Trockenheitsstress und ein kleiner Teich

Sehen wir es mal positiv, also ein bisschen. Ein Blick auf die Gartenfotos des vergangenen Augusts relativiert das aktuelle Gefühl, dass wir schon wieder auf einen heftigen Dürresommer zusteuern: War das Gras vor einem Jahr nur noch eine verbrannte Wüste, so gibt es jetzt durchaus Bereiche, die man mit Fug und Recht als grün bezeichnen kann. Aber dennoch. Auch ein relativ feuchterer Boden ist hier bei uns in der Nordheide ein immer noch viel zu trockener Boden für die Pflanzen, staubtrocken, genau genommen. Nach dem Regenmangel 2018 bedeutet das insbesondere für die Bäume echten Stress: Einige leiden unter Mehltau (u. a. Stieleichen), andere lassen die Blätter fallen (u. a. Bergahorne, Birken) – herbstliche Assoziationen bei 31 Grad im Schatten.

Hängende Blüten und Blätter in den Staudenbeeten wirken immer wie ein stummer Hilferuf: Gieß mich! So kommen Helenium ‚Luzi’, Veronicastrum ‚Fascination’, Eupatorium fistulosum ‚Riesenschirm’ und Co. einigermaßen über die Runden
Ton in Ton: Nicht nur die Wespen schätzen den reich blühenden Solidago als spätsommerliche Nahrungsquelle, die erfolgreich der Trockenheit trotzt
Amelanchier lamarckii rollt das Laub oder lässt es gleich ganz fallen. Früchte: Fehlanzeige. Am Fuße der Felsenbirne hat sich Dill (Anethum gaveolens) ausgesät – auch hier sind die Wespen regelmäßige Blütenbesucher
Die Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) hat ihren Job als Insekten-Futterlieferant erledigt und ist vertrocknet. Jetzt schickt sie ihre Früchte in den Wind, die bei den Stieglitzen außerordentlich beliebt sind
Der Bambus hätte ebenfalls gerne mehr Regen. In der Sonne rollt Phyllostachys bissetii die Blätter, um die Verdunstung wenigsten etwas zu mindern. Kein gutes Zeichen
Mehr Präsenz fürs feuchte Element: Als Kontrapunkt zum fehlenden Nass von oben haben wir einen kleinen Teich (1 000 l, erst mal üben) angelegt – sehr zur Freude der Tierwelt. Man hört und liest es ja immer wieder: Einfach abwarten, und die Fauna stellt sich von selbst ein. Wir können es nur bestätigen! Wasserläufer und -käfer, Mückenlarven, Schnecken, Frösche und Kröten finden ihren Weg (der/die eine oder andere gelangte sicher als blinder Passagier einer Pflanze zu uns). Größere Vögel wie Ringeltauben, Eichelhäher und Rabenkrähen können endlich in einem Gefäß adäquater Größe genüsslich baden. In der Dämmerung drehen die Fledermäuse enge Runden über dem Wasser, auf der Suche nach Beute. Und nachts fungiert die Wasserstelle als Tränke für Steinmarder, Reh (verbotener Zutritt nach Überwindung des Staketenzauns), Igel etc. Apropos Igel: In keinem Teich – und sei er noch so klein – darf ein Brett oder eine andere Möglichkeit fehlen, die es ins Wasser gefallenen Tieren ermöglicht, unbeschadet wieder rauszukommen!
Holzhaufen dienen als Verstecke für Frösche und Kröten
Die dunklen Blätter von Eupatorium rugosum ‚Chocolate’ bilden einen schönen Hintergrund für die leuchtend gelben Trollus-europaeus-‚Superbus’-Blüten und die signalroten Blütentrauben von Lobelia fulgens
Erinnern wirklich an kleine Nadelbäume: die Stängel des Tannenwedels. Hippuris vulgaris verbreitet sich über kriechende Rhizome
Gegen übermäßiges Algenwachstum kommen Starkzehrer wie Wassersalat (Pistia stratiotes) und Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) zum Einsatz. Schwimmfarn (Salvinia natans), Gelbe Teichrose (Nuphar lutea) und Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) verhindern mit ihren Blättern, dass zu viel Sonne direkt aufs Wasser scheint. Zudem tummeln sich Krebsschere (Stratiotes aloides) und Raues Hornblatt (Cerartophyllum demersum) unter Wasser. Die üppige Bepflanzung zahlt sich aus: Trotz relativ sonniger Lage halten sich die Fadenalgen in absolut vertretbaren Grenzen und das Wasser ist glasklar. Wir sind sehr gespannt, wer sich mit der Zeit noch so in dem kleinen Tümpel ansiedelt – und planen schon mal den nächsten …
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