Der Ich-schaffe-was-ich-kann-Garten

„Man rechnet etwa mit einer Stunde Gartenarbeit pro Quadratmeter im Jahr.“ So viel Zeit nimmt laut Udo Weilacher in dem ZEIT-Interview „Das Stiefmütterchen wird diffamiert“ ein gepflegter Garten in Deutschland in Anspruch. Klar ist das nur eine Faustregel. Aber eine, die es in sich hat.

Mich jedenfalls hat sie umgehauen. Ich habe natürlich gleich mal angefangen zu rechnen – das Ergebnis war niederschmetternd und extrem beruhigend zugleich. Denn nach dieser Formel fallen für einen Garten unserer Größe täglich rund 14 Stunden Gartenarbeit an. Nun, wir sind zu zweit. Macht für jeden sieben Stunden täglich. Zwei Fulltimejobs also. Urlaub und Wochenenden fallen übrigens aus. Schließlich lebt man ja mit und an seinem Sehnsuchts- und Entspannungsort …

Seit ich diese Zahlen kenne, bin ich total relaxed. Nun weiß ich endlich, warum unser Garten genau so aussieht wie er aussieht, mit all seiner Wildheit, Üppigkeit und mit den vielen Ecken, an denen man schon längst mal wieder etwas tun müsste und einfach nicht hinterherkommt. Und das leider oft wochenlang. Denn Gärtnern findet bei uns ausschließlich in der Freizeit statt. Daher muss der Garten oftmals sehen, dass er alleine klar kommt. Und das macht er gut. Sehr gut sogar. Seit ich weiß, dass ich bis zur Rente warten muss, bis wir hier faustregelige Gartenperfektion erleben dürfen, bin ich so was von entspannt,  finde unseren Garten gerade jetzt besonders schön und erfreue mich an wunderbaren Pflanzenbildern in wildem, gepflegt-ungepflegtem Ambiente.

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The Garden Tour

„When I arrive in my garden, I Make The Tour.“

1932 hat Beverley Nichols diesen Satz geschrieben. In „Down The Garden Path“ – ein Klassiker der Gartenliteratur. Amüsant, kenntnisreich und very, very British!

„Is this a personal idiosyncracy, or do all good gardeners do it?“

Also, ich tu es. Alleine oder mit anderen. Und ich tue es immer auf die gleiche Art.

„There are certain very definite rules to be observed when you are Making The Tour.“ 

Oftmals habe ich mich gefragt, ob eine Art Zwangsverhalten hinter meinem Wunsch steht, den Garten nach einem immer gleichen Muster zu durchstreifen und zu durchschreiten.

„The chief rule is that you must never take anything out of its order.“

Abweichungen von der herkömmlichen Garten-Tour fühlen sich falsch an. Grundfalsch. Irgendetwas stimmt dann nicht. Man kann zwar nicht genau sagen was, aber es geht auf gar keinen Fall.

Da müssen auch Gartenbesucher durch. Oft verspürt man bei ihnen den Wunsch, sich einfach nur durch die Flächen unserer verschiedenen Gartenteile treiben zu lassen. Nichts da. Die Tour bestimmt die Dramaturgie des Gartens, sie setzt Höhepunkte, jahreszeitliche Akzente und kleine Sensationen. Und: Sie präsentiert sich jeden Tag anders …

„However, it had to be done.“

Wir starten immer am Eingang des Hauses – wir nennen diesen Bereich nur „Dschungelhausen“: Bambusse (Borindas), Riesen-Chinaschilf (Miscanthus x giganteus), diverse Farne, Neuseeland-Windgras (Anemanthele lessoniana) und Japanwaldgras (Hakonechloa macra) teilen sich mit Hortensien diesen schattigsten Teil unseres Gartens.

Auch die Schöne Leycesterie (Leycesteria formosa) ist hier im Moment ein imposanter Blickfang.

Gegenüber powern die Flammenblumen – was für ein Phloxjahr!

Mit dem Betreten des „Kleinen Gartens“ – ehemals der Gemüsegarten des Hauses – kommt die Sonne ins Spiel. Hier prunken im Staudenbeet (2009 gepflanzt) Fargesia spez. ‚Jiuzhaigou 1’, Wasserdost (Eupatorium purpureum subsp. Maculatum ‚Purple bush‘) – für uns erstaunlich, dass er in unserem trockenen Sand immer wieder eine außerordentlich gute Figur macht –, Helenium ‚Baudirektor Linne‘ und das Silberährengras (Achnatherum calamagrostis).

Dieser Heleniumpulk hat sich in den letzten Jahren selbst ausgemendelt – sie haben dieses Jahr unter der Trockenheit des Sommers erheblich gelitten. Trotzdem immer wieder schön.

Betreten wir den „Wilden Garten“: Der Judasbaum (Cercis canadensis) vor den „Augen“ begrüßt im Moment noch im Sommergewand. Aber der Herbst deutet sich in der Färbung schon leicht an.

Einer der immer wieder zutiefst bewunderten Stars im „Wilden Garten“ – die Wilde Möhre (Daucus carota).

Die Halbmond-(Strauch)-Border im „Wilden Garten“: Ab 2010 gepflanzt, gleicht sie bald einem „Meer“ aus Sanddorn (Hippophae rhamnoides ‚Leikora’, ‚Pollmix’ und ‚Vitaminhochzeit’), der sich dort fröhlich zwischen den anderen Sträuchern ausbreitet und jetzt schon gute Höhen erreicht.

Die Rotblättrige Rose (Rosa glauca) hingegen weiß noch nicht, ob sie sich bei uns so recht wohlfühlen soll. Wir warten ab.

Der Sitzplatz bei der Feuerstelle. Den im Frühjahr gepflanzten Großfruchtigen Waldhaseln  (Corylus avellana ‚Rotblättrige Zellernuss’) hat der trockene Sommer doch sehr zugesetzt. Dagegen leuchten die beiden Blutpflaumen (Prunus cerasifera ‚Nigra’) an.

Dem Bambus (hier Phyllostachys bissetii) hat der feuchte Mai extrem gut getan. Erst zwei Jahre in der Erde, rennt er zielstrebig los. Hier darf er.

Unterwegs schweift der Blick zu der Wilden Wiese. Nur wenig davon blieb nach dem diesjährigen Experiment „Sommermahd“ stehen. Wir haben gleich drauf beschlossen: Nächstes Jahr bleibt wieder alles stehen! Ist einfach schöner.

An der nordwestlichen Ecke des Gartens erblühen momentan die Stauden-Sonnenblumen, die in diesem Garten einfach schon immer da waren – vor der Kunst von Jan Christoph Amelung.

Seit diesem Jahr zeigt auch der kleine Hain aus Himalaya-Birken (Betula utilis var. jacquemontii) Präsenz.

Noch kann er allerdings nicht gegen den Bambushain antreten (hier Phyllostachys humilis vor Ph. aureosulcata ‚Aureocaulis’) … Davor unsere im August/September allgegenwärtigen „wilden“ Sonnenblumen.

Im „Kreuzgarten“ geht es ebenfalls wild zu: Hier setzt der Wiesenknopf (Sanguisorba) Akzente in einem der vier Beete.

Phyllostachys nigra ‚Henonis’ überzeugt bei uns durch seine erstaunliche Winterhärte. Da die Pflanze dicht am Haus steht, wird sie durch eine Rhizomsperre begrenzt.

Die Astern (Aster pyrenaeus ‚Lutetia’ und Aster amellus ‚Rudolph Goethe’) im Staudenbeet haben ebenfalls sehr gelitten unter der Sommertrockenheit. Und dann war da noch eine Wühlmaus … Im Abendlicht trotzdem schön.

Das Staudenbeet verschwindet hier hinter der etwas empfindlichen Buddleja davidii ‚Black Knight’.

Ein letzter Blick auf das Staudenbeet im „Kleinen Garten“. Unsere Tour ist hier zu Ende.

Muss immer mit: Luisa (genannt Schnütchen) – unsere wahre Gartenbesitzerin!

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Besucht! Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof

Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof: Ein sperriger Name, kein großes Drumherum. Kein Kiosk, kein Café – nichts dergleichen, nur ein kleines Lädchen, in dem man Samenmischungen kaufen kann. Und auch das hat nur wenige Stunden am Tag geöffnet. Das ganze Gartenareal – insgesamt 2,3 ha – ist in seiner Präsentation vor Ort erfrischend unaufgeregt und erlaubt nur einen Hauptdarsteller: den Garten selbst. Gut so.

„New German Garden Style“

Weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus berühmt, zieht der Garten in Weinheim mehr als 130.000 Besucher pro Jahr an. Nur zum Vergleich: Das weltbekannte Sissinghurst besuchen pro Jahr an die 200.000 Gartenfreunde. Diese Zahlen lassen schon erkennen: Man hat es hier mit einem Garten von echtem Rang zu tun. Aber schließlich steht die von Cassian Schmidt geleitete Anlage wie keine andere für den „New German Garden Style“, der inzwischen weltweit immer mehr Beachtung erfährt.

Zentrum einer neuen Gartenkultur

Die Gartenkultur in Deutschland voranzubringen, das ist die Grundidee hinter dem Hermannshof. Erst in den 80er Jahren entstand dieser völlig neue Typus eines Schau- und Sichtungsgartens auf dem Gelände des seit über 200 Jahren bestehenden privaten Parks. Anders als bei anderen Sichtungsgärten stehen hier nicht die sogenannten Sortimentssichtungen im Vordergrund, sondern die Beobachtung von Pflanzen und Pflanzengemeinschaften in ihrer Verwendung – ein forschendes und experimentelles Versuchsfeld also. Damit stehen Aspekte, die jeden Gärtner interessieren, wie etwa Standortgesichtspunkte, Pflegeansprüche, aber auch die Ästhetik von Staudenpflanzungen im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betrachtung. Der Hermannshof hat hier in den vergangenen Jahren Stilbildendes für privates und öffentliches Grün geleistet. Und das kann man tatsächlich immer öfter wahrnehmen: Inzwischen sind viele Bepflanzungen im öffentlichen Raum von den Arbeiten in Weinheim inspiriert. Zahlreiche Verkehrsinseln erblühen seit Kurzem im schicken und vor allem pflegeleichten Prärielook – den der Hermannshof und die Arbeiten des Holländers Piet Oudolf maßgeblich mitgeprägt haben.

Ein Rundgang – ganz persönliche Highlights

Wir haben Hermannshof – wie viele private Gartentouristen – unter rein ästhetischen Gesichtspunkten besucht. Und wir wurden durch die unterschiedlichsten dort gezeigten Lebensbereiche vielfältigst belohnt. Hier ein paar unserer schönsten Eindrücke:

Wer noch mehr über den Garten und seine Geschichte erfahren möchte, der sei auf das in diesem Frühjahr erschienene Buch „Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof“ von Cassian Schmidt und dem Fotografen Philippe Perdereau verwiesen.

Zum Abschluss noch ein Gräser-„Schmankerl“ für den sonnig-trockenen Gehölzrand, das wir im Schau- und Sichtungsgarten bewundert haben:

Stipa pulcherrima f. nudicostata – feengleicher Gräserzauber für den sonnig-trockenen Standort! Hinreißend.

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Sunset

Sonnenuntergang bei uns im Wilden Garten.

Ein kleiner Rundgang über die wilden Wiesen …

… vorbei an den Wilden Möhren …

 … zum Staudenbeet mit Wasserdostblüte …

 … daneben hat die Nachtkerze gerade erst ihre neuen Blüten geöffnet …

… mit Blick auf den Bambushorizont.

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Summertime …

… and the livin‘  is easy …

Guter Song. Gilt leider nicht für alle. Gärtner bleiben dabei außen vor. Zumindest im Moment.

Diese Hitze! Morgens und abends versuchen wir verzweifelt gegen die inzwischen schon knisternde Trockenheit anzugießen – da kommen bei uns trotz ausgeklügeltem Schlauchsystem pro Tag gute drei Stunden zusammen. Vielen Pflänzchen sichern wir damit aber gerade mal das Überleben, mehr auch nicht. Und schon jetzt deutet sich an, dass ein paar es wohl dennoch nicht schaffen werden …

Und der ganze große Rest an Gartenarbeit, den wir so gerne tun würden – Deadheaden, Unkraut jäten, hübsch machen und, und, und …, bleibt unerledigt liegen, weil die zur Verfügung stehende Zeit mit Gießen verbracht wird und einfach nicht für alles reicht.

Also der Song, ganz ehrlich … geht so mit dem ‚easy living‘ …

Nun ist aber wirklich genug gejammert!

Es gibt auch wunderschöne Momente im Sommergarten. Hier eine kleine Auswahl:

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Must-Have-Seen-Gärten in Südengland, Teil 3: Südwestengland

Unsere Lieblingsgärten in Somerset, Devon und Cornwall – here we go:

Lady Farm, Somerset

Leider ist dieser wirklich großartige private Garten nur an wenigen Tagen im Jahr für Besucher geöffnet. Auf der Internetseite – auf der auch wunderschöne Fotos zu sehen sind – finden sich jeweils die aktuellen Besichtigungstermine. Es lohnt sich auf jeden Fall, bei einer Reise um diese Termine drum herum zu planen! Die Gesamtanlage des leicht hügeligen Gartens mit seinen im Tal liegenden Teichen sowie die bemerkenswerte Wildblumenwiese und ganz besonders die naturalistischen Beetbepflanzungen sind wirklich inspirierend.

Tintinhull Garden, Somerset

Tintinhull Garden ist das Werk zweier großer, berühmter Gärtnerinnen: Phyllis Reiss und Penelope Hobhouse. Einladend, harmonisch, beschützend und wohlfühlig, so präsentiert sich der kleine Garten von Tintinhull. Der Besucher erlebt verschiedene Gartenräume, die jeweils ganz eigene atmosphärische Mikrokosmen zaubern. Das Styling ist durchgehend edel: In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts von Phyllis Reiss geplant und verwirklicht, wurde der Garten in den 80er Jahren und etwas darüber hinaus von Penelope Hobhouse weiterentwickelt. Elegant! Englisch!

Cothay Manor, Somerset

Wir werden vom Hausherrn empfangen. Unerwartet. Ganz entspannt steht er am Eingang seines Reiches – er ist beides zugleich: bescheiden und stolz – und plaudert gut gelaunt mit seinen Gartenbesuchern. Und stolz, das darf er wahrlich sein. Denn Cothay Manor ist eine Aneinanderreihung von unterschiedlichen Gartenzimmern voller Ideen und Schönheit. Überstrahlt wird alles von dem ungeheuer romantischen, mittelalterlichen Haus. Ein ganz besonderer Platz.

RHS Garden Rosemoor, Devon

Beeindruckender Schaugarten der Royal Horticultural Society. Zu den Highlights zählen: der Hot Garden im Sommer mit seinen überbordenden, farbenprächtigen Staudenpflanzungen, der Foliage Garden, in dem viele interessant arrangierte Laubstrukturen zu sehen sind, ein wunderschöner Küchengarten, dessen Ernte man im dortigen Restaurant genießen kann, die alte Gartenanlage von Lady Anne, sowie das Bicentenary Arboretum mit seiner Sammlung von Gehölzen der nördlichen Hemisphäre.

The Garden House, Devon

Hier machen wir keine großen Worte: Der Garten ist ein absolutes Muss. Für uns definitiv eine der schönsten Anlagen Südenglands. Einfach hinreißend in ihrer Vielfältigkeit! Atemberaubender Pflegezustand.

The Lost Gardens of Heligan, Cornwall

Ein Besuch in Cornwall ohne die Lost Gardens of Heligan gesehen zu haben? Das darf einfach nicht sein. Kein Garten hat eine aufregendere Geschichte. Zumindest keine, die wir kennen. Die Story um die Wiederentdeckung und Wiedererweckung dieses Gartens ist tief berührend und faszinierend: ein Mammutwerk an gärtnerischer Hingabe. Und die Anlage selbst? Diese Woche kam die Postkarte einer Freundin, die im Moment in Cornwall urlaubt, und sie schreibt: „Die Lost Gardens of Heligan sind ein Traum. Sortierte Wildnis, sehr alte Sträucher und Bäume. Ein super Nutzgarten mit tollen Gewächshäusern.“ Genauso ist das!

Bonython Estate Gardens, Cornwall

Ein junger Garten. Seit 1999 erst gestaltet die aus Südafrika stammende Sue Nathan in Bonython Estate Haus und Garten. Das auf der Halbinsel Lizzard gelegene alte Manor mit seinem Garten kann sich schon seit einigen Jahren sehen lassen und wird stetig weiterentwickelt. Durch den formidablen Walled Garden kommt man in den überwältigend schönen Gemüsegarten. Diesen verlässt man durch ein rosenumranktes Gartentor und gelangt dann auf eine Obstwiese mit Blick auf den ersten der drei Teiche. Großzügige, elegante Gestaltung, die im weiteren Gartenverlauf beim zweiten Teich in eine naturalistische Uferrandbepflanzung mit angrenzendem Kiesgarten übergeht. Südafrikanische Akzente sind immer wieder deutlich zu erkennen. Man darf gespannt sein, was sich hier in den nächsten Jahren noch alles tut …

Penjerrick Garden, Cornwall

Dschungel pur! Mehr dazu gibt es hier.

Carwinion Cornwall’s Bamboo Garden, Cornwall

Nach Carwinion verschlägt es uns immer wieder, wenn wir in Cornwall sind. Mehr dazu hier.

Glendurgan und Trebah Gardens, beide Cornwall

Auch die beiden Nachbargärten von Carwinion am Helford River finden sich bereits in einem anderen Post.

Tremenheere Sculpture Gardens, Cornwall

Ein aufregendes Gartenerlebnis. Tremenheere ist eine neu ausgebaute Anlage (geöffnet seit September 2012), die in wenigen Jahren sicherlich ein echter Besuchermagnet in Cornwall sein wird – nicht zuletzt wegen des grandiosen Blicks auf St. Michael’s Mount. Was jetzt schon spannend ist? Zu sehen wie ein großer Garten mit viel Bambus, Palmfarnen, Sukkulenten und anderen Exoten zu einem Park heranwächst.

Barbara Hepworth Sculpture Garden, Cornwall

Ein kleiner Stadtgarten in St. Ives mit vielen plastischen Werken von Barbara Hepworth – inklusive Blick ins Künstleratelier. Aufregend, die Kombination aus Garten und Kunst.

Zu weiteren Beiträgen der Reihe „Gärten in Südengland“ geht es hier.

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Persisches Eisenholz in Norddeutschland – und die Suche nach dem Chinesischen Eisenholz

Bereits im vergangenen Jahr gab es ja den ersten Post zu Parrotia persica, meinem geliebten Persischen Eisenholz. Jetzt ist es Zeit, darüber zu berichten, wie unsere zwei neuen Bäumchen durch ihren ersten Winter in der Nordheide gekommen sind.

Beide Gehölze wurden im Juli 2012 gepflanzt und setzten ordentlich zum Neuaustrieb an. Ausgerechnet in diesem Jahr gab es dann einen für unsere Verhältnisse sehr frühen Winter- und Kälteeinbruch, der schon am 8. Dezember minus 12,7 Grad bescherte. Der Tiefstwert hingegen ließ lange auf sich warten: Am 13. März 2013 sank das Thermometer bei uns im Garten auf minus 15,3 Grad. Das war immerhin weit entfernt von den Rekordwerten des Winters 2011/12 (hier bis minus 24 Grad). Sicherheitshalber gab es nach den vorherigen Verlusten diesmal für beide Pflanzen einen Schutz aus Vlies, sobald die Temperaturen unter minus 5 Grad sanken. Mit dieser Strategie haben sowohl Parrotia persica als auch Parrotia persica ‚Vanessa’ überlebt.

Gelungener Start – für unsere Standortverhältnisse

Nach bangem Warten öffneten sich am 23. April schließlich die ersten Blattknospen. Ende Mai zeigte sich jedoch, dass bei beiden Pflanzen an einigen Zweigen die Spitzen erfroren waren – oft der Neuaustrieb des vergangenen Jahres. Parrotia persica traf es dabei nicht so schlimm wie die Sorte ‚Vanessa’, was aber sicher dem jeweiligen Standort geschuldet ist: ‚Vanessa’ steht deutlich wind- und sonnenexponierter.

Unsere Parrotia persica ‚Vanessa’:

Ein Exemplar der Sorte in den Sir Harold Hillier Gardens, bei dem der aufrechte Wuchs schön ausgeprägt ist:

Dort kann man auch die ‚Pendula’-Form sehen, die offensichtlich vor unliebsamer Annäherung geschützt werden muss:

 Parrotia-persica-Jungpflanze auf unserer Wiese:

Der regenreiche Mai war natürlich ganz im Sinne des Persischen Eisenholzes. Nun sind wir gespannt, wie sich der Austrieb in diesem Jahr entwickeln wird.

Neue Begehrlichkeiten 

Während das Persische Eisenholz bei uns in ausgewählten Baumschulen durchaus erhältlich ist, verläuft die Suche nach der Chinesischen Schwester Parrotia subaequalis nicht so einfach …

Was nicht erstaunt, wenn man sich etwas mit der botanischen Geschichte beschäftigt. Eine tolle Zusammenfassung dazu findet sich in der „Arnoldia“-Ausgabe 66/1 von 2008 des vierteljährlich erscheinenden Journals der Harvard University, Boston, unter dem Titel „The Chinese Parrotia: A Sibling Species of the Persian Parrotia“. Ursprünglich wurde die Pflanze unter dem Namen Hamamelis subaequalis beschrieben (H. T. Chang, Acta Sci. Nat. Univ. Sunyatsen. 1960). Eingehendere Studien machten dann deutlich, dass es sich doch um eine eigenständige Gattung handelt, sodass 1992 eine Umbenennung zu Shaniodendron subaequale (Deng, M. B.) erfolgte. Aufgrund von DNA-Vergleichen stellte sich schließlich heraus, dass die neue Gattung Shaniodendron mit Parrotia zusammengeführt werden sollte. Seit 1998 ist das Chinesische Eisenholz nun offiziell in der Flora of China (Vol. 9, page 28) als Parrotia subaequalis aufgeführt (H. T. Chang) R. M. Hao & H. T. Wei.

Selbst in der Natur macht sich Parrotia subaequalis rar. In dem oben erwähnten Beitrag sind lediglich fünf Standorte in Ost-China angegeben: je zwei in den Provinzen Jiangsu und Zhejiang und einer in Anhui. Zwischenzeitlich wurde sie sogar von der Weltnaturschutzunion IUCN als vom Aussterben bedroht eingeordnet (unter dem Namen Shaniodendron subaequale). Zunehmende Eingriffe des Menschen auch in die chinesischen Bergwälder sowie die starke Standortkonkurrenz durch Bambus belasten die Population von Parrotia subaequalis.

Dennoch muss man nicht nach China reisen, um ein Chinesisches Eisenholz in natura zu sehen. Das Arnold Arboretum in Boston beherbergt ein paar Pflanzen sowie einige Arboreten in Europa wie beispielsweise das Arboretum Wespelaar in Belgien. Wir haben das Exemplar in den Sir Harold Hillier Gardens bewundert, welches 2003 in den Besitz des dortigen Arboretums kam. 2010 wurde zudem ein Bäumchen im Westonbirt Arboretum ausgepflanzt. Das globale Netzwerk BGCI (Botanic Gardens Conservation International) listet 14 Einträge zu P. subaequalis von Botanischen Gärten weltweit.

Die Blätter des Chinesischen Eisenholzes sind kleiner als bei P. persica, die Herbstfärbung ist aber ebenso überzeugend.

Solch seltene Spezies weckt natürlich den Sammlertrieb. Sollten unsere beiden „Perser“ auch die nächsten Winter gut überstehen, werden wir die Suche nach einer chinesischen Schwester für unseren Garten sicherlich wieder aufnehmen.

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Abendspaziergang

Zu vieles muss im Moment im Garten getan werden – das lässt kaum Zeit zum Bloggen.

Ein Glück, dass sich die schönsten Augenblicke (manchmal) einfach mit der Kamera einfangen lassen: ein Abendspaziergang durch den Wilden Garten.

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Must-Have-Seen-Gärten in Südengland, Teil 2: Mittleres Südengland

Hier nun endlich unsere ganz persönliche Auswahl an sehenswerten Gartenanlagen im mittleren Teil von Südengland.

Stourhead, Wiltshire

Stourhead ist – neben Stowe – DER Landschaftsgarten Englands. Eine ganz große Kulisse: Wir bewegten uns darin wie in einem gepflanzten Gemälde aus dem 18. Jahrhundert.

Knoll Gardens, Dorset

Wer Gräser liebt, der kommt an dem inspirierenden Schaugarten von Knoll Gardens nicht vorbei. Im Herbst einfach überwältigend: Gräserkomposition at its best. Nach einem ausgiebigen Rundgang durch die Anlage kann man – angeregt und motiviert – gleich nebenan in der Gärtnerei aus dem Vollen schöpfen.

Sir Harold Hillier Gardens, Hampshire

Ein Eldorado für Gehölzliebhaber. Das beeindruckende Arboretum beherbergt 13 National Plant Collections (u. a. Cornus, Hamamelis, Pinus, Quercus) sowie einige außergewöhnliche Schätze wie beispielsweise die außerhalb der Naturstandorte äußerst selten zu findende Parrotia subaequalis. Ein weiteres Highlight ist der Winter Garden: Hier sind über 650 verschiedene Pflanzen arrangiert, die von November bis März für winterliche Höhepunkte im Garten sorgen – tolle Pflanzideen auch für zu Hause.

Hidcote Manor,  Gloucestershire

Einer der bekanntesten und einflussreichsten Arts-and-Crafts-Gärten in England – noch dazu mit einer recht ungewöhnlichen Geschichte. Denn kein gebürtiger Engländer schuf diesen Gartentraum, sondern der Amerikaner Lawrence Johnston. 1907 begann er, diese „englisch-amerikanische Gartenphantasie“ anzulegen. Johnston entwarf in Hidcote ineinander übergehende Gartenräume mit unterschiedlichen Pflanzenthemen und Gestaltungslinien, wie etwa den Fuchsia Garden oder die Red Border. Ein Garten zum Flanieren und ein Garten, um sich immer wieder in Details zu verlieren. Schön und glanzvoll.

Westonbirt, Gloucestershire

The National Arboretum ist definitiv das Arboretum Großbritanniens. Eine der herausragendsten Gehölzsammlungen weltweit! Über 16.000 nummerierte Bäume und Sträucher auf einem mehr als 240 Hektar großen Gelände. Im Herbst ein einziger Farbenrausch. Vorbildlich ist die Kartographierung der Bäume: Mit Hilfe der Westonbirt Interactive Map findet der Gehölzliebhaber in der riesigen Anlage ganz leicht zu seinem gesuchten Exemplar. So lassen sich auch seltene und junge Bäume und Sträucher sehr gut finden. Da macht „tree hunting“ richtig Freude!

 Zur Intro und zu weiteren Beiträgen der Reihe „Gärten in Südengland“ geht es hier.

In Kürze erscheint der dritte und letzte Teil – Gärten in Südwestengland

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Flieder – ein fast vergessener Blüten-Wolken-Traum

Altmodisch soll er sein? Irgendwie vorgestrig? Nichts da! Der Flieder ist ein echter Altrocker von einem Strauch!

Syringa vulgaris ist ein Gehölz, das wir unbedingt wieder mehr schätzen lernen sollten. Über viele Jahre war er in unseren Gärten aus der Mode gekommen. Warum eigentlich?

Er bildet zahlreiche Wurzelausläufer und erzeugt daher in seiner Umgebung großen Wurzeldruck. Damit kommen die meisten Begleitpflanzen nicht gut zurecht. Zudem hat der Gewöhnliche oder Gemeine Flieder einen nicht zu unterschätzenden Platzbedarf – gerne wächst er breit ausladend. Dies macht ihn leider für moderne, vor allem kleinere Gärten nicht gerade zu einer Pflanze der ersten Wahl.

Botanisches

Von der Gattung Syringa kennen wir rund 30 Arten. Flieder gehört zur Familie der Oleaceae, der Ölbaumgewächse. Sie stammen aus Südosteuropa und Ostasien. Es sind laubabwerfende kleinere Bäume oder Sträucher mit herzförmigen, gegenständigen und meist ungeteilten Blättern. Sie wachsen aufrecht, dicht verzweigt und sind sehr stark ausläuferbildend. Ein Strauch wird lediglich 4 bis 6 Meter hoch, aber durchaus 3,5 bis 5 Meter breit.

Am imposantesten sind die Blüten. Sie überzeugen im Mai durch lila, violette, rosa, weiße, purpurne oder gelbe Farbtöne und stehen in bis zu 20 cm langen aufrechten Rispen. Bleibt der Baum oder Großstrauch ungeschnitten, dankt er es mit einer üppigen ca. zwei Wochen andauernden Blütenpracht. Schneidet man ihn zurück, produziert die Pflanze zunächst neues Holz ohne Blüten, um die entfernten Äste zu ersetzen. Wer hingegen nach der Blüte nur das Verblühte entfernt, wird im nächsten Jahr mit einer noch größeren Blütenpracht belohnt. Und: Die Blüten von Syringa vulgaris, sie duften einfach wunderbar!

Alte und neue Züchtungen

Syringa vulgaris ist die in unseren Gärten häufigste Fliederart. Sie hielt im 16. Jahrhundert Einzug nach Mitteleuropa, aber ihre größte Popularität erreichte sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurden Hunderte von Sorten gezüchtet, die meisten von Victoir Lemoine aus Nancy, Frankreich. Aus seiner Zucht stammen so berühmte, beständige Sorten wie die heute noch weit verbreitete „Mme. Lemoine“ oder „Belle de Nancy“.

Beides Sorten mit gutem, verlässlichem Wuchs, die sich in so manchem ländlichen Garten fanden und immer noch finden. War der Flieder doch lange Jahre eine Pflanze, die fast jeden Bauerngarten zierte.

Inzwischen gibt es zahlreiche moderne Züchtungen, die heutigen Ansprüchen deutlich mehr entsprechen, als es die alten, eingeführten Sorten tun. Mit Meristemvermehrung und wurzelechten Sorten wird versucht, dem größten Problem des Flieders, den zahlreichen Wurzelschößlingen, entgegenzuwirken. Einen guten ersten Überblick hierzu liefert dieser Artikel.

Standort und Bodenansprüche – und die tolle Sache mit dem Wind

Flieder liebt es sonnig, aber auch ein wenig Schatten wird toleriert. Dieser geht aber leider auf Kosten der Blütenpracht. Was Syringa vulgaris jedoch vor allem auszeichnet, ist seine hervorragende Windfestigkeit – dies beweisen die zahlreichen Windschutzhecken mit Flieder in Norddeutschland. Frosthärte, Hitze- und Stadtklimaverträglichkeit kommen noch hinzu.

Syringa vulgaris ist insgesamt recht anspruchslos, er gedeiht auch auf kargen Sandböden (was wir durch einen eindrucksvollen Bestand von über die Jahre sich immer weiter ausbreitenden Sträuchern bestätigen können – Wurzelschößlinge, natürlich!).

Optimal steht er auf mäßig trockenen bis frischen, nährstoffreichen, sandig-humosen, gut durchlässigen und warmen Lehmböden. Er mag darüber hinaus auch gerne etwas kalkhaltigen Boden. Informationen zu Sorten und Krankheitsbildern sowie Schädlingen gibt es hier.

Tipps und Tricks

Leider können nur wenige Pflanzen gut mit Flieder stehen. Dies hat seine Ursache in dem bereits erwähnten hohen Wurzeldruck, den gerade Syringa vulgaris in seiner Umgebung erzeugt. Ein einfacher Trick hilft hier: Pflanzen, die der Wurzelkonkurrenz nicht so gut standhalten können, einfach in ein nach unten offenes Gefäß setzen (z. B. unten aufgesägte große Pflanzpötte aus Plastik). So können beispielsweise auch empfindsame Gewächse wie Clematis gut neben Flieder stehen. Warda empfiehlt darüber hinaus aus dem Bereich der Staudenpflanzen u. a. Thalictrum aquilegifolium und Allium christophii sowie giganteum. Weitere Pflanzentipps finden sich hier.

Das schönste am Flieder sind sicherlich die Blüten. Als Schnittblume ist er jedoch nicht ganz einfach zu verwenden. Ihn nur in die Vase zu stellen, das lässt ihn ganz schnell welken. Hier gibt es u. a. Tipps, wie man Flieder länger in der Vase gut aussehen lassen kann.

Schade eigentlich, dass der Flieder so aus der Mode gekommen ist, oder?

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