Raumgreifende Zauberwesen – Persisches Eisenholz

Viele Bäume und Sträucher entwickeln alleine aufgrund ihres typischen Habitus eine besondere Persönlichkeit – Parrotia persica, das Persische Eisenholz, zählt für mich zu den markantesten Solitärgehölzen. Mit ihren weit ausladenden Ästen und den manchmal schlangengleich wachsenden Stämmen formt die Parrotie oft bizarre Skulpturen, pflanzlichen Zauberwesen gleich.

In Südengland ist das Persische Eisenholz in fast jeder großen Gartenanlage und natürlich in den botanischen Gärten zu finden. Bei uns in Norddeutschland kann man den dekorativen Großstrauch oder Kleinbaum zum Beispiel im Berggarten Hannover oder im Arboretum Ellerhoop-Thiensen sehen. Im Herbst begeistert Parrotia persica zudem mit einer phänomenalen Laubfärbung: Die Palette reicht von kräftigen Gelbtönen über leuchtendes Orangerot bis hin zum ins Violett gehende Dunkelrot – oft mehrere Töne auf einem Blatt. An vollsonnigen Standorten ist die Färbung am intensivsten. Sie beginnt manchmal schon zum Herbstanfang und bleibt weit über den ersten Frost hinaus ein herrlicher Blickfang.

Aber auch im Winter kann das Eisenholz noch mit einem hohen Zierwert punkten: Die abblätternde Schuppenborke älterer Stämme erinnert an Platanen. Sie lässt die nicht belaubten Gehölze mit mehrfarbigen Rindenschuppen in der Sonne glänzen – ein wunderschöner Kontrast in verschneiter Landschaft.

Ein paar botanische Details

Parrotia persica wurde nach dem deutschen Arzt und Naturforscher Friedrich W. Parrot (1792–1841) benannt. Die deutsche Bezeichnung Persisches Eisenholz verweist zum einen auf das ursprüngliche Verbreitungsgebiet – das Gehölz ist im Nordiran, in Vorderasien und im kaspischen Urwald beheimatet –, zum anderen auf die Qualität des Holzes. Als „Eisenholz“ werden viele Baumarten benannt, deren Holz besonders hart ist und eine Dichte aufweist, die größer ist, als die von Wasser (rund 1g/cm3). Diese Hölzer schwimmen nicht im Wasser, sondern gehen unter. Parrotie ist ebenfalls eine gängige Bezeichnung in Deutschland.

Die Gattung Parrotia gehört zur Familie der Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae). Parrotia wurde 1831 von C. A. Meyer beschrieben. Die International Dendrology Society (IDS) in England hat Parrotia 2007 zum „Tree oft the Year“ gekürt. Der spannende Beitrag aus dem Jahrbuch 2007 der IDS  findet sich hier: Beitrag aus dem Jahrbuch der IDS.

Dort wird neben der Art  Parrotia persica (D. C.) C. A. Mey. auch eine zweite Art, die Parrotia subaequalis (H. T. Chang) R. M. Hao & H. T. Wei, beheimatet in Ostchina, aufgeführt.

Nun aber zurück zu unserem Persischen Eisenholz. In dem Standardwerk von Hans-Dieter Warda „Das große Buch der Garten- und Landschaftsgehölze“ – einer wahren Fundgrube für jeden Gehölzliebhaber – sind die wichtigsten Merkmale der Parrotie zusammengefasst: Der Großstrauch oder kleine Baum wächst oft mehrstämmig, die Hauptäste breit trichterförmig aufrecht mit weit ausladenden Seitenästen. Aus dieser Beschreibung lässt sich schon erahnen: Das Gehölz braucht Platz, am besten viel Platz. Denn bei einer Höhe von bis zu 10 Metern bei uns in Deutschland, nimmt Parrotia persica im Alter oft noch deutlich mehr an Breite in Anspruch. Also nicht in den kleinen Vorgarten pflanzen, dort kommt der markante Wuchs wenig zur Geltung und man selbst bald kaum noch ins Haus. Im feuchten sommergrünen Kaspischen Urwald erreichen die Bäume Höhen von bis zu 30 Metern und bilden teilweise fast reine Bestände aus.

In der Jugend wächst die Parrotie eher langsam und kann auch etwas frostempfindlich sein. Das mussten wir nach den heftigen Minusgraden im Februar 2012 leider auch erfahren. Drei Exemplare verschiedener Herkunft, die allerdings erst 2011 gepflanzt wurden, überlebten den Winter nicht. Wobei in einem der Fälle nicht ganz klar ist, ob nicht doch der Hasenverbiss Ursache des Baumsterbens war …

Die Rinde der Triebe ist olivbraun mit hellen Lentizellen, das sind rundliche oder elliptische Korkwarzen, die dem Gasaustausch dienen (besonders deutlich z. B. auch bei Kirschbäumen zu sehen). Die Borke hat eine bräunliche Farbe, die im Alter oft vielfarbig platanenartig abblättert – siehe Fotos weiter oben. Bis 10 cm lange, verkehrt eiförmige bis elliptische Blätter stehen wechselständig an den Ästen. Das Blatt fühlt sich leicht ledrig an und ist oberseits dunkel-, unterseits hellgrün, im Austrieb hübsch rot gerandet. Von der phantastischen Herbstfärbung wurde ja vorne schon ausreichend geschwärmt. Die Blüten erscheinen vor dem Blattaustrieb im März als kleine Köpfchen mit leuchtend roten Staubgefäßen auf sternförmigen Hochblättern, Blütenblätter fehlen.

Parrotia persica ist ein Flachwurzler, sie liebt Sonne und Wärme. Auch lichter Schatten ist O. K., geht aber zu Lasten der ausgeprägten Herbstfärbung. Sie gedeiht in allen Böden, vorausgesetzt sie sind durchlässig und nicht zu nährstoffarm. Bevorzugt werden laut Warda tiefgründige, frische bis feuchte Lehmböden mit einem pH-Wert von 6 bis 6,5. Die Parrotie toleriert leicht alkalische Substrate, obwohl sie zur Familie der Zaubernussgewächse gehört. Ein weiterer Pluspunkt: Das Gehölz ist überhaupt nicht krankheitsanfällig.

Der zweite Anlauf

Nachdem unsere drei 2011 gepflanzten Exemplare die denkbar schlechtesten Startbedingungen hatten und dem vergangenen Winter zum Opfer fielen, fanden in diesem Jahr zwei neue Persische Eisenhölzer ihren Platz in unserem Garten. Neben der Art Parrotia persica werden inzwischen einige Sorten kultiviert. Eine Übersicht dazu findet sich ebenfalls in dem Beitrag „Tree of the Year: Parrotia“ der IDS: Hier geht es zum Beitrag aus dem Jahrbuch der IDS. Wir haben diesmal eine Parrotia persica und eine Parrotia persica ‚Vanessa’ (auch als ‚Select’ im Handel) erstanden, die einen etwas aufrechteren Wuchs aufweist. Beide Pflanzen treiben bereits gut aus an ihren fast waagerecht verlaufenden Ästen. Nun bleibt uns nur zu hoffen, dass sie in ihren ersten, etwas sensibleren Jahren von Herausforderungen wie jenen des Februars 2012 verschont bleiben. Für alle Fälle haben wir aber schon mal Winterschutzmaterial gebunkert …

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