{"id":186,"date":"2012-02-12T20:45:46","date_gmt":"2012-02-12T20:45:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wildgardening.de\/?p=186"},"modified":"2012-09-14T10:20:52","modified_gmt":"2012-09-14T10:20:52","slug":"nur-mut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wildgardening.de\/?p=186","title":{"rendered":"Nur Mut!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-318\" title=\"Alter Apfelbaum\" src=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Apfelbaum1.jpg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Apfelbaum1.jpg 725w, https:\/\/www.wildgardening.de\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Apfelbaum1-300x199.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Ein Essay \u00fcber den oft unerwarteten Nutzen alten Pflanzenbestands in wilden G\u00e4rten<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Man sagt, es sei der Traum eines jeden Gartengestalters: Einmal eine freie Fl\u00e4che als Garten neu anlegen und begr\u00fcnen zu d\u00fcrfen \u2013 ohne Einschr\u00e4nkungen durch Wege und Mauern, B\u00e4ume, Hecken und vorhandenes, erhaltenswertes Gr\u00fcn. Ein Garten als ein wei\u00dfes, unbeschriebenes Blatt, das man ganz nach seinen Vorstellungen formen kann. Zugegeben ein reizvoller Gedanke.\u00a0<\/em><em>Aber gerade \u00e4ltere G\u00e4rten sind gepr\u00e4gt durch l\u00e4ngst etablierte B\u00e4ume, Str\u00e4ucher, Wege und Stauden. Was tun damit?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drum herum planen? Alte, gegebene Strukturen akzeptieren und belassen? Auch die einst so gesch\u00e4tzten, inzwischen ungeliebten, weil riesigen Lebensb\u00e4ume? Oder die mit den Jahren im unteren Bereich stark verkahlenden Sichtschutzhecken aus Fichten? Was beispielsweise anfangen mit geraden Wegen, die fr\u00fcher meist so angelegt wurden, dass sie m\u00f6glichst dicht an der Hauswand entlang liefen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz klar, G\u00e4rten sind Moden unterworfen. Geschm\u00e4cker ver\u00e4ndern sich. Wo fr\u00fcher der Nutzenaspekt und der gepflegte Vorgarten mit scharfer Rasenkante im Fokus standen, ist heute eher das naturalistische G\u00e4rtnern en vogue. Staudenbeete, Gr\u00e4ser, Pr\u00e4riepflanzen und geschwungene naturnahe Wege kennzeichnen f\u00fcr viele seit Jahren einen zeitgem\u00e4\u00df angelegten Garten. Bekannte Gartengestalter wie Piet Oudolf, Cassian Schmidt und Noel Kingsbury stehen f\u00fcr diese Art des G\u00e4rtnerns. Die eindrucksvollen Pflanzenbilder, die sie durch ihre Gestaltungen und B\u00fccher vermitteln, gelten als stilbildend. Viele G\u00e4rtner und Gartenbesitzer haben sich diese naturnahen Landschaftsdesigns zum Vorbild genommen. Also, kein Platz f\u00fcr alte Koniferen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegenteil. Gerade in einem wilden Miteinander aus altem Bestand und neuen Ideen liegt eine gro\u00dfe Chance, oftmals unerwartete Raffinesse in den Garten zu zaubern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Planungsprozess hierf\u00fcr ist leider deutlich komplexer. Neben den determinierenden lokalen Gegebenheiten \u2013 den klimatischen Aspekten, der Bodenbeschaffenheit, der Sonneneinstrahlung und der optimalen Integration der Umgebung \u2013 muss zudem auch dem Vorhandenen Rechnung getragen werden. Es gilt zu entscheiden, was bleiben darf und was neu gestaltet werden soll. Diese \u00dcberlegungen umfassen baulich-strukturierende Elemente des Gartens ebenso wie vorhandene Pflanzen. Pflanzen-Kleinodien, die bleiben sollen, wollen definiert sein. M\u00fcssen sie umziehen oder stimmt der Platz? Das eine oder andere echte Schmuckst\u00fcck \u2013 etwa ein altehrw\u00fcrdiger, herrlich knorriger Birnenbaum -, m\u00f6chte umplant werden, ohne umziehen zu m\u00fcssen. Demgegen\u00fcber entpuppen sich g\u00e4nzlich misslungene Bereiche im Garten zumeist als Gl\u00fccksfall. Sie sind schnell und ohne Gewissensbisse in wei\u00dfe, neu gestaltbare Flecken verwandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was beispielsweise tun mit der seit Jahren kr\u00e4ftig gewachsenen Korkenzieherhasel <em>Corylus avellana &#8218;Contorta&#8216;<\/em>, die just in dem Bereich, wo ein symmetrischer Kreuzgarten angelegt werden soll, mittig in einem der geplanten Beete zu stehen kommt? Zun\u00e4chst wurde sie in die neue Planung noch unschl\u00fcssig und eher widerwillig integriert. Wenn es gar nicht geht, h\u00e4tte man sie ja immer noch wegnehmen k\u00f6nnen. Inzwischen ist eben jene Korkenzieherhasel einer der visuellen Leitpunkte in diesem Gartenabschnitt. Mit ihrem rundlichen Habitus strahlt sie auf die angrenzenden Grasbeete ab, die ihre Form mit anderer Blattstruktur zu imitieren scheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gl\u00fcckliches Zusammentreffen, zugegeben. Anderes gelingt nicht so leicht. Schwerer ist es beispielsweise, einen Fichtenhecken-Sichtschutz zum Nachbargrundst\u00fcck \u2013 inzwischen auf gute 20 Meter H\u00f6he aufgeschossen &#8211; in eine moderne Gartengestaltung zu integrieren. Der dunkle Hintergrund \u201edominiert\u201c auch das farbenkr\u00e4ftigste Staudenbeet. Oder sollte man sagen: Er schafft erst den richtigen Kontrast daf\u00fcr?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In England ist \u201eWe need more verticals!\u201c eine viel zitierte Gartenweisheit. Alte B\u00e4ume zeichnen Vertikale in einen Garten, wie es ein junger Pflanzenbestand zun\u00e4chst nur schwer kann. \u201eVertikale Pflanzenstrukturen verleihen jeder Gartensituation auf besondere Weise die n\u00f6tige Eleganz und Klarheit.\u201c, so der deutsche Gartendesigner Peter Janke (Design mit Pflanzen. Moderne Architektur im Garten). Es braucht nur ein wenig Mut, eine solche markante Klarheit anzunehmen und zu integrieren. Manchmal ist es einfach notwendig, g\u00e4ngige Sehgewohnheiten zu ignorieren, um sich Neuem, ja auch Unbequemen zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein anderer Klassiker in eingewachsenen G\u00e4rten sind die Gemeinen Wacholder\u00a0<em>Juniperus communis.\u00a0<\/em>Heutzutage eine nicht gerade beliebte Gartenpflanze. Wie oft werden sie als Friedhofsb\u00e4ume abgetan und keines n\u00e4heren Blickes mehr gew\u00fcrdigt. \u00dcbersehen wird dabei ihre w\u00fcrde- und kraftvoll aufragende Wuchsform, die auch hierzulande ein wenig toskanisches Flair hervorzaubert. Und das bei deutlich besserer Winterh\u00e4rte als manch mediterrane Konifere zu bieten hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal entstehen so durch zun\u00e4chst fast unverzeihlich erscheinende Kompromisse gerade die Bereiche im Garten, die Spannung und Fantasie in die gr\u00fcne Welt tragen. Br\u00fcche im Gr\u00fcn, die eine urw\u00fcchsige Kraft, eine unerwartete Wildheit und eine ganz eigene Harmonie besitzen. Raffinierter als man sie manchmal auf einem wei\u00dfen Blatt planen k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Essay \u00fcber den oft unerwarteten Nutzen alten Pflanzenbestands in wilden G\u00e4rten Man sagt, es sei der Traum eines jeden Gartengestalters: Einmal eine freie Fl\u00e4che als Garten neu anlegen und begr\u00fcnen zu d\u00fcrfen \u2013 ohne Einschr\u00e4nkungen durch Wege und Mauern, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.wildgardening.de\/?p=186\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[9,38,19,30,10],"tags":[20,64,25,23,26],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wildgardening.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/186"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wildgardening.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wildgardening.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wildgardening.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wildgardening.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=186"}],"version-history":[{"count":44,"href":"https:\/\/www.wildgardening.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":649,"href":"https:\/\/www.wildgardening.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/186\/revisions\/649"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wildgardening.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wildgardening.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wildgardening.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}