Februar-Frühling

Kaum zwei Monate sind rum, und schon hat sich 2019 seinen Platz in der Galerie der „Weißt-du-noch“-Gartenjahre gesichert. Denn ich kann mich wirklich nicht erinnern: Mittagessen und Teatime draußen zwischen den Beeten im Februar? Wie herrlich ist das denn! Die beiden letzten Wochenenden des Monats bescherten uns unglaubliches Frühlingswetter mit Temperaturen bis zu 20 Grad in der Sonne. Und auch der Rest des Wintermonats konnte mit ab und an leichtem Nachtfrost und wenigen Schneeregenschauern locker als Frühling durchgehen. Natürlich kam bei der Gärtnerin – neben Freude über den unerwartet frühen Genuss von Sonnenbädern im Liegestuhl – sofort Stress auf: Am besten auf einen Schlag mussten nun alle Stauden und Gräser zurückgeschnitten werden, tote Halme aus dem Bambus entfernt, die Dachrinnen von Laub befreit und überhaupt der Garten einen repräsentablen Frühjahrs-Look erhalten. Was – ebenso natürlich – zum ersten üblen Ganzkörper-Muskelkater des Jahres führte. Der immerhin dazu beitrug – einzig positiver Aspekt –, sich mal Zeit zu nehmen, im meditativen Schlendermodus durch den sich gefühlt stündlich verändernden Garten zu stromern.

Nicht nur Mensch, sondern auch Fauna und Flora wähnen sich im Frühling: Die trompetenartigen Rufe der Kraniche, die an einigen Tagen im Halbstundentakt in eleganten Formationen wieder in Richtung ihrer Brutgebiete zogen, ließen die Blicke immer wieder von den Beeten in den Himmel schweifen
Die ersten Bienen sind bereits auf der Suche nach Nahrung. Eine zuverlässige Quelle hierfür ist die Duftheckenkirsche Lonicera x purpusii, deren Blüten sich je nach Standort und Witterung schon ab Januar (seltener ab Dezember) öffnen – und die (wie der Name verrät) zudem wunderbar duften. Steht der dicht verzweigte Strauch (der sich auch bestens als Versteck für Vogelnester eignet) geschützt, bleiben die Blätter sogar den Winter hindurch grün. Das robuste Gehölz sollte in keinem naturnahen Garten fehlen
Von den Klassikern unter den Frühblühern wie Schneeglöckchen, Krokus, Winterling und Co. kann man ohnehin nicht genug haben. Eine Sorte, die ebenfalls durch einen köstlichen Duft (nach Honig) auf sich aufmerksam macht, ist die großblumige Galanthus nivalis ‚S. Arnott’
Das satte Wintergrün der Filigranfarne Polystichum setiferum ‚Dahlem’ (vordere Pflanze) und Polystichum setiferum ‚Proliferum’ bringt das Weiß der Blüten der Helleborus-Hybride ‚Yakima’ (hinten) und von Galanthus nivalis ‚Flore Pleno’ ausdrucksstark zum Leuchten
Hier leuchtet die Sonne durch den Bambushain
Die Sonnenstrahlen tauchen Cornus stolonifera ‚Flaviramea’ in goldenen Glanz. Der Gelbholz-Hartriegel sollte regelmäßig ausgelichtet werden, damit er seine frische gelbgrüne Rindenfarbe behält – und um seinem Ausbreitungsdrang Einhalt zu gebieten. Die Zweige eignen sich prima für Arrangements in der Vase
Und dann gab es noch zwei Überraschungen zu entdecken: Unsere Wisteria sinensis hat nach dem trockenen Sommer 2018 zum ersten Mal Früchte angesetzt. Die reifen Samen werden aus den samtig grünen Hülsen regelrecht herausgeschleudert (auch wenn man sie nach dem Rückschnitt drinnen auf einem Tisch platziert)
Und unsere Parrotia persica hat diesen Winter beschlossen, dass sie jetzt ins „Erwachsenenalter“ eintritt: Ihre Rinde beginnt bereits – ähnlich wie bei Platanen – dekorativ abzublättern
Das hätte ich jetzt bei ihrer Größe (gute 2,50 m hoch und 3 m breit) noch nicht unbedingt erwartet. Auf diesem Bild vom vergangenen Herbst präsentiert das Persische Eisenholz schon einen Teil der schier unendlichen Bandbreite an Farben, die zum Ende der Saison die Blätter überzieht. Immer wieder ein echter Hingucker

Am 01. März startet nun ganz offiziell meteorologisch der Frühling. Hoffen wir mal, dass er genauso ein tolles Gartenwetter bereithält wie der Februar.

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