Reges Tierleben im Herbstgarten

Es hat tatsächlich geklappt: Da die Niederschlagsbilanz im Oktober bisher mit 39 mm recht bescheiden ausfiel, konnten wir doch noch die letzten Wiesen fertig mähen und das Schnittgut zusammenrechen und abtragen. Wieder ein Punkt, der auf der To-do-Liste abgehakt werden kann – herrlich! Über das frisch gemähte Grün freuen sich auch unsere tierischen Besucher: Im kurzen Gras lassen sich Mäuse und andere Leckerbissen leichter erjagen. Und der dank milder Temperaturen immer noch recht dynamische Neuaustrieb der Gräser und Kräuter schmeckt einfach besser. Wenn dazu dann noch Köstlichkeiten wie zarte Rosenblüten geboten werden, ist es kein Wunder, dass eine Ricke mit ihren zwei Kitzen beschlossen hat, unseren Garten erst einmal primär als ihr Zuhause zu betrachten. Aber nicht nur das Rehwild fühlt sich bei uns wohl, auch für andere Vertreter der Fauna hat der Wilde Garten einiges zu bieten.

Immer diese Kameras, die einen auf Schritt und Tritt überwachen: Die Rehe bewegen sich nachts und tagsüber mit gelassener Selbstverständlichkeit durch unseren Garten
Andere Besucher absolvieren ihre Streifzüge nur in der Dämmerung oder nachts. Neben Steinmarder und Waschbär durchstreift der Dachs regelmäßig den Garten auf der Suche nach etwas zu Futtern – sei es tierischen oder pflanzlichen Ursprungs
Füchse lassen sich durchaus tagsüber beobachten, aber vorzugsweise sind auch sie im Dunkeln unterwegs
Scheu kennen „unsere“ Rehe nicht: Diese Ricke mit ihren beiden Lütten hält sich inzwischen fast ausschließlich im Garten auf. Gemütliches Flanieren mit Fresspausen und entspannte Liegestunden, u. a. zum Wiederkäuen, bestimmen ihren Tagesablauf
Das zweite Junge hat vom Vater das dunkle Haarkleid geerbt – steht ihm gut. Hier wächst allerdings ein Problem heran, denn es ist ein Bockkitz – und die fegen ihr künftiges Geweih gerne an Bäumen. Was sich an unseren Himalaja-Birken schon eindrucksvoll belegen lässt …
Dieses Wintergoldhähnchen hat sich bei der Nahrungssuche mal Richtung Hauswand orientiert. Keine schlechte Idee, tummeln sich dort doch einige Insekten und Spinnen
Das war knapp: Beim Zusammenrechen des mit der Motorsense geschnittenen Grases wäre ich fast auf einen Grasfrosch getreten. In dieser sehr feuchten Wiesenecke halten sie sich besonders gerne auf, daher mähen wir mit mindestens zehn Zentimetern Abstand vom Boden
Auf der Suche nach Schnecken inspizieren die Frösche auch die Töpfe mit den Funkien – und werden dort unter Garantie fündig. Während sich die Hostas mit ihren gelben und welken Blättern jetzt schon in Richtung Winterruhe verabschieden, startet die wintergrüne Lilientraube (Liriope muscari) im Herbst erst mit ihrer blauen Blüte. Auch Hakonechloa macra, mein geliebtes Japanisches Waldgras, erfreut bis in den Winter hinein mit seinen wogenden linealen Blättern. Hier im Bild die gestreifte Sorte H. macra ‚Aureola‘
Ein zuverlässiges Herbst-Highlight ist Parthenocissus quinquefolia mit seiner fantastischen Blattfärbung. Der Wilde Wein ist nicht nur sehr robust und anspruchslos, er erobert in Windeseile so ziemlich jede Mauer und lässt seine Ranken dann – wie an unserer Garage – vom Dach wieder nach unten fallen. Seine nektarreichen Blüten ziehen im Sommer zahlreiche Insekten an, die hübschen grafitgrauen Beerenfrüchte werden von Amseln und anderen Vögeln weggenascht
Ungeplant, aber nicht unattraktiv: Hopfen der sich das Riesen-Chinaschilf (Miscanthus x giganteus) hochrankt. Erntet man Hopfenblüten bzw. -zapfen nicht ab – um sie z. B. für schlaffördernden Tee zu verwenden –, versamt sich  Humulus lupulus recht bereitwillig und taucht an den überraschendsten Stellen wieder auf (sein angestammter Platz ist eine Garagenwand)
Das Laub der Kupfer-Felsenbirne (Amelanchier lamarckii) macht seinem Namen alle Ehre – und kontrastiert effektvoll mit dem frischen Farbton der rein grünlaubigen Art von Hakonechloa macra
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