Trost durch Blüten

Während wir uns im Mai 2018 schon im Hochsommer wähnten, bescherte uns der Wonnemonat in diesem Jahr einige alles andere als freudige Gartenmomente. Frost von bis zu minus drei Grad in den Morgenstunden vernichtete zahlreiche Blatt- und Blütenaustriebe, deren bräunlich verschrumpelte Relikte nach wie vor wie eine einzige Anklage beim Gang durchs Grün anmuten: die Wisteriablüte – das war’s, Hostablätter – ein einziger Matsch, Katsurabäume – fast komplett entblättert … die Liste ließe sich noch länger fortsetzen. Aber zum Glück ist der Überlebenswillen der Pflanzen stark genug, und alle starten den Neuaustrieb. Nach dem Trockenstress des vergangenen Jahres dennoch kein Spaß für die Flora. Und es bleibt abzuwarten, wie sich die besonders gebeutelten Kandidaten in den kommenden Monaten entwickeln.

Gerade bei Gehölzen, deren Blüten vor dem Blattaustrieb erscheinen, ist der Anblick ein einziges Trauerspiel. Klar, dass sich Cercis canadensis ‚Forest Pansy’ in diesem Jahr mit seinen wunderschönen Stammblüten besonders ins Zeug gelegt hat. Hier war noch alles in opulentem Flor
Nach den Minusgraden muss der Amerikanische Judasbaum noch mal bei null anfangen: Alle Blüten und die ersten zarten Blattknospen sind erfroren
Bei der Walnuss hat es neben dem Blattaustrieb auch die männlichen Blüten erwischt. Ob es in dieser Saison Nüsse gibt, ist fraglich. Denn die Bäume der Nachbarn sehen nicht besser aus
Ab Monatsmitte – pünktlich zum Ende der Eisheiligen – war der Kältespuk dann vorbei. Pflanzen und Tiere nutzten die sonnige Wärme, um ihre Energiereserven wieder aufzufüllen. Und hier passt jetzt perfekt unsere monatliche Kurzvorstellung einer besonders ergiebigen Insektennahrungsquelle: diesmal die Fächer-Zwergmispel. Dass Cotoneaster horizontalis ein echter Futter-Hotspot ist, hört man schon am vielstimmigen Summen, das jede Pflanze umgibt. Der dekorative kleine Strauch toleriert so ziemlich jeden Boden und kann auch einiges an Trockenheit wegstecken. Den kleinen rötlichen Blüten folgen kräftig rote, erbsengroße Früchte, die bis spät im Jahr am Strauch bleiben – sehr zur Freude vieler Vögel. Alle Cotoneaster-Formen sind wichtige Insektenfutterpflanzen und Vogelnährgehölze. Also nichts wie rein damit in den Garten
Unsere Wiesen halten zurzeit ebenfalls ein breites Angebot an Blüten bereit, z. B. von der Gemeinen Ochsenzunge
Anchusa officinalis liebt trockenen, sandigen Boden und meidet Kalk – sie findet bei uns daher optimale Standortbedingungen
Zum Ende des Monats durchwirken dann immer mehr rote Tupfer das grüne Gras: Drei Arten Mohn fühlen sich inzwischen bei uns heimisch. Im Bild die ersten Saat-Mohnblüten (Papaver dubium)
Kleiner und mit markantem schwarzen Grund versehen sind die Blüten von Papaver argemone, dem Sand-Mohn. Der Dritte in unserem Mohnbunde, der Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas), hält sich mit dem Öffnen seiner Blüten noch etwas zurück
Die Farben Gelb und Weiß steuern u. a. der Kriechende Hahnenfuß (Ranunculus repens) und die Acker-Hundskamille (Anthemis arvensis) bei
Hier geben Trifolium pratense, der Rotklee, und Hieracium pilosella (Kleines Habichtskraut) ein hübsches Blütenduo
Auf der alten Kuhweide können sich die Insekten jetzt u. a. am blauen Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), weißgelben Gänseblümchen (Bellis perennis) und zart violetten Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) laben
Und natürlich an den großen Blütentrauben unserer Vielblättrigen Lupinen (Lupinus polyphyllus), deren Pollen bei einigen Gästen wie beispielsweise den Erdhummeln außerordentlich begehrt ist
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