Die meist dämmerungs- und nachtaktiven Vögel sind mit ihrem an altes Herbstlaub erinnernden Gefieder super getarnt, sodass man sie tagsüber kaum zu Gesicht bekommt. Dieses Exemplar kommt wahrscheinlich aus dem nahegelegenen Mischwald, der mit seinen Lichtungen und feuchten Bereichen einen guten Lebensraum für die Bodenbrüter bietet

Zurück ins Pflanzenreich. Neben den frühen Blütenakzenten ausgewählter Geophyten und Sträucher kann die Attraktivität farbkräftiger Rinden und Blätter (wenn sie denn ganzjährig an den Pflanzen verbleiben) in der kalten Jahreszeit nicht hoch genug gelobt werden: So steht beispielsweise das tiefdunkle Rot der Heuchera-Hybride ‚Obsidian’ in tollem Kontrast zum funkelnden weißen Raureif oder Schnee

Hier steht die Blütezeit noch bevor und Blätter gibt es zurzeit auch keine: Aber Forsythia x intermedia ‚Lynwood Gold’ schürt bereits jetzt durch ihre altersbedingt unterschiedlichen Rindenfarben – rötlich bei den einjährigen Trieben – die Vorfreude auf den Frühling, konkret: auf den Erstfrühling. Denn als phänologische Zeigerpflanze läuten die Forsythien mit ihrem Blütenstart bei uns den zweiten Frühlingsabschnitt ein (eben besagten Erstfrühling, der dem sogenannten Vorfrühling folgt). Infos zur aktuellen Vegetationsentwicklung und zur phänologischen Uhr findet man z. B. beim DWD

Zahlreiche Hartriegel zeichnen sich aufgrund ihrer leuchtenden Rinden ebenfalls durch einen hohen Winterzierwert aus. Im Vordergrund sieht man z. B. das helle Gelbgrün von Cornus stolonifera ‚Flaviramea’, das vom ebenfalls hellen Grün der Blätter und Halme von Phyllostachys nigra ‚Henonis’ vorne links aufgegriffen wird

Keine Zierde und eine absolute Seltenheit bei unserem Sandboden (tatsächlich kann ich mich überhaupt nicht daran erinnern): Staunässe nach den ergiebigen Regenfällen im Januar. Die überall im Garten entstandenen Wasserpfützen verwandelten sich mit zunehmendem Frost in tückisch glatte Eisflächen

Aber auch der Frost hat sein Gutes: Raureif liefert immer wieder den Beweis, dass es sich nicht zuletzt aus ästhetischen Gründen lohnt, den Rückschnitt von Stauden und Gräsern erst im zeitigen Frühjahr vorzunehmen. Das frostige Weiß korrespondiert mit der Weißrindigen Himalaja-Birke Betula utilis var. jacquemontii. Das zarte Bambuslaub hält dem Wetter noch tapfer stand

Viele Fargesien verringern die Verdunstung, indem sie bei sonnigem, trockenem Wetter ihre Blätter einrollen und so deren Oberfläche minimieren, auf dem Bild bei Fargesia spez. Jiuzhaigou 1 gut zu sehen. Was bei den Fargesien ein normaler Schutzmechanismus ist, ist hingegen bei Phyllostachys, Hibanubambusa, Pseudosasa und anderen Bambusgattungen ein deutliches Alarmzeichen: Achtung – es drohen massive Trockenheitsschäden! Noch ist es trotz zunehmender Kälte, üblem Ostwind und oft strahlend blauem Sonnenhimmel nicht so weit. Aber der angekündigte Dauerfrost bei nächtlichen Werten unter minus 10 Grad könnte den bisher wieder sehr bambusfreundlichen Winter noch ins glatte Gegenteil wandeln. Dabei hatten wir den beigen Blätterwald aus 2012 gerade erfolgreich verdrängt …
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Frostige Momente und der Star des Monats: Bambus

Das Wetter lässt es endlich zu: Wir können wieder im Garten wühlen. Sonne und Wolken wechselten sich im Januar ab, die Temperaturen bewegten sich zwischen frostfrei und leichtem Frost. Das Thermometer kletterte aber durchaus schon mal in den zweistelligen Plusbereich: Die frühblühenden Geophyten freuts – sie stehen alle in den Startlöchern.

Langsam kann jetzt der Staudenrückschnitt beginnen. Da unsere Geophyten hauptsächlich in den Wiesenbereichen und weniger in den Staudenbeeten stehen, können wir das ganz entspannt in den nächsten Wochen angehen. Hier drängt uns kaum ein Frühblüher mit seinem Wunsch nach Licht und Luft. Lediglich die wilden Tulpen werden von den welken Gräsern befreit. Und natürlich kommen auch Stauden und Gräser, die matschig aussehen und flach liegen, weg, aber der Rest darf uns hoffentlich noch zahlreiche schöne winterliche Gartenmomente bescheren.

Neben den glitzernden Schönheiten an frostigen Morgen stand für uns in diesem Monat unser Bambus im Mittelpunkt. Mit seiner immergrünen Üppigkeit belebt er den winterlichen Garten.

Der Bambuswald überzeugt gerade im Winter durch sein helles Grün. Links daneben in schönem Farbkontrast: Betula utilis var. jacquemontii 

Allerdings hatte unser Bestand unter einem Nassschneeeinbruch dann doch zu leiden. Dieser hat den inzwischen über sieben Meter hohen Bambuswald kurzzeitig in die Knie gezwungen.

Da wird die Blättermasse zum Handicap: Nassschnee am 18. Januar 2018
Auch Phyllostachys bissetii geht in die Knie
Keiner bleibt verschont: Phyllostachys nigra ‚Henonis‘ in der Waagrechten

Bei diesen Witterungslagen macht sich die Flexibilität der Halme bezahlt. Bis auf drei Phyllostachys-Halme hatten wir keinen Bruch zu beklagen.

Ein recht freistehender Ph. vivax ‚Huangwenzhu‘-Halm musste leider daran glauben. Die Halme der Varianten von Ph. vivax sind bei schwerem Nassschnee besonders bruchgefährdet, da sie nicht sehr dickwandig sind

Anlass zur Klage gab hingegen die Vollblüte von Phyllostachys propinqua. Wir haben hier schon darüber berichtet. Dieses Jahr haben wir uns nun entschlossen, den Bestand oberirdisch zu roden, da das Ganze doch einfach zu unansehlich wurde und auch die neuen Halme kaum Blätter trugen. Die Rhizome liegen noch in einem definierten Areal im Boden. Warten wir ab, was im Frühjahr passiert.

Einige gekappte Halme von Phyllostachys propinqua
In der Silhouette des Wilden Gartens ist eine Lücke zwischen Ph. bissetii (links) und Birke entstanden:  Nun darf Ph. bissetii den Raum von Ph. propinqua füllen

Neben dem Rückschnitt der Stauden kommen auch die Weiden langsam in den Fokus. Im „drop of wilderness“ wurden sie bereits eingekürzt. Der Name hat historische Gründe, denn dieses Areal von dicht nebeneinanderstehenden Sal-Weiden (Pionierpflanze in unserer ehemaligen Brache) ist von selbst entstanden. Es wird von uns als hochwillkommener Windschutz jedes Jahr in Form gebracht. Wir kappen die Triebe kniehoch (beim Schnitt Betonung auf nach oben wachsende Äste, um seitliche Äste zu stärken und ein dichtes Grün zu erreichen) und der Neuaustrieb beschert uns alljährlich ein wunderschönes, dichtes Weidenareal.

Noch etwas Schnee, aber tagsüber schon deutlich frostfrei: Rückschnitt des Weidenareals
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