{"id":621,"date":"2012-09-01T18:54:41","date_gmt":"2012-09-01T18:54:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wildgardening.de\/?p=621"},"modified":"2013-06-13T08:16:15","modified_gmt":"2013-06-13T08:16:15","slug":"raumgreifende-zauberwesen-persisches-eisenholz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wildgardening.de\/?p=621","title":{"rendered":"Raumgreifende Zauberwesen \u2013 Persisches Eisenholz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-622\" title=\"Parrotia persica in den Royal Botanic Gardens, Kew\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Parrotia_p_Kew.jpg\" width=\"555\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Parrotia_p_Kew.jpg 650w, https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/Parrotia_p_Kew-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele B\u00e4ume und Str\u00e4ucher entwickeln alleine aufgrund ihres typischen Habitus eine besondere Pers\u00f6nlichkeit \u2013 <em>Parrotia persica,<\/em> das Persische Eisenholz, z\u00e4hlt f\u00fcr mich zu den markantesten Solit\u00e4rgeh\u00f6lzen. Mit ihren weit ausladenden \u00c4sten und den manchmal schlangengleich wachsenden St\u00e4mmen formt die Parrotie oft bizarre Skulpturen, pflanzlichen Zauberwesen gleich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In S\u00fcdengland ist das Persische Eisenholz in fast jeder gro\u00dfen Gartenanlage und nat\u00fcrlich in den botanischen G\u00e4rten zu finden. Bei uns in Norddeutschland kann man den dekorativen Gro\u00dfstrauch oder Kleinbaum zum Beispiel im <a href=\"http:\/\/www.berggarten-hannover.de\" target=\"_blank\">Berggarten Hannover<\/a> oder im <a href=\"http:\/\/www.arboretum-ellerhoop-thiensen.de\" target=\"_blank\">Arboretum Ellerhoop-Thiensen<\/a>\u00a0sehen. Im Herbst begeistert <em>Parrotia persica <\/em>zudem mit einer ph\u00e4nomenalen Laubf\u00e4rbung: Die Palette reicht von kr\u00e4ftigen Gelbt\u00f6nen \u00fcber leuchtendes Orangerot bis hin zum ins Violett gehende Dunkelrot \u2013 oft mehrere T\u00f6ne auf einem Blatt. An vollsonnigen Standorten ist die F\u00e4rbung am intensivsten. Sie beginnt manchmal schon zum Herbstanfang und bleibt weit \u00fcber den ersten Frost hinaus ein herrlicher Blickfang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-710\" title=\"\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_07301.jpg\" width=\"555\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_07301.jpg 555w, https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_07301-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch im Winter kann das Eisenholz noch mit einem hohen Zierwert punkten: Die abbl\u00e4tternde Schuppenborke \u00e4lterer St\u00e4mme erinnert an Platanen. Sie l\u00e4sst die nicht belaubten Geh\u00f6lze mit mehrfarbigen Rindenschuppen in der Sonne gl\u00e4nzen \u2013 ein wundersch\u00f6ner Kontrast in verschneiter Landschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-708\" title=\"\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_0404.jpg\" width=\"539\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_0404.jpg 539w, https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_0404-300x205.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 539px) 100vw, 539px\" \/><\/p>\n<p><strong>Ein paar botanische Details<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Parrotia persica<\/em> wurde nach dem deutschen Arzt und Naturforscher Friedrich W. Parrot (1792\u20131841) benannt. Die deutsche Bezeichnung Persisches Eisenholz verweist zum einen auf das urspr\u00fcngliche Verbreitungsgebiet \u2013 das Geh\u00f6lz ist im Nordiran, in Vorderasien und im kaspischen Urwald beheimatet \u2013, zum anderen auf die Qualit\u00e4t des Holzes. Als \u201eEisenholz\u201c werden viele Baumarten benannt, deren Holz besonders hart ist und eine Dichte aufweist, die gr\u00f6\u00dfer ist, als die von Wasser (rund 1g\/cm<sup>3<\/sup>). Diese H\u00f6lzer schwimmen nicht im Wasser, sondern gehen unter. Parrotie ist ebenfalls eine g\u00e4ngige Bezeichnung in Deutschland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gattung <em>Parrotia<\/em> geh\u00f6rt zur Familie der Zaubernussgew\u00e4chse (<em>Hamamelidaceae). Parrotia <\/em>wurde 1831 von C. A. Meyer beschrieben. Die International Dendrology Society (IDS) in England hat <em>Parrotia <\/em>2007 zum \u201eTree oft the Year\u201c gek\u00fcrt. Der spannende Beitrag aus dem Jahrbuch 2007 der IDS \u00a0findet sich hier:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/IDS_07TreeoftheYear.pdf\">Beitrag aus dem Jahrbuch der IDS<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dort wird neben der Art\u00a0 <em>Parrotia persica<\/em> (D. C.) C. A. Mey. auch eine zweite Art, die <em>Parrotia subaequalis<\/em> (H. T. Chang) R. M. Hao &amp; H. T. Wei, beheimatet in Ostchina, aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun aber zur\u00fcck zu unserem Persischen Eisenholz. In dem Standardwerk von Hans-Dieter Warda \u201eDas gro\u00dfe Buch der Garten- und Landschaftsgeh\u00f6lze\u201c \u2013 einer wahren Fundgrube f\u00fcr jeden Geh\u00f6lzliebhaber \u2013 sind die wichtigsten Merkmale der Parrotie zusammengefasst: Der Gro\u00dfstrauch oder kleine Baum w\u00e4chst oft mehrst\u00e4mmig, die Haupt\u00e4ste breit trichterf\u00f6rmig aufrecht mit weit ausladenden Seiten\u00e4sten. Aus dieser Beschreibung l\u00e4sst sich schon erahnen: Das Geh\u00f6lz braucht Platz, am besten viel Platz. Denn bei einer H\u00f6he von bis zu 10 Metern bei uns in Deutschland, nimmt <em>Parrotia persica <\/em>im Alter oft noch deutlich mehr an Breite in Anspruch. Also nicht in den kleinen Vorgarten pflanzen, dort kommt der markante Wuchs wenig zur Geltung und man selbst bald kaum noch ins Haus. Im feuchten sommergr\u00fcnen Kaspischen Urwald erreichen die B\u00e4ume H\u00f6hen von bis zu 30 Metern und bilden teilweise fast reine Best\u00e4nde aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Jugend w\u00e4chst die Parrotie eher langsam und kann auch etwas frostempfindlich sein. Das mussten wir nach den heftigen Minusgraden im Februar 2012 leider auch erfahren. Drei Exemplare verschiedener Herkunft, die allerdings erst 2011 gepflanzt wurden, \u00fcberlebten den Winter nicht. Wobei in einem der F\u00e4lle nicht ganz klar ist, ob nicht doch der Hasenverbiss Ursache des Baumsterbens war &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-705\" title=\"\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_0854.jpg\" width=\"555\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_0854.jpg 555w, https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_0854-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rinde der Triebe ist olivbraun mit hellen Lentizellen, das sind rundliche oder elliptische Korkwarzen, die dem Gasaustausch dienen (besonders deutlich z. B. auch bei Kirschb\u00e4umen zu sehen). Die Borke hat eine br\u00e4unliche Farbe, die im Alter oft vielfarbig platanenartig abbl\u00e4ttert \u2013 siehe Fotos weiter oben. Bis 10 cm lange, verkehrt eif\u00f6rmige bis elliptische Bl\u00e4tter stehen wechselst\u00e4ndig an den \u00c4sten. Das Blatt f\u00fchlt sich leicht ledrig an und ist oberseits dunkel-, unterseits hellgr\u00fcn, im Austrieb h\u00fcbsch rot gerandet. Von der phantastischen Herbstf\u00e4rbung wurde ja vorne schon ausreichend geschw\u00e4rmt. Die Bl\u00fcten erscheinen vor dem Blattaustrieb im M\u00e4rz als kleine K\u00f6pfchen mit leuchtend roten Staubgef\u00e4\u00dfen auf sternf\u00f6rmigen Hochbl\u00e4ttern, Bl\u00fctenbl\u00e4tter fehlen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-706\" title=\"\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_0496.jpg\" width=\"555\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_0496.jpg 555w, https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/DSC_0496-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Parrotia persica<\/em> ist ein Flachwurzler, sie liebt Sonne und W\u00e4rme. Auch lichter Schatten ist O. K., geht aber zu Lasten der ausgepr\u00e4gten Herbstf\u00e4rbung. Sie gedeiht in allen B\u00f6den, vorausgesetzt sie sind durchl\u00e4ssig und nicht zu n\u00e4hrstoffarm. Bevorzugt werden laut Warda tiefgr\u00fcndige, frische bis feuchte Lehmb\u00f6den mit einem pH-Wert von 6 bis 6,5. Die Parrotie toleriert leicht alkalische Substrate, obwohl sie zur Familie der Zaubernussgew\u00e4chse geh\u00f6rt. Ein weiterer Pluspunkt: Das Geh\u00f6lz ist \u00fcberhaupt nicht krankheitsanf\u00e4llig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der zweite Anlauf<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem unsere drei 2011 gepflanzten Exemplare die denkbar schlechtesten Startbedingungen hatten und dem vergangenen Winter zum Opfer fielen, fanden in diesem Jahr zwei neue Persische Eisenh\u00f6lzer ihren Platz in unserem Garten. Neben der Art <em>Parrotia persica<\/em> werden inzwischen einige Sorten kultiviert. Eine \u00dcbersicht dazu findet sich ebenfalls in dem Beitrag \u201eTree of the Year: <em>Parrotia<\/em>\u201c der IDS: Hier geht es zum\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/IDS_07TreeoftheYear.pdf\">Beitrag aus dem Jahrbuch der IDS<\/a>. Wir haben diesmal eine <em>Parrotia persica <\/em>und eine <em>Parrotia persica <\/em>\u201aVanessa\u2019 (auch als \u201aSelect\u2019 im Handel) erstanden, die einen etwas aufrechteren Wuchs aufweist. Beide Pflanzen treiben bereits gut aus an ihren fast waagerecht verlaufenden \u00c4sten. Nun bleibt uns nur zu hoffen, dass sie in ihren ersten, etwas sensibleren Jahren von Herausforderungen wie jenen des Februars 2012 verschont bleiben. F\u00fcr alle F\u00e4lle haben wir aber schon mal Winterschutzmaterial gebunkert &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele B\u00e4ume und Str\u00e4ucher entwickeln alleine aufgrund ihres typischen Habitus eine besondere Pers\u00f6nlichkeit \u2013 Parrotia persica, das Persische Eisenholz, z\u00e4hlt f\u00fcr mich zu den markantesten Solit\u00e4rgeh\u00f6lzen. 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