Das war mal ein (für hiesige Nordheide-Verhältnisse) fulminanter Start in den Winter: Während der Dezember bei uns meistens eher herbstlich ausklingt oder gar schon Frühlingsgefühle aufkommen lässt, wurde in diesem Jahr echtes Winterfeeling geboten – zumindest ein paar Tage lang. Los ging es bereits mit einem ersten Schneefall am 04. Dezember, dem allerdings erstmal wieder mildere Tage folgten. Der Vollmond am 19. Dezember läutete dann aber einen heftigen Wetterwechsel Richtung Kälte ein. Das Ergebnis: fiese Kahlfröste bis minus 11 Grad – nicht so schön für viele Immergrüne. Ab dem 28. stiegen die Temperaturen zum Glück wieder andauernd in den Plusbereich und zum Jahreswechsel herrschen nun typisch frühlingsmilde plus 12 Grad inklusive etwas Regen.
Apropos Regen: Niederschlag gleichbleibend – so lautete die Überschrift vom Post im vergangenen Dezember. Das passt auch in diesem Jahr ganz gut: 945 mm sind bis jetzt in 2021 zusammengekommen, 936,25 mm waren es 2020 (933,75 mm in 2019). Die Pflanzen durften sich also über rund eine gefüllte 10-l-Gießkanne mehr pro Quadratmeter freuen. Das ist doch mal eine gute Nachricht.
Blick aus dem Bürofenster: Schwerer Nassschnee drückt die Bambushalme Anfang Dezember gen BodenMit dem Mondwechsel kommt der WetterwechselUnd der bringt neben tüchtig Kälte schöne Raureifbilder, hier an Parrotia persica ‚Vanessa‘. Meine Begeisterung für das Persische Eisenholz kann ich nicht oft genug zum Ausdruck bringen – die Bäume sehen einfach IMMER gut aus und bieten mit ihrem bizarren Wuchs gute NistmöglichkeitenGinster ist leider nicht sehr langlebig, verbreitet sich dafür aber ganz selbstständig – zur Freude der Hasen, die ihn zu gerne abknabbern. Die mit Raureif benetzten Fruchtstände der Wilden Möhre (Daucus carota) im Vordergrund sind eine Zier in jedem WintergartenAuch dem Bambus verleiht der Frost einen Zuckerguss aufs Grün: Die sensiblen Blättchen finden das allerdings – besonders in Kombination mit kalter Wintersonne – nicht wirklich angenehmDen Trieben der Wildrosen machen sonnige Minusgrade hingegen nicht zu schaffenEbenso wenig den zum Teil wintergrünen Brombeeren, über deren Laub sich das Wild freutBei den Kübelpflanzen bringt Viburnum tinus Farbe in die dunkle Jahreszeit: Die rosa Knospen des Mittelmeer-Schneeballs öffnen sich in den kommenden Wochen zu reizenden weißen Blüten – ein toller Kontrast zum kräftigen Blau der Früchte
Wolkenverhangen und trübe – das ist gefühlt die Wetterstimmung in diesem Monat. Oft braucht die Sonne bis mittags, um sich durch Wolken und Nebel zu kämpfen. Wenn sie es denn überhaupt schafft. Das beste Mittel gegen drohenden Novemberblues: Ein Blick nach draußen ins herbstliche Grün. Oder noch besser: Gleich einen kurzen Spaziergang durch den Garten einlegen.
Ganz langsam, fast meditativ gleiten die tiefgelben Blätter der Bergahorne (Acer pseudoplatanus) zu Boden. Einige laubabwerfende Bäume bleiben bei uns im Winter grün: Der üppig in die Äste rankende Efeu bietet Schutz und – dank seiner späten Blüte – jetzt noch Nahrung für viele TiereHebt sofort die Laune: fulminantes Farbfeuerwerk von Parrotia persica ‚Vanessa‘. Das Persische Eisenholz ist ein verlässlicher Eyecatcher, die Blätter bleiben auch nach leichten Frösten noch am BaumDer Zaunkönig (auf dem Bild macht er seinem Namen alle Ehre) ist ein neugieriger Begleiter bei vielen Gartenrunden. Überhaupt: Bei kaum einer Tätigkeit kann ich so gut Abschalten wie beim Vögel beobachtenNach minus zwei Grad am frühen Morgen lässt die Korkenzieherhasel (Corylus avellana ‚Contorta‘) langsam ihr Laub fallenSchönes Farbenspiel präsentieren verschiedene Sorten von Berberitzen (Berberis thunbergii) und Wildrosen wie Rosa rugosa und Rosa caninaZarter Haarflaum an den Ästen von Rhus typhina glänzt im Gegenlicht. Dahinter bringt die Sonne Tautropfen in den silbrig behaarten Fruchtständen des Perückenstrauchs (Cotinus coggygria) zum FunkelnHerbstfärber gibt es nicht nur bei den Laubgehölzen: Neben Nadelgehölzen wie Lärche, Ginkgo oder Sumpfzypresse liefert auch die ebenfalls zur Familie der Sumpfzypressen zählende Metasequoie (Metasequoia glyptostroboides) mit ihren gelblich bis kupferbraun changierenden Nadeln einen herrlichen Beitrag zum alljährlichen FarbspektakelUnter Idealbedingungen – sprich in nährstoffreichen, feuchten Böden – kann Metasequoia glyptostroboides eine Höhe von gut 35 Metern erreichen. Damit können wir nicht dienen, sie wird daher sicher deutlich niedriger bleiben. Die sie umgebenden Jahrzehnte älteren Rotbuchen, Bergahorne und Roteichen geben in jedem Fall schon mal die Richtung vor
Die ersten Herbststürme sind durchgezogen, glücklicherweise ohne Schäden zu hinterlassen. Unzählige Zugvögel fliegen in grafischen Formationen oder wirbelnden Schwärmen unter lauten Rufen über den Garten. (Und in noch nicht mal zwei Monaten ist schon wieder Weihnachten.) Der Start des vierten Quartals lässt keine Zweifel aufkommen – 2021 neigt sich dem Ende zu. Auch die To-do-Liste der Gartenjobs liest sich herbstlich: Laub von Rasen, Dächern und aus Dachrinnen entfernen, bei sensiblen Pflanzen auf frühe Nachtfröste achten, Rückschnitt von Zweigen, die in Wege reinragen, Wassertonnen leeren, bevor die Temperaturen die null Grad erreichen … Nur ein Posten stört, und zwar ganz erheblich: Rhizome von Phyllostachys nigra ‚Henonis‘ abstechen. Normalerweise bin ich mit dem jährlichen Check-up der laufenden Bambusse im September durch (in diesem Jahr mit toller Unterstützung – DANKE, Regina!!), aber ausgerechnet eine von den zwei leptomorphen Pflanzen, die bei uns in Rhizomsperren wachsen, hat sich richtig übel ins Zeug gelegt. Eben besagter Ph. nigra ‚Henonis‘.
Wie konnte das passieren? Damit man die Sperre nicht so sieht, habe ich das Präriegras Schizachyrium scoparium drum herum gepflanzt – und offensichtlich nicht genau genug geguckt. Ganz blöder Fehler! Denn ein massives Bündel von Rhizomen hat die Tarnung genutzt und sich an der Verschlussleiste der Sperre herausgearbeitet, um dann – einmal in Freiheit – tief unter den angrenzenden Rasen zu tauchen. Und das ist ungewöhnlich, denn normalerweise laufen die Rhizome recht flach unter der Oberfläche (meist so zwei bis 20 cm), sodass man sie problemlos mit dem Spaten rausholen kann. Nicht so in diesem Fall. Bis in einen halben Meter Tiefe habe ich sie verfolgt und rausgezogen. Der Rest bleibt jetzt einfach drin, da sonst zu viele Wurzeln der umstehenden Sträucher und Bäume bei der Buddelei verletzt werden. Da die verbliebenen Rhizomstücke keine Verbindung mehr zur Mutterpflanze haben und keine energiespendende Fotosynthese ohne neue Halme leisten können, gehe ich das Risiko ein. Nicht ohne in der kommenden Austriebsaison ein sehr wachsames Auge auf mögliche noch mit letzter Speicherkraft rausgeschobene Sprossen im Rasen zu werfen.
Der Tatort: Die ausgebüxten Rhizome von Ph. nigra ‚Henonis‘ sind nicht nur fies abgetaucht, sondern auch mit extrem starken Wurzeln fest in der Erde verankert. Der Job ersetzt jedes KrafttrainingRegelmäßige Teepausen halten die Motivation aufrecht. Beim Schlendern durch den Garten traf ich auf diese sich sonnende Große HeidelibelleUnd endlich auch mal auf eine Weinbergschnecke. Wie im September-Post schon angemerkt, machen die sich bei uns in diesem Jahr leider echt rarEine spannende Beobachtung gab es am Gartentor: Die Raupe eines Buchen-Streckfußes (Calliteara pudibunda) war an der Wand emporgeklettert. Wegen des markanten roten Haarbüschels am Hinterleib wird sie auch Rotschwanz genannt. Die pelzigen Falter hingegen sind später unauffällig graubraun in der FärbungSie kam und blieb: Im geschützten Zwischenraum von Türschloss und Holztor verpuppte sich die Raupe zum Überwintern. Der gelbliche Kokon wurde gut erkennbar aus den Haaren der Raupe gewebt. Ich bin gespannt, ob wir im Frühjahr das Schlüpfen des Falters erlebenNeben diesem Gartentor stehen zwei Japanische Blumen-Hartriegel (Cornus kousa var. chinensis), die zurzeit über und über mit ihren attraktiven rosaroten Früchten beladen sind. Die zu himbeerartigen Scheinfrüchten verwachsenen Steinfrüchte sind für Mensch und Tier essbar. Die Begeisterung hielt sich hier aber offensichtlich in Grenzen
Insbesondere um die Mittagszeit und wenn sich die Sonne zumindest irgendwie erahnen lässt, sind immer noch viele Insekten unterwegs auf Nahrungssuche. In diesem Jahr haben wir daher ein noch stärker zeitlich gestaffeltes Mähen der Wiesen ausprobiert. Und das hat sich gelohnt. Es gab eine schöne zweite Blühsaison, u. a. von Oregano, Malven, Weißen Lichtnelken, Wilden Möhren, die das Futterangebot in den Staudenbeeten gut ergänzte.
Überhaupt: die Fauna. Da konnten wir bei uns in diesem Jahr zwei ungewöhnliche Beobachtungen machen. Ich kann mich nicht erinnern, je so wenige Gemeine Wespen gesehen zu haben, und auch die willkommenen Bänder- und Weinbergschnecken machen sich rarer als sonst. Die gar nicht willkommenen Nacktschnecken hingegen bevölkern in gefühlt nie da gewesener Masse den Garten. Bisher haben wir die einfach ignoriert, da sich die Schäden an den Pflanzen in sehr vertretbaren Grenzen hielten. Auch jetzt habe ich noch keine ratzekahl runtergefressene Funkie oder ähnliches Malheur entdeckt. Aber wenn man auf Schritt und Tritt Gefahr läuft, auf eines dieser schleimigen Tiere zu treten – ein widerliches Gefühl – und nur noch mit Blick auf den Boden durch den Garten spazieren kann, nervt das schon. Also Eimer in die Hand nehmen, Schnecken einsammeln und umsiedeln. Und hoffen, dass es was bringt …
Da unsere Wiesen nicht von Rindern oder Pferden besucht werden, lassen wir etwas Jacobs-Greiskraut (Senecio jacobaea) stehen. Nicht nur die Raupen des Blutbärs wissen das zu schätzen. Damit das Greiskraut nicht überhandnimmt, wird gemäht, bevor sich die Früchte mit ihren weißen Haarkränzen ausbilden und im Wind auf die Reise gehenZahlreiche Insekten trifft man auf den Blüten einer ebenfalls zur invasiven Ausbreitung neigenden Pflanze – der Goldrute (Solidago canadensis). Auch hier gilt: Ab und zu beherzt einige Pflanzen rausreißen, so lässt sich ein zu üppiges Auftreten einfach vermeiden. Im Hintergrund leuchten die Hagebutten von Rosa rubiginosa, der Schottischen ZaunroseAn Rosa rubiginosa und anderen Wildrosen finden sich oft Gallen von Gallwespen, hier eine Schlafapfelgalle. In ihren Kammern entwickeln sich die Larven der Wespen. Die Gallen entstehen durch Wuchsstoffe, welche die Wespenweibchen bei der Eiablage absondernBlüht unermüdlich bis zum ersten Frost (den er nicht mag, besser frostfrei überwintern, bei uns steht er im Topf): Salvia Amistad. Der Nektar in den dunkelvioletten Lippenblüten des Ziersalbeis zieht ebenfalls viele geflügelte Gäste anUnsere sensibleren Topfpflanzen werden bei drohenden Minusgraden alle in die Veranda verfrachtet. Auch kleinere Töpfe mit absolut frostharten Pflanzen wie Hakonechloa macra, dem wunderschönen Japanischen Berggras (vor den Hostas), ziehen sicherheitshalber um, sodass die Wurzelballen nicht durchfrieren können. Zwischen den Varianten von Grün setzen die gelbgrünen, aprikosenfarbenen und hellroten Blätter von Acer palmatum ‚Sangokaku‘ schon herbstliche Akzente. Nach dem Blattabfall ist der Fächerahorn dank seiner korallenroten Rinde ebenfalls ein echter Hingucker
Morgendliche Nebelfelder, tauverzierte Spinnennetze und starke Windböen, die Regenschauer vor sich hertrieben, ließen in den vergangenen Tagen schon richtig Herbstfeeling aufkommen. Der oft wolkenverhangene Himmel vermieste uns zudem das an den schon deutlich früher dunkel werdenden Augustabenden so beliebte Sternschnuppengucken. Wenigstens kam aus den Wolken einiges dringend benötigtes Nass runter, was uns mit der spärlichen Schnuppenausbeute dann wieder versöhnte.
Die Wiesen sehen zwar auch jetzt noch wunderschön aus, müssen aber dennoch unbedingt gemäht werdenIn den Staudenbeeten haben späte Arten wie Eupatorium und Solidago die Hauptrolle übernommen – sie blühen bis in den Oktober hineinDie fruchttragenden Gehölze machen ebenfalls unmissverständlich klar, dass es Richtung Herbst geht. Hagebutten, die an eine Kastanie erinnern, gaben Rosa roxburghii (im Bild) ihren deutschen Namen: Kastanienfrucht-RoseNoch sind – gerade um die Mittagszeit – zahlreiche Insekten unterwegs: Hier hat sich eine zu den Grabwespen zählende Gemeine Sandwespe auf einem alten Gartentisch niedergelassenGehört zu den Nachtfaltern, fliegt aber tagsüber: Der Gitterspanner liebt offenes Grasland mit vielen Blüten. Da ist er bei unseren üppigen Origanum-vulgare-Beständen in den Wiesen genau richtigDiese Bande ist absolut nicht am richtigen Platz! Ein paar Bachen mit Nachwuchs verschiedenster Altersstufen haben sich durch den Obsthof gewühlt. Obwohl sich dieses Spektakel beinahe alljährlich wiederholt, kann ich mich nicht dazu durchringen, auch hier noch einen Zaun zu ziehen. Etwas glatt harken, das muss reichen. Bis zum nächsten Mal …
In diesem Monat kam der Garten eindeutig zu kurz, aber immerhin haben wir es geschafft, die ersten Wiesenstücke zu mähen – und einige neue Arten zu entdecken.
Wie sie hierhergekommen ist, bleibt ihr Geheimnis: Im Schatten von Rosa ‚Pauls Himalayan Musk‘ hat Verbascum densiflorum ihre gelben Blütenstände geöffnet. Über weitere Blattrosetten der zweijährigen Großblütigen Königskerze bin ich beim Heu rechen auf der Wiese gestoßen. Als gut aussehende Insektenweide darf sie sich gerne langfristig bei uns ansiedelnEine echte Erstsichtung bei uns im Garten ist dieser Pinselkäfer. Er liebt Doldenblüten (davon haben wir mehr als genug), aber auch Rosen- und Brombeerblüten (wie man auf dem Bild sieht). Da sich seine Larven im vermodernden Holz von Laubbäumen entwickeln, ist auch für sie der Tisch bei uns reich gedecktDie Doldenblüten von Daucus carota – die sich in diesem Jahr besonders üppig als weiße „Tellerufos“ im Wind wiegen – ziehen unterschiedlichste Insekten an, hier eine Art der Blutbiene? Ich konnte sie nicht eindeutig bestimmen. Wer weiß Rat?Auch dieser markante Hautflügler gibt mir Rätsel auf: eine Grabwespenart? Sachdienliche Hinweise bitte gerne an michEin Eldorado besonders für Hummeln ist Veronicastrum ‚Fascination‘Großen Anlass zur Freude bieten die Igel, die in diesem Sommer endlich wieder regelmäßig beim Wuseln durch den Garten zu hören bzw. zu sehen sind. Im vergangenen Jahr hatten sie sich besorgniserregend rar gemacht. In dieser Wiesenecke waren gleich drei in eine intensive und lautstarke Kommunikation verstrickt
Der sehr robuste, Wind, Trockenheit und Hitze vertragende Feuer-Ahorn (Acer tataricum supsp. ginnala) sorgt z. B. nicht nur im Herbst mit seiner prächtigen Blattfärbung für FuroreSeine zahlreichen duftenden, im Mai/Juni erscheinenden Blüten sind ein Magnet für InsektenAm Teich hat sich die Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale) ziemlich breit gemacht. Sie eignet sich nicht nur zum menschlichen Verzehr (sehr lecker im Salat)Ihre hübschen weißen Blüten sind auch bei den geflügelten Gästen begehrtNoch mehr Erfreuliches aus der Fauna: In diesem Jahr konnten wir wieder ein Plattbauchweibchen (Libellula depressa) im Garten begrüßenUnd die Hasenpopulation lässt bei uns ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Das Blühfeld bietet gute Deckung und die ein oder andere LeckereiLeckereien für Insekten liefert Rosa pimpinellifolia mit ihren ungefüllten Blüten. Die ausläuferbildende Bibernellrose liebt sonnige Standorte, stellt ansonsten aber keine großen Ansprüche. Im Herbst/Winter versorgen die schwarzen Hagebutten der Wildrose zudem Vögel und kleine Säuger mit wichtigen VitaminenDie Blüten vieler Gehölze erfreuen zurzeit tierische und menschliche Gartenbesucher. In jedem Sommer ein Hingucker sind die weißen Hochblätter (sog. Brakteen), welche im Viererteam jeweils die unscheinbaren kleinen Blütenköpfchen von Cornus kousa chinensis umgebenEin weiteres Blüten-Highlight unter den Gehölzen: Deutzia x magnifica, hier die Sorte ‚Tourbillon Rouge‘. Die ungefüllte dunkelrosa Blütenpracht der Hohen Deutzie sorgt für ein ständiges Summen und Brummen – eine attraktive Bienenweide in der gemischten HeckeIn den Wiesen hat sich die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia) mit ihren blauvioletten (und weißen) Blütentrauben zur Freude der Insekten gut etabliert. Wir sind auch begeistertUnd selbstverständlich darf Mohn in den Wiesen nicht fehlen: Noch geschlossen sind die Blüten bereits ein filigranes Kunstwerk, bevor sie ihr Büfett für die Insekten öffnen
Keine Ahnung, bei welchem Anblick von zartem Grün es genau losging: „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus …“. Dieser Song hat sich seit ein paar Wochen ohrwurmmäßig bei mir festgesetzt. Kaum bin ich draußen im Garten, wird die Play-Taste gedrückt! Lautlos, nur in Gedanken, soweit habe ich mich schon noch unter Kontrolle. Spätromantisches Liedgut zählt nicht zu meinen musikalischen Leidenschaften, aber aus der Nummer komm ich grade nicht raus. Vielleicht ist es einfach die Freude darüber, dass die Natur nach einem gefühlt langen Winter nun endlich explodiert. Bei moderaten Temperaturen (selbst an den Eisheiligen – sonst fast Garanten für Spätfröste bei uns – waren es deutlich über null Grad) und regelmäßigen Regenschauern (bis dato schon mehr als 100 mm Niederschlag) fassten letztendlich doch alle Pflanzen den Mut, mit dem Austrieb zu beginnen.
Die Gold-Gleditschie macht ihrem Namen schon jetzt alle Ehre: Filigran zeigen sich die ersten Blättchen bei Gleditsia triacanthos ‚Sunburst‘ in herrlichem GoldgrünJunges Laub von Juglans regia changiert im Gegenlicht. Sollte es in diesem Jahr tatsächlich klappen, dass die männlichen und weiblichen Blüten der Walnuss ohne Frostschaden davonkommen? Zurzeit sieht es so aus und nährt die Hoffnung auf eine gute NussernteFast ein Synonym für Frühling: helles Birkengrün, hier von Betula pendulaHübsch gelockt präsentieren die Sumpfeichen (Quercus palustris) ihre frischen BlätterKräftig dunkelrot im Austrieb zieht Fagus sylvatica ‚Purpurea‘ die Blicke auf sichDer Regen sorgte immer wieder für schöne Lichteffekte: Kleine Tropfen zieren die feinen Halme des Fallsamengrases (Sporobolus heterolepis) nach einem kräftigen Schauer. An den glatten dicken Blättern von Hylotelephium ‚Herbstfreude‘ läuft das Wasser einfach abTolle Wassertropfen-Sammler sind auch die gefingerten Blätter der Vielblättrigen Lupine (Lupinus polyphyllus). Die kräftige Staude wird mit ihren großen Blütentrauben in den kommenden Wochen das Bild in einigen Bereichen unserer sonnigen Wiesen bestimmenIn den Schattenbeeten hingegen fühlt sich Tellima grandiflora bei uns richtig wohl. Die Falsche Alraunwurzel sät sich reichlich selbst aus und besiedelt so jedes Fleckchen freie Erde, das sie findetEbenfalls willig versamt sich Carex pendula, wenn man sie lässt. Im Halbschatten an unserem kleinen Teich bieten die wintergrünen Horste der Riesen-Segge – neben Totholzstapeln – Fröschen, Kröten und anderen Tieren gute VersteckmöglichkeitenWährend die meisten Pflanzen in ihrer Entwicklung in diesem Jahr etwas später dran sind, blüht Carex pendula 2021 erstaunlich früh. An den männlichen und weiblichen Blütenähren haben sich die Staubbeutel schon walzenförmig aufgeplustert und sind hoch motiviert, für Nachwuchs zu sorgenNeu angesiedelt hat sich das zweijährige Gewöhnliche Barbarakraut (Barbarea vulgaris), dessen Blätter man als Salat oder Gemüse genießen kann. Die Pflanze ist auch unter dem Namen Winterkresse bekannt, man ahnt, warum: Die kresseähnlich schmeckenden Blätter lassen sich bis in den Winter hinein ernten. Werden wir versuchen
Deutlich später als im vergangenen Jahr startete bei uns der Frühling durch. Kein Wunder, machte doch der April mit Schnee- und Graupelschauern, viel Wind und regelmäßigem Nachtfrost seinem Ruf als wankelmütiger Monat mit exzessiven Wetterkapriolen alle Ehre. Aber in der zweiten Hälfte sorgte dann doch die immer kraftvoller scheinende Frühlingssonne allmählich für mehr Farbe im Garten.
Unter den alten Eichen breitet sich Anemone nemorosa langsam aber sehr stetig immer weiter aus. Dabei helfen ihr nicht nur die kriechenden Rhizome, auch über die per Wind und Insekten verteilten Samen vermehren sich die Buschwindröschen. Und so tauchen hier und da im Gras zwischen Krokussen und Narzissen immer wieder kleine dreifingerige Blätter auf (zum Glück klar von Giersch zu unterscheiden …), die nach ein/zwei Jahren von weiß leuchtenden Blütensternchen überstrahlt werdenAnemone blanda – hier die Sorte ‚White Splendour‘ – arbeitet sich mittels Bildung von neuen kleinen Knollen voranSelbst die sehr frostharte Kamtschatka-Heckenkirsche (Lonicera kamtschatica) hat ihre Blüten in diesem Jahr etwas später geöffnet – obwohl sie einstellige Minusgrade locker wegsteckenDieser C-Falter hat sich von der wärmenden Sonne aus seinem Überwinterungsquartier locken lassen. Bei uns kann er sich u. a. an einem großzügigen Angebot von Weidenkätzchen stärkenDie alljährliche Rhizome-abstechen-Saison bei den laufenden Bambussen wird im Wilden Garten immer an einer Insel aus Pseudosasa japonica, Indocalamus latifolius und Pleioblastus pumilus eröffnet. In diesem am Boden noch mit kriechendem Efeu durchzogenen Halm- und Blätterdschungel leben seit Jahren – sehr zu unserer Freude und gut geschützt – Waldeidechsen. Ungefähr in der Bildmitte sonnt sich eine und guckt uns wenig scheu bei der Arbeit zuÜber die Frühlingsfreude hat sich leider ein trauriger Schatten gelegt: Kurz vor seinem 80. Geburtstag verstarb der leidenschaftliche Bambusfreund und -experte Fred Vaupel. Wir werden den engagierten Austausch mit ihm schmerzlich vermissen. Zahlreiche Pflanzen in unserem Garten halten die Erinnerung wach – wie hier Fargesia ‚Freds Giant Dragon‘, einer der Sämlinge, die Fred 2003 im Shennongjia Gebirge in der chinesischen Provinz Hubei gesammelt hat und von denen ein paar bei uns im Obsthof stehen. Danke, Fred – und R. I. P.
Bienen und andere summende Gäste machen sich im März bereits bei einigermaßen Plusgraden auf die Suche nach Essbarem. Energieliefernde Frühblüher sollten daher in keinem insektenfreundlichen Garten fehlen. Bei den Gehölzen stehen Sal-Weide und Hasel hierfür schon im Vorfrühling als anspruchslose und zuverlässige Nektar- und Pollenquellen zur Verfügung (noch früher liefert Lonicera x purpusii herrlich duftende Blütennahrung. Meiner Begeisterung über die Winter-Duft-Heckenkirsche habe ich hier ja in mehreren Posts Ausdruck verliehen). Wir haben sowohl von Salix caprea als auch von Corylus avellana je ein gutes Dutzend im Wilden Garten verteilt – bzw. sich selbst verbreiten lassen. Diesem Wachstum kann man sehr entspannt zuschauen: Beide Arten lassen sich, wenn nötig, mit einem radikalen Rückschnitt im Zaum halten. Ein paar Kornelkirschen ergänzen das frühe Büfett perfekt. Cornus mas ist ebenfalls sehr schnittverträglich, und man findet doch immer noch irgendwo ein Plätzchen …
Jedes Jahr ein wahrer Insektenmagnet: Auch die über und über mit hängenden männlichen Blütenkätzchen geschmückte Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana ‚Contorta‘) sorgt schnell für prall gefüllte Pollenhöschen bei den BienenDas samtige Dunkelblau der Iris reticulata-Blüte hingegen ist eher fürs menschliche Auge attraktiv. Nahrungssuchenden Insekten haben die Krokusse deutlich mehr zu bietenWie man hier siehtEin kurzes Schneeintermezzo gab es zwischendurch dann doch noch mal: weißer Puderzucker auf den lädierten Blättern von Pseudosasa japonicaErheblich größeren ästhetischen Wert als frostbedingt beiges Bambuslaub bietet der Amberbaum im Winter – ganz ohne BlätterSeine mit Korkleisten besetzte Rinde verleiht Liquidambar styraciflua etwas Urzeitliches. Damit der prachtvolle Herbstfärber sein volles Potenzial entfalten kann, sollte der Baum möglichst vollsonnig und in kalkarmem Boden stehenIm vergangenen Jahr überraschte uns der junge 2015 gepflanzte Amberbaum mit kleinen Wurzelschösslingen. Selbst diese dünnen Stecken sind bereits mit kleinen „Pocken“ besetzt, aus denen sich später dann die Korkleisten bilden. Was tun mit den Lütten? Vorsichtig abtrennen und in Töpfen heranziehen? Wachsen lassen und gucken, ob sie sich so dicht neben dem alten Stamm behaupten? Aber dann wird es eher ein Amberbusch. Das war nicht der Plan. Einfach abschneiden? Bringe ich (noch) nicht übers Herz. Abwarten, was die kommende Vegetationsperiode bringt – noch mehr Schösslinge? –, dann wird entschieden