Das große Gießen

Schon wieder übers Wetter lamentieren? Machen wir es kurz: Sommerliche bis hochsommerliche Temperaturen bescherten uns einen denkwürdigen Juli. Aber leider war auch die Regenmenge hier in der Nordheide bemerkenswert – nämlich mit bis dato 27,75 mm viel zu gering. Über braune Rasenflächen kann ich hinwegsehen, hängende Stauden hingegen appellieren an mein Mitgefühl: Da wird gegossen und zwar kräftig. Nicht nur die Topfkandidaten, sondern auch die Pflanzen in den Beeten. Jegliche andere Gartenarbeit kommt bei der Hitze allerdings zum Erliegen wie zum Beispiel das schon bei 15 Grad schweißtreibende Abstechen von Bambusrhizomen. Dumm ist nur, dass einen die vorgeschobene Rechtfertigung zum gärtnerischen Müßiggang irgendwann einholt. Aber die Celsius-Werte liegen einfach grad deutlich über meiner „Betriebstemperatur“.

Ziemlich angetan von Sonnenschein und Wärme sind hingegen zahlreiche Insekten – es summt und brummt ganz herrlich an den Blütenständen. Da die meisten Wasserstellen und der kleine Bach längst ausgetrocknet sind, haben wir gegen den Durst einige flache Wasserschalen im Garten verteilt, die regelmäßig aufgefüllt werden.

Hoch in der Gunst der kleinen geflügelten Gäste steht Agastache ‚Black Adder’. Wurde bereits mehrfach erwähnt, kann man aber gar nicht oft genug betonen. In diesem Jahr besonders häufig zu sehen: die Kohlweißlinge
Die Zitronenfalter scheinen sich fast ausschließlich an den Duftnesseln zu laben. Kein Tag, an dem man sie nicht dort beobachten kann
Ebenfalls sehr beliebt sind die Sonnenbräute, im Bild Helenium ‚Sahin’s Early Flowerer’. Die Steinhummel hat schon – farblich passend – ordentlich Pollen gesammelt
Wärme und Trockenheit haben unseren Wiesen in diesem Jahr einen etwas anderen Look verpasst: Im östlichen Teil des Gartens wogt ein gelbes Meer aus verschiedenen Habichtskraut- (Hieracium) und Pippau-Arten (Crepis), garniert mit weißen Tupfern von Daucus carota
Gelungener Trick: Die Wilde Möhre (Daucus carota) hat in der Mitte der Dolde oft eine purpur-schwarze „Mohrenblüte“. Damit suggeriert sie Vorbeifliegenden, dass sich bereits ein Insekt niedergelassen hat – ein Blütenbesuch also lohnt. Klappt, wie man sieht
In der westlichen Wiese steht das Gefleckte Johanniskraut (Hypericum maculatum) deutlich niedriger als sonst. Das dominante Gelb im Hintergrund ist Senecio jacobaea, dem die Trockenheit weniger auszumachen scheint. Unser Menü für die Insekten wird noch ergänzt durch Origanum vulgare, unterschiedliche Disteln und Moschus-Malven (Malva moschata)
Ebenfalls erheblich unter Gardemaß bleibt Eupatorium fistulosum ‚Riesenschirm’. Der prächtige Wasserdost bringt es bei uns in der Regel locker auf 160 bis 180 cm. Bienen, Schmetterlingen und Co. ist die Höhe egal – sie interessieren sich vor allem für die großen Blütendolden, die bis in den Herbst hinein eine gute Nahrungsquelle sind. Neu bei uns im Garten ist Veronicastrum virginicum ‚Fascination’. Auch der Kandelaber-Ehrenpreis wird gerne von Insekten besucht. Ich hoffe, er kommt mit unserem nicht wirklich feuchten Boden klar. Andererseits: Wenn der Wasserdost sich hier wohlfühlt (also bei „normal“ norddeutschem Wetter zumindest), könnte auch er es schaffen
Regelmäßiges Gießen reicht nicht überall aus. Die Blätter von Alchemilla mollis haben unschöne Brandflecken durch die intensive Sonnenstrahlung kassiert. Hier hätte längst ein Rückschnitt erfolgen sollen, aber so schattieren die alten Blüten und maroden Blätter des Weichen Frauenmantels den Boden noch etwas – und das ist zurzeit eindeutig wichtiger
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