Frostige Gräser

Heute Nacht minus 13 Grad – Glitzer-Frost im Wilden Garten.

 

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Favoriten im Wild-Gardening-Jahr 2012

Die Blüte der Felsenbirnen Amelanchier lamarckii  im April war einfach überwältigend.

Unser Newcomer Cercis canadensis „Forest Pansy“. Hier im Mai noch zart durchscheinend im Blatt. Auch die Herbstfärbung begeisterte mit vielfältig changierenden Tönen.

Ebenfalls überzeugend war unser Phlox – er blühte ausdauernd und opulent. Vor allem eine uralte Sorte von Phlox paniculata aus Mutters Gartenbestand ließ alle anderen Phloxschönheiten neben sich verblassen.

Ein unerwarteter Überraschungserfolg: Die Wilden Möhren Daucus carota subsp. carota  in unseren Wiesen – ein bezaubernder Tanz.

Die powervollste aller Herbstfärbungen – immer wieder: Euonymus alatus.

Wochenlange Blütenpracht – und das gleich in der ersten Saison: Aster amellus „Rudolphe Goethe“. 

Phyllostachys aureosulcata „Aureocaulis“ – meistert souverän Temperaturen von unter minus 20 Grad Celsius.

Sanddorn liebt unseren sandigen Heideboden: Zahlreiche Ausläufer und üppiger Fruchtbesatz, hier bei Hippophae rhamnoides „Leikora“, sind die willkommenen Folgen.

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Magic Moments

Bevor die letzten Blätter fallen und der Winter endgültig in unsere Gärten einzieht – ein Blick zurück auf den explosiven Blattzauber in Südengland im Oktober 2012:

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Bambus-Bilanz 2012: Wieder durchgegrünt – aber mehr auch nicht, oder?

Bevor der nächste Winter einzieht darf ein abschließender Blick auf die Bambussaison 2012 nicht fehlen. Nach dem dramatischen Start mit Rekordminusgraden im Februar und beigem Blätterwald folgte im Frühjahr/Sommer ein banges Warten: Haben alle Pflanzen überlebt? Wenn ja, in welchem Zustand? Wie viele Halmverluste müssen wir verkraften? Wie wird der Neuaustrieb aussehen? Die Antworten fallen zum Teil überraschend aus, einige bestätigen Erfahrungen aus den vergangenen Jahren. Aber der Reihe nach …

Ich starte mal mit den erfreulichen Kandidaten. Alle Fargesia-murielae-Sorten, die wir gepflanzt haben – von ‚Flamingo’ bis ‚Standing Stone’ – haben die bittere Kälte souverän gemeistert. Dies gilt ebenfalls für Fargesia denudata ‚Lancaster 1’, Fargesia rufa und die Fargesia spez. jiuzhaigou 1, 9, ‚Geneve’ und ‚Wagner’. Der Neuaustrieb überzeugte ebenfalls. Sogar die frühen neuen Halme von Fargesia rufa blieben in diesem Jahr von Spätfrösten verschont. Noch kurz ein Wort zur rufa: Dieser Bambus steht bei uns im vierten Jahr und lässt so langsam sein Potenzial erahnen. Wir haben ihn im Sommer 2008 als kleines Pflänzchen in Holland gekauft. Heute hat er bereits einen Durchmesser von drei Metern bei einer Höhe von 1,90 Meter.

Deutlich sensibler auf die winterlichen Temperaturen reagierten Fargesia robusta ‚Campbell’ und ‚Big Leaves’. Bei ‚Campbell’ waren viele Halme in der oberen Hälfte erfroren und der erhebliche Blattverlust wurde nur zum Teil wieder durch neue Blätter ersetzt. Zudem fiel der Neuaustrieb in der Höhe wesentlich niedriger aus als im Jahr davor. Dass die Pflanze so stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, überrascht mich schon, denn sie steht ziemlich geschützt durch eine alte Thujahecke direkt an der Nordwand unseres Hauses. Bei der ‚Big Leaves’ war natürlich mit erheblichen Schäden zu rechnen. Trotz Styroporummantelung (oben offen) haben viele Halme nicht überlebt. Aber die Pflanze treibt wieder aus. Dieser späte, nach wie vor andauernde Austrieb ist natürlich ein Problem bei strengen Wintern, da die noch weichen, sensiblen Junghalme dem Frost wenig entgegenzusetzen haben. Eine Überlegung wäre, den Styroporschutz in diesem Winter oben zu schließen – warten wir ab, wie weit das Thermometer sinkt.

Härtetest für Phyllostachys

Bei den Phyllostachys trennte sich in diesem Jahr ganz klar die Spreu vom Weizen. So werden wir in unserem Garten wohl definitiv auf üppige Vivax-Haine verzichten müssen – es sein denn, die vergangenen drei Winter wiederholen sich in den nächsten 20 Jahren nicht. Ein im Sommer 2006 gepflanzter Ph. vivax ‚Aureocaulis’ ging oberirdisch total in die Knie. Lange Zeit sah es sogar danach aus, dass das Rhizom komplett abgestorben war, denn es tat sich gar nichts. Am 7. Juli entdeckte ich schließlich doch EINEN zarten neuen Halm – er brachte es auf eine Höhe von 1,25 Meter. Auch bei Ph. vivax ‚Huangwenzhu’ (gesetzt im Frühjahr 2008) starben alle hohen Halme bis zum Boden ab und der Neuaustrieb blieb deutlich hinter dem der vorigen Jahre zurück.

Erfreulicher Lichtblick ist erwartungsgemäß Ph. aureosulcata ‚Aureocaulis’: Hier war kein Halmverlust zu beklagen, der einst beige Blätterwald erstrahlt wieder in frischem Grün und die neuen Halme haben in puncto Höhe und Durchmesser das Niveau gehalten bzw. leicht zugelegt. Auch Ph. bissetii erfüllte die in ihn gesetzten Hoffnungen. Die Halme liegen im Durchmesser allerdings deutlich unter dem von Ph. aureosulcata ‚Aureocaulis’. Positiv überrascht hat Ph. nigra ‚Henonis’ – es gab nur wenige Blattschäden und ein paar erfrorene Halmspitzen.

Was lässt sich zusammenfassend über die anderen Phyllostachys sagen? Ph. aurea, Ph. nigra ‚Boryana’, ‚Megurochiku’ und ‚Punctata’, Ph. rubromarginata sowie Ph. spez. ‚Shanghai 3’ mussten zum Teil massive Halmverluste hinnehmen. Bei Ph. atrovaginata, Ph. glauca ‚Yunzhu’, Ph. humilis, Ph. parvifolia und Ph. propinqua waren Halmspitzen erfroren und es gab ziemliche Blattschäden. Insgesamt war der Neuaustrieb eher bescheiden.

Und sonst so

Insbesondere die relativ großblättrigen Bambusse lagen natürlich bei den Blattschäden weit vorne. Sensible Kandidaten wie Hibanobambusa tranquillans ‚Shiroshima’, aber auch Pseudosasa japonica und Semiarundinaria fastuosa waren oberirdisch ziemlich ruiniert – die beiden ersteren legten allerdings einen üppigen, wenn auch niedrigen Neuaustrieb hin. Nachdem Semiarundinaria fastuosa zum dritten Mal in Folge sehr starke Winterschäden davongetragen hatte (obwohl sie auf der Ostseite durch eine Mauer plus Fargesie geschützt stand) und der Neuaustrieb mit jedem Jahr entsprechend kraftloser wurde, haben wir die Pflanze ausgegraben, geteilt und in drei Töpfe gesetzt. Schauen wir mal, ob sie sich so besser entwickelt.

Apropos Töpfe: Ich will hier nicht noch auf alle Bambusse eingehen, die wir in Töpfen kultivieren, da diese im zeitweise geheizten Kalthaus überwintern. Nur so viel: Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen haben Borinda albocera Yunnan 2 und Chusquea culeou leider nicht überlebt.

Der dritte Bambus, den wir verloren haben, war ein Phyllostachys aurea – überraschenderweise die Pflanze, die bereits 2006 gesetzt wurde und die bisher immer recht gut durchkam. Wohingegen eine neue Pflanze, die erst im Herbst 2011 bei uns einzog, zwar ordentliche Schäden davon trug, aber diese gleich durch einen schönen, wenn auch niedrigeren Neuaustrieb wettmachte. Man muss sich immer wieder wundern.

Zukunftspläne

Welches Fazit ziehen wir nun nach den vergangenen drei Wintern? Was die Gattung Phyllostachys anbelangt, haben wir uns erst einmal fürs Abwarten entschieden. Einfach beobachten, wie sich die Pflanzen im Laufe der Jahre an ihren Plätzen entwickeln. Und sollte in einer Ecke des Gartens doch noch ein „vertikales Element“ fehlen, würden wir nach den bisherigen Erfahrungen in jedem Fall wieder auf Ph. aureosulcata zurückgreifen. Bis dato muss man sagen, dass Fargesien an unserem Standort deutlich zuverlässiger wachsen, da sie entspannter durch die Winterzeit kommen und entsprechend mit einem gleichmäßigeren Neuaustrieb aufwarten.

Aber so ganz ohne Bambusexperimente geht es natürlich doch nicht. Das nächste Versuchsfeld ist schon ausgemacht: die Gattung Borinda.

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Roter Oktober

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Wild Indian Summer

Die Explosion beginnt …

Mehr herbstliche Motive aus dem Wilden Garten gibt es hier zu sehen.

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Spätsommerliebe

Es war nicht so richtig ihr Sommer … der harte Winter hat ihnen ganz schön zugesetzt … trotzdem sind sie auch diesmal wieder schön – wenn auch nicht so prächtig wie sonst … ein wenig zerzaust, aber dennoch beeindruckend mit ihren großen, wogenden Blütenwolken.

Helenium – eine Spätsommerliebe voll üppiger Dramatik und überbordender Wärme.

Das hängt maßgeblich mit den Farben zusammen, die dieser Korbblütler (Asteraceae) mit ausladender Geste in den Garten schleudert: Gelb, Orange, Rot, Burgunder – „Hot Colours“ wie die Engländer sagen.

Botanisches rund um die Sommer- und Spätsommerstaude

Die Sonnenbraut trägt ihren Namen zu Recht. Sie braucht volle Sonne und gut dränierte Böden. Dafür bedanken sich die ursprünglich aus Nord- und Mittelamerika stammenden Pflanzen mit einer überwältigenden Blühpower, je nach Art – und es gibt insgesamt gut 40 davon – vom frühen bis in den späten Sommer. Drei dieser Arten bestimmen das aktuelle Heleniumangebot: Helenium autumnale, Helenium bigelovii und Helenium flexuosum – Kultivare der ersteren finden häufig in Natur- und Präriegärten Verwendung.

Heleniumstauden wachsen in der Regel horstig. Sie haben verzweigte, belaubte Triebe mit wechselständigen, lanzettlichen Blüten. Die Mitte der Blüte ist hochgewölbt – in der Farbe Braun oder Gelb – und umstrahlt von einem Kranz von Zungenblüten mit breit auslaufenden Spitzen in den schönsten Sommerfarben.

Ältere Blüten ändern mit der Zeit ihre Farbe hin zu schwarz und sie biegen sich nach unten. Dadurch wird die kugelige Blütenmitte noch mehr betont – ein idealer Blickfang im Winter.

Es gibt inzwischen vielerlei Heleniumkultivare im Handel und es kommen immer neue hinzu. Die Forschungsanstalt für Gartenbau in Weihenstephan hat sich in Deutschland um die Sichtung der Helenium verdient gemacht. Zu der zwischen 2001 und 2004 durchgeführten Sichtung ist 2006 eine CD erschienen – Helenium in Sorten und Bildern. Die nationale Sammlung in England ist hier beschrieben.

Tipps, Tricks , Wissenswertes

Viele Züchtungen stammen aus Deutschland und den Niederlanden, was man schon den Namen entnehmen kann: Helenium „Baudirektor Linne“ (kräftig orange-rot, mit der Zeit ins kupferrote gehender robuster Kultivar, mit dem wir in unserem Garten ausgezeichnete Erfahrungen gemacht haben), „Flammendes Käthchen“, „Rauchtopas“ und „Königstiger“ sind nur einige der bekannten und beliebten Sorten. Weitere gibt es hier zu sehen.

Die Anzahl der Kultivare ist inzwischen so groß, dass man durch geschickte Pflanzenauswahl den ganzen Sommer bis weit in den Oktober hinein blühende Helenium im Staudenbeet bewundern kann. Bei der Beetkomposition ist der Blühkalender von Martin Hughes-Jones sehr hilfreich.

Helenium lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Eine, die im Juni und Juli zur Blüte kommt und eine andere, die ab August blüht. Die frühblühenden Pflanzen, beispielsweise Helenium „Moerheim Beauty“, „Sahin’s Early Flowerer“ oder „Waltraut“, sind oft nicht so hoch gewachsen. Sie blühen aber mehrmals und werden durch regelmäßiges Ausschneiden von Verblühtem (englisch „Deadheading“) zu einer wiederkehrenden Blüte angeregt. Spätere, oftmals höhere Sorten, blühen meist im Juli, August und September. Diese schenken uns eine immer wieder beeindruckende Blütenwucht, reagieren aber leider nicht auf „Deadheading“ und blühen daher nur einmal. Aber dafür langandauernd.

Da Helenium es feucht mögen und auf Trockenheit mit verkahlenden Stängeln reagieren, kann dies vor allem bei höheren Sorten wie beispielsweise „Flammendes Käthchen“ (bis 1,25 m) und „Königstiger“ (bis 1,50 m) recht unschön aussehen. Daher empfiehlt es sich, im Staudenbeet auf eine kluge Staffelung der Pflanzen zu achten, sodass vor höheren Heleniumsorten idealerweise niedrigere Pflanzen stehen.  Oder man wendet die Technik des „Chelsea chop“ an: Heleniumpflanzen, die vorne im Beet stehen, werden im Mai um 10–15 cm gekürzt, dadurch bilden sie kleinere, aber verzweigtere Stauden, die die leider oft verwelkt wirkenden Stängel der höheren Exemplare im Hintergrund in der Blühphase verdecken.

Wenn die Pflanzen in der Mitte auskahlen, ist es Zeit, die Staude durch Teilung wieder zum Wachstum anzuregen. Tipps zum Teilen und einiges andere Wissenswerte gibt es hier. Oft findet man in der Literatur den Hinweis, die Stauden alle zwei bis drei Jahre zu teilen, um ihre Wüchsigkeit anzuregen. Wir orientieren uns hier allerdings weniger an diesem vielzitierten zeitlichen Rhythmus aus dem Lehrbuch als an unserem eigenen gärtnerischen Blick – wenn die Stauden in ihrer Mitte spärlicher werden, dann teilen wir sie einfach.

Beth Chatto zählt Helenium „Sonnenwunder“ zu ihren 100 Must Have Plants (Gardens Illustrated, Februar 2012), denn Helenium seien nicht nur im Garten eine Pracht, sondern blühten auch in der Vase über Wochen. Dies liest man in der Tat immer wieder. Wir können das leider nicht bestätigen und lassen die Blüten inzwischen lieber im Garten ihre Wirkung entfalten. Denn dort freuen nicht nur wir uns am üppigen Blütenmeer, sondern auch zahlreiche Bienen und Schmetterlinge.

Literatur:
Royal Horticultural Society, Die große Encyclopädie (Hrsg. Graham Rice)
Martin Hughes-Jones: The Garden, August 2012, Soaking up the sun,  S. 36
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Raumgreifende Zauberwesen – Persisches Eisenholz

Viele Bäume und Sträucher entwickeln alleine aufgrund ihres typischen Habitus eine besondere Persönlichkeit – Parrotia persica, das Persische Eisenholz, zählt für mich zu den markantesten Solitärgehölzen. Mit ihren weit ausladenden Ästen und den manchmal schlangengleich wachsenden Stämmen formt die Parrotie oft bizarre Skulpturen, pflanzlichen Zauberwesen gleich.

In Südengland ist das Persische Eisenholz in fast jeder großen Gartenanlage und natürlich in den botanischen Gärten zu finden. Bei uns in Norddeutschland kann man den dekorativen Großstrauch oder Kleinbaum zum Beispiel im Berggarten Hannover oder im Arboretum Ellerhoop-Thiensen sehen. Im Herbst begeistert Parrotia persica zudem mit einer phänomenalen Laubfärbung: Die Palette reicht von kräftigen Gelbtönen über leuchtendes Orangerot bis hin zum ins Violett gehende Dunkelrot – oft mehrere Töne auf einem Blatt. An vollsonnigen Standorten ist die Färbung am intensivsten. Sie beginnt manchmal schon zum Herbstanfang und bleibt weit über den ersten Frost hinaus ein herrlicher Blickfang.

Aber auch im Winter kann das Eisenholz noch mit einem hohen Zierwert punkten: Die abblätternde Schuppenborke älterer Stämme erinnert an Platanen. Sie lässt die nicht belaubten Gehölze mit mehrfarbigen Rindenschuppen in der Sonne glänzen – ein wunderschöner Kontrast in verschneiter Landschaft.

Ein paar botanische Details

Parrotia persica wurde nach dem deutschen Arzt und Naturforscher Friedrich W. Parrot (1792–1841) benannt. Die deutsche Bezeichnung Persisches Eisenholz verweist zum einen auf das ursprüngliche Verbreitungsgebiet – das Gehölz ist im Nordiran, in Vorderasien und im kaspischen Urwald beheimatet –, zum anderen auf die Qualität des Holzes. Als „Eisenholz“ werden viele Baumarten benannt, deren Holz besonders hart ist und eine Dichte aufweist, die größer ist, als die von Wasser (rund 1g/cm3). Diese Hölzer schwimmen nicht im Wasser, sondern gehen unter. Parrotie ist ebenfalls eine gängige Bezeichnung in Deutschland.

Die Gattung Parrotia gehört zur Familie der Zaubernussgewächse (Hamamelidaceae). Parrotia wurde 1831 von C. A. Meyer beschrieben. Die International Dendrology Society (IDS) in England hat Parrotia 2007 zum „Tree oft the Year“ gekürt. Der spannende Beitrag aus dem Jahrbuch 2007 der IDS  findet sich hier: Beitrag aus dem Jahrbuch der IDS.

Dort wird neben der Art  Parrotia persica (D. C.) C. A. Mey. auch eine zweite Art, die Parrotia subaequalis (H. T. Chang) R. M. Hao & H. T. Wei, beheimatet in Ostchina, aufgeführt.

Nun aber zurück zu unserem Persischen Eisenholz. In dem Standardwerk von Hans-Dieter Warda „Das große Buch der Garten- und Landschaftsgehölze“ – einer wahren Fundgrube für jeden Gehölzliebhaber – sind die wichtigsten Merkmale der Parrotie zusammengefasst: Der Großstrauch oder kleine Baum wächst oft mehrstämmig, die Hauptäste breit trichterförmig aufrecht mit weit ausladenden Seitenästen. Aus dieser Beschreibung lässt sich schon erahnen: Das Gehölz braucht Platz, am besten viel Platz. Denn bei einer Höhe von bis zu 10 Metern bei uns in Deutschland, nimmt Parrotia persica im Alter oft noch deutlich mehr an Breite in Anspruch. Also nicht in den kleinen Vorgarten pflanzen, dort kommt der markante Wuchs wenig zur Geltung und man selbst bald kaum noch ins Haus. Im feuchten sommergrünen Kaspischen Urwald erreichen die Bäume Höhen von bis zu 30 Metern und bilden teilweise fast reine Bestände aus.

In der Jugend wächst die Parrotie eher langsam und kann auch etwas frostempfindlich sein. Das mussten wir nach den heftigen Minusgraden im Februar 2012 leider auch erfahren. Drei Exemplare verschiedener Herkunft, die allerdings erst 2011 gepflanzt wurden, überlebten den Winter nicht. Wobei in einem der Fälle nicht ganz klar ist, ob nicht doch der Hasenverbiss Ursache des Baumsterbens war …

Die Rinde der Triebe ist olivbraun mit hellen Lentizellen, das sind rundliche oder elliptische Korkwarzen, die dem Gasaustausch dienen (besonders deutlich z. B. auch bei Kirschbäumen zu sehen). Die Borke hat eine bräunliche Farbe, die im Alter oft vielfarbig platanenartig abblättert – siehe Fotos weiter oben. Bis 10 cm lange, verkehrt eiförmige bis elliptische Blätter stehen wechselständig an den Ästen. Das Blatt fühlt sich leicht ledrig an und ist oberseits dunkel-, unterseits hellgrün, im Austrieb hübsch rot gerandet. Von der phantastischen Herbstfärbung wurde ja vorne schon ausreichend geschwärmt. Die Blüten erscheinen vor dem Blattaustrieb im März als kleine Köpfchen mit leuchtend roten Staubgefäßen auf sternförmigen Hochblättern, Blütenblätter fehlen.

Parrotia persica ist ein Flachwurzler, sie liebt Sonne und Wärme. Auch lichter Schatten ist O. K., geht aber zu Lasten der ausgeprägten Herbstfärbung. Sie gedeiht in allen Böden, vorausgesetzt sie sind durchlässig und nicht zu nährstoffarm. Bevorzugt werden laut Warda tiefgründige, frische bis feuchte Lehmböden mit einem pH-Wert von 6 bis 6,5. Die Parrotie toleriert leicht alkalische Substrate, obwohl sie zur Familie der Zaubernussgewächse gehört. Ein weiterer Pluspunkt: Das Gehölz ist überhaupt nicht krankheitsanfällig.

Der zweite Anlauf

Nachdem unsere drei 2011 gepflanzten Exemplare die denkbar schlechtesten Startbedingungen hatten und dem vergangenen Winter zum Opfer fielen, fanden in diesem Jahr zwei neue Persische Eisenhölzer ihren Platz in unserem Garten. Neben der Art Parrotia persica werden inzwischen einige Sorten kultiviert. Eine Übersicht dazu findet sich ebenfalls in dem Beitrag „Tree of the Year: Parrotia“ der IDS: Hier geht es zum Beitrag aus dem Jahrbuch der IDS. Wir haben diesmal eine Parrotia persica und eine Parrotia persica ‚Vanessa’ (auch als ‚Select’ im Handel) erstanden, die einen etwas aufrechteren Wuchs aufweist. Beide Pflanzen treiben bereits gut aus an ihren fast waagerecht verlaufenden Ästen. Nun bleibt uns nur zu hoffen, dass sie in ihren ersten, etwas sensibleren Jahren von Herausforderungen wie jenen des Februars 2012 verschont bleiben. Für alle Fälle haben wir aber schon mal Winterschutzmaterial gebunkert …

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Plant Hunting

Heute und morgen … Pflanzenmarkt Kiekeberg … das Eldorado für Gärtner im Norden …

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Gärtnern verbindet

Inzwischen hat die Freude am Gärtnern viele gepackt. Ob Landvolk oder Stadtmensch, die Lust am Grün verbindet uns – endlich!

Als wir vor acht Jahren aufs Land zogen, waren die Reaktionen unserer Freunde und Bekannten noch recht durchmischt. Meist wurde vorsichtig nachgefragt:  „Könnt ihr das denn?“, „Seid ihr euch sicher?“. „Was wollt ihr denn da?“ – ja, das gab es durchaus auch. Zustimmung oder Begeisterungsausbrüche waren doch eher selten. Es gab noch keine „Landlust“ und Gärtnern war ganz bestimmt etwas für ältere Semester. Von kultigen Dingen wie Guerilla Gardening sprach „damals“ in Deutschland kaum jemand.

Inzwischen hat die technikerschöpfte Hinwendung zum natürlichen Rhythmus der Natur auch das Stadtvolk gepackt. Die Suche nach einer Ruheinsel, die die Seele erfüllt und das Herz beglückt, treibt jetzt viele um. Ein Plätzchen in einer Kleingartensiedlung ist begehrtes Objekt für Menschen, die sich eine grüne Oase in ihr ansonsten buntes urbanes Leben holen wollen.

So unsere Freundin Jenny. Seit kurzem ist sie stolze Besitzerin einer kleinen entzückenden Hütte mit zugehöriger Grünfläche in einer Hamburger Kleingartensiedlung. Dort herrschen bei ihr zugleich urbaner Wildwuchs und ländliche Romantik.

Die Seele hat Platz zum Atmen, die Hände haben Erde zum Wühlen, das Auge trifft allerorten auf Pflanzen, die es verzaubern. Es gibt noch viel zu tun auf diesem Stück Grün, und ich hoffe, dass der leicht verwilderte Charme, der dort im Moment regiert, nie abgelöst wird von tristem Kleingartengeblümel.

Nein, ich hoffe es nicht, ich weiß es. Das ist viel besser.

Nun ist es also so weit, dass Gartenarbeit verbindet: Landgärtner pilgern zu Kleingärtnern in die Stadt, um deren Idyll zu bewundern und zu genießen, und Städter zieht es zu einem Besuch aufs Land. Sie suchen dort Entspannung und Inspiration für das eigene Grün.

Gut so.

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